Faszination Martinshorn

Jugendfeuerwehr feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen

+
Die Jugendfeuerwehr aus Obertshausen gibt es seit 40 Jahren – dabei müssen sich die Einsätzkräfte und Leiter auch immer der Zeit anpassen.

Obertshausen - Es war der 21. Oktober 1978, als an der Waldstraße die Jugendfeuerwehr gegründet wurde. Sie feiert demzufolge in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Der Jubeltag weckt Erinnerungen bei einstigen Jungfeuerwehrleuten und heutigen Gruppenleitern. Von Michael Prochnow

Den Anstoß für die Gründung im Oktober 1978 gab der damalige Ortsbrandmeister Horst Nagel. Ihr erster Jugendwart hieß Ralf Ackermann – der Ackermann, der heute Kreisbrandinspektor ist und bis vor kurzem noch Vorsitzender der Internationalen Vereinigung des Feuerwehr- und Rettungswesens, CTIF, war. So weit wird es nicht jeder Schüler im orange-farbenen Polohemd der Gruppe bringen. Doch, „die Einsatzabteilung baut auf Nachwuchs aus der Jugendwehr“, betont Leith Aissa, der stellvertretende Stadtbrandinspektor.

Gleich zu Beginn traf sich der Nachwuchs im eigenen Haus, eine Nachkriegsunterkunft in städtischer Hand, direkt neben dem Feuerwehrhaus. 1994 wich es dem Anbau, der heute attraktivere Unterrichtsräume bietet. 26 Buben waren es, zählt der aktuelle Leiter Oliver Fuhrmann in den alten Listen mit Schreibmaschinen-Einträgen, zwei sind bis heute in der Einsatzabteilung. Sandra Deißler war 1990 das erste Mädchen – und ist ebenfalls sehr aktiv.

Die Jugendgruppe und die ganze Wehr für Mädchen und Frauen zu öffnen, brachte den Helfern ausschließlich gute Erfahrungen. „Sie gehen mit mehr Empathie an die Sache“, beobachtet Fuhrmann. „Der Umgang mit Opfern liegt den Frauen oft mehr.“ Von den 25 Jugendfeuerwehrleuten im Alter von zehn bis 17 Jahren sind derzeit sechs Mädchen. Allein im vergangenen Jahr konnten vier Mitglieder in die Einsatzabteilung übernommen werden, zwei kamen aus der Kinderfeuerwehr, aus der die Jubel-Runde bereits 40 Prozent ihrer Mitstreiter rekrutiert.

Neben Fuhrmann und seiner Stellvertreterin Michela Capilluto kümmern sich noch sieben Ausbilder um die Teenager. „Wenn Blaulicht und Martinshorn noch immer faszinieren, dann sind wir am glücklichsten“, sagt er. Wichtig seien aber auch das Miteinander und die Kameradschaft.

Viele der Mädchen und Jungen gehen in die selbe oder in Parallelklassen, „sie kommen fast immer mit Freunden“, weiß Fuhrmann aus eigener Erfahrung. „Es ist natürlich schön, wenn auch die Eltern mit dem Feuerwehr-Virus infiziert werden können“, sagt der Leiter und lacht.

In der Jugendwehr habe sich eigentlich gar nicht so viel geändert. „Anfangs war das Angebot größer“, blickt Fuhrmann zurück. „In Zeiten von Ganztagsschulen ist das nicht mehr machbar.“ Selbst für das Üben für die Leistungsspange, die höchste Auszeichnung der Deutschen Jugendfeuerwehr, sei es schwierig, einen weiteren Termin neben dem Donnerstagstreffen zu finden. Auch der theoretische Unterricht im Winter, sei er noch so interessant gestaltet, bereite Probleme: „Die Kinder sind ausgebrannt“, durch elektronische Medien abgelenkt. Vor jeder Übungsstunde sammelt er die Handys ein, „alle sind damit einverstanden, die Regel haben wir bei einem Workshop gemeinsam aufgestellt, um das Miteinander zu stärken“. Sie trainieren dann die Feuerwehrdienstvorschrift 3, ein Teil der Leistungsspangen- Prüfung. Dazu gehört, acht Schläuche in 75 Sekunden auszurollen und zu koppeln, theoretische Fragen beantworten sowie Kugelstoßen und Staffellauf.

Auf Facebook und Instagram seien sie sehr aktiv, Berichte mit Bildern von der Ausbildung seien der „größter Werbefaktor“. Alle zwei Jahre bieten Wehrleute auch eine Gruppe bei einer Schul-Projektwoche an. Und auch die Ausstattung wird komplett gestellt, einen Beitrag zahlt der Nachwuchs erst ab dem 18. Lebensjahr. „Spinde sind noch frei, Uniformen hängen bereit“, rührt Fuhrmann die Werbetrommel. Nach den Ferien trifft sich der Nachwuchs ab dem 9. August wieder zweiwöchig donnerstags, 18 bis 20 Uhr. Wer Interesse hat, schaut vorbei.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare