Obertshausen sammelt Weggeworfenes

Weniger Abfall als im Vorjahr

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Sessel, Hamsterkäfig, Reifen: Fleißige Aushilfs-Müllmänner begutachten ihre Ausbeute vom Umwelttag.

Obertshausen - In der „liebenswerten Kleinstadt“ haben sie schon Müll gesammelt, als es weder ein „Sauberhaftes Hessen“ noch andere Aktionen zur freiwilligen Reinigung öffentlicher Flächen gab. Von Michael Prochnow 

Beim jüngsten Umwelttag konnten die Organisatoren und die Teilnehmer eine positive Veränderung vermelden: Der Abfall wird weniger. Müllbeutel reihen sich am Straßenrand, blaue und durchsichtige. Ein paar Personen suchen in der Nähe Boden, Büsche, Gräser ab, stochern mit langen eisernen Greifern wie Minensucher im Laub umher. „Es ist weniger geworden“, da ist sich Siggi Wilz ganz sicher. Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins beteiligt sich schon seit etlichen Jahren am Umwelttag oder an der Aktion „Sauberhaftes Hessen“. Mit einem Dutzend Vereins-Kameraden durchkämmt er Wald und Wiesen rund um ihr Gelände am Rembrücker Weg.

Früher mussten sie aufpassen, dass sie nicht in Hundedreck treten, erzählt Gerhard Gloser. Heute, ist dem Kolpingbruder aufgefallen, liegen die Hinterlassenschaften stattdessen in Plastikbeutel verschnürt herum. Kein wirklicher Fortschritt. Selten sind beim Müllsammeln in Obertshausen spektakuläre Funde dabei. Sebastian Leinweber, der als Trainer mit Kickern seiner Jugendmannschaft von Teutonia Hausen unterwegs ist, hat in den Rodau-Auen Geldscheine gefunden: Der Zehner sieht noch ganz brauchbar aus, die Fünf-Euro-Note ist durchlöchert.

Eine andere Gruppe hat einen geöffneten Tresor ausgehoben – leider leer. „Am Anglerweiher finden wir öfter mal einen Geldschrank“, berichtet Jochen Roth, stellvertretender Leiter des Bauhofs und erfahrener Ausrichter der Umwelt-Aktion. Sein Team umfasste am Samstagmorgen 30 Bedienstete, die mit zehn Fahrzeugen im Einsatz waren, um die gefüllten Säcke und auch sperrige Stücke wie Fahrradfelgen und -gabeln, Auspuffanlagen und andere Autoteile einzuholen und auf dem Wertstoffhof in die richtigen Container zu sortieren.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Die Zigarettenpackungen, mit denen Lukas Garcia und seine Mannschaft eine umfangreiche Sammlung eröffnen könnten, kommen in den Restmüll. Die Jugendfeuerwehr Hausen durchstreift das Gelände rund um die Grillhütte im Waldpark Sainte-Geneviève-des-Bois, dort, wo Tabakrauch verboten ist. Im Hausener Norden klauben auch Mitglieder der Turngesellschaft achtlos Weggeworfenes auf. Der Leichtathlet und Trainer Carsten Liebe zählt einen mobilen Grill und einen Einkaufskorb aus einem Supermarkt zu den „Erfolgen“ seiner Truppe. Und mehrere Wodkaflaschen. Trotzdem, „es ist weniger geworden“, analysiert auch der Sportsmann.

Heimat für Flachmänner und Verpackungsmüll aus dem Schnellrestaurant sind traditionell die Grünstreifen an der Bundesstraße, die Auf- und Abfahrten wie am Monte-mare-Erlebnisbad. Und entlang der Umgehungsstraße. Dort schickt Roth aber keine Gruppe hin, das wäre zu gefährlich. 91 Vereine hat der Leiter angeschrieben, immerhin 26 sind dabei, fast so viele wie 2015. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Privatpersonen, die morgens zum Bauhof gekommen sind, um sich Handschuhe, Plastikbeutel und Picker abzuholen.

Mit unterwegs waren auch 15 unbegleitete Flüchtlinge, die in einem Obertshausener Hotel untergebracht sind und einen von 26 Sammelbezirken beackerten. Zurück im Bauhof an der Leipziger Straße wartete eine Belohnung auf die aktiven Bürger: Gulasch- und Gemüsesuppe standen in der Fahrzeughalle zur Stärkung bereit. Das Treffen beim Löffeln führte die Generationen zusammen und ermöglichte einen Austausch unter den Aushilfs-Müllmännern und -frauen.

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