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„Wer bestimmt eigentlich, was normal ist?“: Malte Anders konfrontiert Schüler mit dem Thema Homosexualität

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Besonderes Experiment: Malte Anders (rechts) will demonstrieren, dass rosa Überraschungseier nicht schwul machen.
Besonderes Experiment: Malte Anders (rechts) will demonstrieren, dass rosa Überraschungseier nicht schwul machen. © Prochnow

Machen rosafarben verpackte Schokoladen-Eier schwul? In der Hermann-Hesse-Schule hat sich ein Freiwilliger für das Experiment bereitgestellt: Malte Anders überreichte das süße Teil einem Schüler im Publikum, und der steht nun unter Beobachtung. Hintergrund dieses ungewöhnlichen Experiments war der Besuch des Künstlers, der sich in seinem kabarettistischen Schulprogramm mit dem Tabuthema „Homosexualität in der Schule“ auseinandersetzt.

Obertshausen – Dazu konfrontierte der Gast die Acht- und Neuntklässler in der Aula der Hesseschule mit wilden Gerüchten und üblen Erfahrungen zur Homosexualität und überzeugte die Jugendlichen rasch mit seiner kabarettistischen „Homologie“.

„Homo“ sei nun mal kein Schimpfwort, sondern bedeute schlicht und einfach „Mensch“, stellte der Künstler klar. Und „Homo erectus“ weise auf den aufrechten Gang der so bezeichneten Entwicklungsstufe hin, lehrte er mit Hilfe von projizierten und bewegten Bildern. Mit einem Ausflug in die Tierwelt belegte Anders, dass Sex nichts Negatives sei: Unter dem Motto „Make Love Not War“ – zu deutsch: „Mach’ Liebe, nicht Krieg“ – paaren sich die Bonobo-Affen, wenn Streit oder Konflikte im Raum stehen, gerne „jeder mit jedem“.

Homosexualität gebe es „in fast jeder Tierart“, vernahmen die Teenager als Nächstes. „Jeder fünfte Pinguin ist schwul“, zitierte der Mann auf der Bühne aus Statistiken und präsentierte Fotos von Schwänen, Käfern und Kängurus. Delfine genössen gar Natal-Sex, also über die Nase. „Dass Frauen heiraten und Kinder kriegen, ist irgendwie normal“, startete der Alleinunterhalter einen weiteren Anlauf. „Aber wer bestimmt eigentlich, was normal ist?“

Oder anders gefragt: „Warum müssen sich Heterosexuelle nie für ihre Sexualität erklären?“ Wie würden die jungen Obertshausener reagieren, wenn sich ein Klassenkamerad als schwul oder eine Mitschülerin als lesbisch vorstellen würde?

Bei Malte Anders kam es ungewollt ans Tageslicht, seine Lehrerin fand einen Brief an seine „beste Freundin“, aus dem seine eigene Orientierung ersichtlich wurde. Freimütig berichtete er nun von Erlebnissen im Familienkreis.

Der Auftritt untermauerte das Konzept der Einrichtung als „Schule mit Courage und ohne Rassismus“. Die Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Mobbing spiele eine wichtige Rolle in der Schulgemeinde, hieß es. „Über das ganze Jahr hinweg organisieren wir für unsere Schülerinnen und Schüler besondere Angebote, damit sie sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzen können“, erläuterte Sportkoordinator Sebastian Hix. (Von Michael Prochnow)

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