Remedy in Obertshausen

Marcus Straße und sein Team feiern 25-jähriges Bestehen des Remedy

Marcus Straße mit Erinnerungen an die ersten fünf Jahre Remedy.
+
Marcus Straße mit Erinnerungen an die ersten fünf Jahre Remedy.

Das Remedy feiert 25-Jähriges. „Käpt‘n“ Marcus Straße blickt zurück und in die Zukunft. Eigentlich wollte Marcus Straße nie Wirt werden.

Obertshausen – Das waren noch Zeiten: Ein kleiner Zettel neben der Theke genügte, und am nächsten Tag standen 30 Studentinnen auf der Matte. Heute sei es schwer, gutes Personal zu finden, vor allem für spätabends. Nicht so für den „Käpt’n“, manche Mitarbeiter von Marcus Straße gehören schon seit mehr als 15 Jahren zum Team des Remedy. Dieses feiert gerade seinen 25. Geburtstag.

Marcus Straße: „Es ist ein harter Job und nicht leicht, Geld zu verdienen.“

Eigentlich wollte Marcus Straße nie Wirt werden. Heute führt der gelernte Kaufmann eines der bekanntesten und erfolgreichsten Lokale in der Region, und „so alt werden heute nicht viele in der Gastronomie“. Schließlich schiebt der 49-Jährige regelmäßig eine 70- oder 80-Stunden-Woche, damit beim Verein für Schutz- und Gebrauchshunde Obertshausen (VSGO) der Laden läuft. „Du musst viel allein machen“, sagt er und zählt Erledigungen auf wie Einkauf, Buchhaltung, Putzen.

„Es ist ein harter Job und nicht leicht, Geld zu verdienen“, hat der Hausener gelernt. Mehr als zehn Tage Urlaub im Jahr sind meistens nicht drin. Trotzdem würde er alles wieder genauso machen, bestätigt Straße nach einer kurzen Bedenkpause. Alles begann in einer Bierlaune, mit seinen Kumpels Jörg Ziegler und Hans-Jürgen Chop übernahm er 1995 das Scarabäus am Stadtbrunnen.

Dabei bestand der „Käpt’n“, wie sie den 1,90-Meter-Hünen rufen, darauf, dass der erste Mietvertrag nur über ein Jahr läuft. Die Speisekarte an der Leipziger Straße war überschaubar. Legendär waren die „Flaschenbier-Abende“ an jedem Mittwoch. „Außerhalb der Schule gab’s keinen Ort, an dem sich mehr junge Leute versammelten“, erzählt er. Da waren Konflikte mit der Nachbarschaft programmiert.

Das Remedy ist „relativ gut" durch den Lockdown gekommen

Der damalige Bürgermeister Josef Seib vermittelte das Unternehmen zum VSGO, der zu jener Zeit neue Wirtsleute suchte. Die Hundefreunde bekamen ein volles Haus am Rembrücker Weg. Straße übernahm das Lokal alleine, organisierte Auftritte vom Oldie-Trio im Biergarten, von Top-Bands wie Cashma Hoody und namhaften DJs bis zu Musikgruppen aus der Umgebung, „weil die ihre Anhänger mitbringen“. Die Nächte vor dem 1. Mai und vor Heiligabend gehören Doctor Blond, der Formation, die sein Freund Chop bis vor Kurzem leitete.

„Wir sind relativ gut durch den Lockdown gekommen“, resümiert der Chef, „weil wir vom ersten Tag an Essen geliefert haben“. Die Kunden haben „extreme Solidarität an den Tag gelegt, das hat Spaß gemacht“. Viele haben dem Team Mut zugesprochen. Bei der nächsten Welle werden sie sich „auf jeden Fall wieder ins Auto setzen“, wieder fleißig Werbung in Internet-Netzwerken platzieren und „mit weniger Angst da rein gehen“.

„Ein Drittel der Belieferten haben wir nie vorher gesehen“, so habe das Remedy zahlreiche Gäste dazu gewonnen. Freilich, Hochzeiten, Betriebsfeiern und Tanz-Veranstaltungen sind nicht mehr drin. „Manche Kollegen ohne Biergarten gehen kaputt“, fürchtet der Fachmann. Er dankt den Hundefreunden, die es ihm erlaubten, seine Freifläche auf 120 Plätze zu verdoppeln. „Somit ging kein Platz verloren“, rechnet der Pächter vor. „Jetzt im Sommer müssen wir unser Geld verdienen“, sagt er.

Präsentierte sich das Remedy in der Stadtmitte noch als „verrauchte Kneipe, in der laute Musik gespielt wurde“, sei es seit 2000 „mehr Restaurant, Treffpunkt für drei Generationen“. Freunde, Vereine und Familien genießen die gut bürgerliche Küche mit wechselnder Wochenkarte.

Doctor Blond, die Band um Hans-Jürgen Chop, gehört zum „Inventar“ des Remedy. Das Bild zeigt das Konzert zum 20. Jubiläum des Lokals.

Das Jubiläum feierten sie unter freiem Himmel mit einem DJ und Livemusik, mit Simpatico, Jay Kay und am kommenden Samstag mit Doctor Blond. „Die Besucher können eine gute Zeit haben, aber keine wilden Partys feiern“, meint Marcus Straße. „Ich möchte damit das Kulturangebot in Obertshausen erweitern.“

Sein Erfolgsrezept? - „Gute Qualität zu annehmbaren Preisen“, rät er. „Dann musst du einen Partner finden, der das mitmacht.“ Der Boss beschäftigt heute zehn Aushilfen und eine Teilzeitkraft, fünf in der Küche und sechs im Service. Sie seien wichtig für den Erfolg, der „direkte Draht zum Gast“. 2019 haben sie den Gastraum komplett renoviert, Tische, Stühle, Lampen, Vorhänge und Farbe ausgetauscht. Demnächst wird im Inneren noch ein Schallschutz installiert. „Gastronomie ist wie eine Sucht“, gesteht der Wirt. „Aber ich mach’s gern!“ (Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare