Bruderschaft Portefeuiller-Chuchi zelebriert Essenskultur

Gemeinsam kochen verbindet

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In der Schulküche wird geschnippelt, geraspelt, angebraten und blanchiert. Aber nicht von Schülern, sondern vom Club der kochenden Männer.

Obertshausen - Kochen und gemeinsam Essen verbindet – das zeigen die kochenenden Brüder der Portefeuiller-Chuchi. Die Hobbyköche suchen nun Verstärkung in der Küche. Von Yvonne Fitzenberger 

Die weißen Schälchen in Tropfenform stehen in Reih und Glied auf der Anrichte der Georg-Kerchensteiner-Schulküche. Vorsichtig wird die Grüne Soße hineingegeben. Nicht zu viel. Eine blanchierte Möhre am Kopfende, davor ein halbes Wachtelei, flankiert von zwei mundgerechten Stücken Tafelspitz. Die Kochbrüder der Portefeuiller-Chuchi Obertshausen achten darauf, dass die Gerichte dem Motto des Abends, Fingerfood, entsprechen. Dabei geht es aber nicht um einfache Tomaten-Mozzarella-Spieße, sondern um kreative und niveauvolle Küche.

Die Gemeinschaft aus sieben Männern hat sich voll und ganz dem Kochen verschrieben. Sie sind Teil der Confrérie Culinaire (dt.: kulinarische Bruderschaft), kurz CC, die nach Vorbild der Schweizer Clubs der kochenden Männer entstanden ist. Diese ist wiederum Teil der Conféderation Culnaire Internationale de la Marmite. In dieser internationalen Vereinigung von Hobbyköchen zählen zudem Mitglieder aus der Schweiz, Belgien, Österreich, Schweden, Italien und den Niederlanden. Die Ortsgruppe wird dabei als Chuchi, das Schweitzerdeutsche Wort für Küche, bezeichnet.

Dabei entstehen kulinarische Meisterwerke, wie die Häppchenvariante von „Himmel und Erd’“ – bestehend aus Blutwurst, Kartoffelbrei und Äpfeln.

Dabei geht es vor allem darum, der Leidenschaft fürs Kochen einen entsprechend anspruchsvollen Rahmen zu geben. „Wir decken den Tisch immer entsprechend ein“, erläutert der Chuchileiter Roland Groh. Das heißt, nicht nur Geschirr und Besteck, sondern auch Tischdekoration. Hier weiß jeder, bei welchem Gericht welches Besteck benötigt wird und welcher Wein dazu passt. An diesem Abend probieren die Köche aus Leidenschaft etwas Neues aus: Passend zum Motto Fingerfood richten sie einen Tisch im Freien her. Auf der weißen Decke, ausgebreitete auf einem Tisch im kleinen Innenhof der Schule, reihen sich Schälchen und Formen, teils erhöht, in denen die einzelnen Gerichte präsentiert werden.

„Regulär kochen wir vier Gänge“, sagt Harold Braun, der stellvertretende Vorsitzende. Er ist seit circa 13 Jahren bei der Bruderschaft dabei. Für jeden Kochabend – es gibt zwölf Stück im Jahr – bestimmt der Chuchileiter einen Tageschef. „Er kocht dann den Hauptgang“, erläutert Braun. Die restlichen Gänge werden dann auf die anderen Kochbrüder aufgeteilt, immer im Wechsel. „Damit nicht einer auf dem teuren Hauptgang sitzen bleibt“, betont Groh.

Was Chia und Amaranth können

Denn das Hobby ist kein günstiges. Wer zur Bruderschaft dazu gehören will, bezahlt 300 Euro im Jahr. „Und dazu kommen noch die Zutaten“, sagt der Chuchileiter. Wer sich der Bruderschaft anschließen will, braucht aber nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch Ausdauer und ein bisschen Können. Jeder neue Bewerber wird zu einem Vorkochen eingeladen. Erst dann wird entschieden, ob der Kandidat an drei Terminen mitkochen darf und Mitglied auf Probe für ein Jahr wird. Denn „wir müssen schauen, ob er zu unserer Bruderschaft passt“, betont Braun. Er stoß durch Zufall zu der Obertshausener Chuchi dazu. „Meine damalige Frau hat mich angemeldet, nachdem sie über den Dachverband berichtet hatte“, erzählt er.

Die Hobbyköche legen großen Wert auf die Qualität der Gerichte. Das geht ins Geld und nimmt viel Zeit in Anspruch. „Wir wollen möglichst authentisch kochen“, betont Groh. Dafür laden die Kochbrüder auch Gäste ein. „Im Internet nach Rezepten suchen, kann jeder“, sagt der Vorsitzende. Aber man könne sich nicht sicher sein, ob es denn authentisch sei. Möglichst nahe am Originalrezept seiner Mutter bleibt einer der Kochbrüder, der die Grie Soß nach Familienrezept kocht. „Sie ist 94 und erklärt mir die Rezepte“, berichtet er. Das ist aber dann auch der einzige weibliche Einfluss, den es in der Küche gibt.

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