Glaube und Religion

„Wie ein Anrufbeantworter“: Evangelische Kirchengemeinde bietet eine Telefonpredigt an

Alles digital: Ingo Kneller betreut die telefonische Abfrage der Predigt über die Software Placetel.
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Alles digital: Ingo Kneller betreut die telefonische Abfrage der Predigt über die Software Placetel.

Der Gottesdienstbesuch ist für viele Menschen ein wichtiger Aspekt des Lebens. Er gibt ihnen inneren Frieden, Spiritualität oder auch ein Gefühl von Gemeinschaft. Doch zu Zeiten von Corona erschwert sich der Besuch vor Ort ungemein. Seit einem Jahr hat die Evangelische Kirchengemeinde in Obertshausen einen besonderen Dienst im Programm.

Obertshausen – Neben den Online-Streams der Gottesdienste bietet die Gemeinde der Waldkirche nämlich auch den telefonischen Abruf der Predigt an, wie Ingo Kneller informiert. Kneller ist Mitglied des Kirchenvorstands und dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

„Unsere Pfarrer hatten die Rückmeldung bekommen, dass einige Gläubige sich wegen der Pandemie nicht in die Kirche trauten, aber auch keinen Internetanschluss für die Online-Angebote besäßen“, erinnert sich Kneller. Durch Gespräche mit Kollegen wären die Pfarrer mit der Idee der telefonisch abrufbaren Predigt auf den Kirchenvorstand zugekommen. „Also habe ich mich mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt“, erinnert sich Kneller, der beruflich in der IT-Branche tätig ist.

Die Gemeinde entschied sich, die Online-Plattform „Placetel“ zu nutzen und Kneller fing an, sich einzuarbeiten. Auf der Plattform habe man die Möglichkeit, Audiodateien einzuspielen und diese telefonisch abzurufen. Da Placetel auf einer Cloud basiere, sei auch keine Installation einer Software nötig gewesen, erklärt der IT-Spezialist. „Wenn man die Datei hochlädt, ist das, wie wenn man einen Anrufbeantworter füttert, den man dann anrufen kann.“

Seit 1970 werden die Gottesdienste aufgezeichnet

Ein Vorteil der cloudbasierten Software sei, dass auch mehrere Personen gleichzeitig anrufen könnten. „Es ist dann nicht so, dass einer 25 Minuten lang die Leitung blockiert und sonst keiner durchkommt.“

Nach einer zweiwöchigen Testphase brachte Kneller das Thema erneut in den Kirchenvorstand ein und man entschied sich, ein Budget für die Nutzung der Software zur Verfügung zu stellen. „Es ist eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen gewesen“, erläutert er, „wir wollen möglichst viele Menschen in der Gemeinde erreichen, da sich einige sonst abgehängt fühlen könnten.“ Auch wenn man nur eine einstellige Zahl an Menschen erreichen würde, so fühlten sich diese zumindest der Gemeinde verbunden, rechtfertigt Kneller die monatliche Summe von 2,90 Euro im Monat.

Bereits seit den 1970er Jahren hat es Tradition in der Waldkirche, die Gottesdienste auf Ton aufzuzeichnen. Diese sind auch auf der Website verfügbar. „Wenn man die Gottesdienste ohnehin aufzeichnet und veröffentlicht, kann man das doch auch noch auf einem weiteren Kanal tun.“

Kirchengemeinde ist sehr zufrieden mit dem Telefonservice

Wenn Kneller nicht selbst an dem Mischpult der Kirche steht, das den Ton direkt auf einem USB-Stick aufzeichnen kann, so ist die Tonansage bereits sonntagmittags aktualisiert. „Wir sagen aber, dass bis spätestens am Sonntagnachmittag die neue Predigt verfügbar ist.“

Neben der Predigt haben die Gläubigen der Gemeinde auch die Möglichkeit, sich kirchlichen Nachrichten sowie den aktuellen Newsletter der Kirchengemeinde vorlesen zu lassen. „Wir sind sehr zufrieden und wollen diesen Dienst unbedingt aufrechterhalten“, sagt Kneller abschließend.

Wer die Telefonpredigt in Anspruch nehmen möchte, erreicht den entsprechenden Anschluss unter 06104 6896580 (Von Jan Max Gepperth)

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