Tonnenweise Müll gesammelt

Obertshausener Initiative „#einfachBücken“ will weiter wachsen

Wenn es die Corona-Situation erlaubte, haben die Mitglieder der Initiative sich im vergangenen Jahr zum Müllsammeln getroffen.
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Wenn es die Corona-Situation erlaubte, haben die Mitglieder der Initiative sich im vergangenen Jahr zum Müllsammeln getroffen.

Zigarettenkippen, Pappbecher und zahllose Umverpackungen: Wer mit offenen Augen im Stadtgebiet unterwegs ist, dem fällt auf seinem Weg so allerhand umherliegender Müll auf. So geht es auch Undine Zimmer. Im Januar des vergangenen Jahres hat die Obertshausenerin deshalb ihre Initiative „#einfachbücken“ gestartet. Seitdem hat sich einiges getan.

Obertshausen – „Mich hat einfach geärgert, wie viel Müll achtlos in die Natur geworfen wird“, sagt sie. So richtig bewusst wurde das der jungen Mutter erst, als sie vor zweieinhalb Jahren mit ihrem Sohn zur Schule läuft. „Wir müssen durch kleines Waldstück, da sah es auf den 200 Metern immer schlimm aus“, erinnert sie sich. Doch statt sich darüber nur zu ärgern, will Zimmer etwas tun. „Ich hab dann immer auf dem Heimweg Müll eingesammelt, auch wenn ich mir oft gedacht habe, dass es eigentlich nicht mein Müll ist“, erinnert sie sich. Dabei ging es Undine Zimmer vor allem um den Schutz von Natur und Wildtieren. Denn gerade für Letztere können Abfälle, die sie fressen oder sich darin verfangen, lebensbedrohlich sein können.

Neben dem Sammeln beginnt sie, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. „Ich bin bei Instagram unter anderem mehreren Gruppen gefolgt, die sich regelmäßig an Stränden getroffen haben, um dort den Müll aufzusammeln“, berichtet sie. „Das fand ich toll und hab mir gedacht, das geht doch auch hier.“ Und so gründete Undine Zimmer im vergangenen Januar kurzerhand die Facebook-Gruppe „#einfachBücken Obertshausen“, um auch andere von ihrer Idee zu überzeugen.

„Das Ziel dabei ist ja nicht nur, denn Müll anderer Leute aufzuheben, sondern die Menschen auch aufzuklären und zum Mitmachen zu animieren“, betont sie. Und die Initiative nimmt schnell Fahrt auf, zählt inzwischen schon mehr als 220 Mitglieder. „Das ist deutlich mehr, als ich mir vorgestellt hätte“, freut sich Undine Zimmer. Gemeinsam planen die Mitglieder dort Aktionen, posten Bilder ihrer Sammelergebnisse oder tauschen sich über Themen wie plastikfreie Alternativen im Haushalt aus.

Unterstützt wird die Gruppengründerin vor allem von ihren drei Mitstreiterinnen Tatjana Schuh, Sibylle Hartung und Yvonne Smykalla. Zusammen kümmern sich die vier Frauen um die Organisation der gemeinsamen Sammelaktionen. So hat die Gruppe trotz Lockdown und Kontaktbeschränkungen geschafft, im vergangenen Jahr bereits sieben Sammelaktionen auf die Beine zu stellen – mit unterschiedlichen Schwerpunkten vom Stadt- bis zum Waldputz. Mit Aktiven der evangelischen Gemeinde wurde das Areal um die Waldkirche gereinigt und bei einer speziellen Kippensammlung rund 6600 Zigarettenstummel von Hand aufgesammelt. Auch am Nikolaustag wurde unter dem Motto „Wir machen den Sack voll“ fleißig gesammelt.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Alleine während der Aktionen wurden weit mehr als 100 große Müllsäcke gefüllt. Darüber hinaus haben viele der Aktiven regelmäßig oder zwischendurch auch alleine gesammelt, ob beim Sonntagsspaziergang oder der täglichen Runde mit dem Hund. Die Möglichkeit, sein Engagement für Sauberkeit und Umweltschutz ganz individuell an den eigenen Tagesablauf anpassen zu können, spricht viele Menschen an, ist Undine Zimmer überzeugt und wirbt: „Es macht auch tatsächlich Spaß, weil man am Ende immer ein Erfolgserlebnis hat.“

Rund 6600 Zigarettenkippen haben die Aktiven um Undine Zimmer (rechts) am Bahnhof aufgesammelt.

Auch Kontakte zu den „Naturengeln“ in der Nachbarstadt Heusenstamm hat die Initiative bereits geknüpft, ist im Herbst als Abteilung unter das Vereinsdach der Naturfreunde Obertshausen geschlüpft. Die nötige Ausrüstung, Warnwesten und Greifer, haben die Freiwilligen von Sponsoren zur Verfügung gestellt bekommen. Über weitere würde sich die Gruppe freuen: „Wir haben noch einige Ideen, für die wir Unterstützung gebrauchen können“, kündigt die Organisatorin an. Zudem seien bereits gemeinsame Aktionen mit anderen Gruppen aus der Stadt wie dem neuen Kita-Träger „Kirche am Start“ oder dem Wohnverbund der Behindertenhilfe Offenbach an der Adenauerstraße geplant. Eine eigene Internetseite ist ebenfalls gerade in Arbeit.

Und auch über die Grenzen der Stadt hinaus hat sich die Idee von „#einfachBücken“ inzwischen verbreitet. So haben Bekannte und Arbeitskollegen von Undine Zimmer, die sich wie sie bei den Green-Pioneers der Telekom engagieren, unter demselben Namen bereits eigene Initiativen in Köln, Bonn, Emsdetten und Bad Wildungen gestartet.

Wer nun neugierig geworden ist und sich der Initiative anschließen möchte, findet diese unter „#einfachBücken Obertshausen“ bei Facebook. (Von Thomas Holzamer)

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