Wissen bei Politikern gefragt

Obertshausener Malteser bei Anhörung des Hessischen Landtags zu Unversicherten

Obertshausens Malteser waren als Experten für Unversicherte Gäste eines Ausschusses des Hessischen Landtags in Wiesbaden.
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Obertshausens Malteser waren als Experten für Unversicherte Gäste eines Ausschusses des Hessischen Landtags in Wiesbaden.

Geschätzt 143 000 Menschen sollen in Deutschland ohne eine Krankenversicherung leben und daher meist keinen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten, heißt es in einer Mitteilung des Malteser Hilfsdienstes aus Obertshausen. Dessen Experten waren jetzt zu einer Anhörung in den Landtag nach Wiesbaden geladen, um aus ihren Erfahrungen auf diesem Gebiet zu berichten.

Obertshausen – Die Gründe für eine fehlende Krankenversicherung seien so vielfältig wie das Leben, erläutern die Malteser. Es gebe Selbstständige, denen das Geld für eine Versicherung fehle, schwangere Studentinnen aus dem Ausland, deren studentische Versicherung Schwangerschaften nicht abdeckten oder Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen, bei denen der Arbeitgeber irgendwann heimlich die Zahlungen an die Krankenversicherung einstelle.

Die Ehrenamtlichen der „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM) versuchen seit eineinhalb Jahr mit ihrer Arbeit, diese Versorgungslücke in Stadt und Kreis Offenbach zu schließen. Dieses Handeln ist nun ins politische Wiesbaden vorgedrungen.

Die Fraktion Die Linke hat einen Gesetzentwurf über sogenannte Clearingstellen und einen Behandlungsfond für Unversicherte eingebracht. Daher sollten nun vor dem Sozial- und Integrationspolitischen Ausschuss des Landtags Akteure des Gesundheitswesens Stellung zu diesem Gesetzesvorhaben beziehen. Die Clearingstellen sollen Unversicherten helfen, Wege in eine reguläre Krankenversicherung zu finden. Denn oft herrsche bei den Betroffenen Unwissenheit für bestehendes Recht oder Krankenkassen verneinten entgegen der Rechtslage ihre Pflicht zur Versicherung. „Das dazu notwendige Fachwissen und die Zeit für fachliche Auseinandersetzungen stehen kaum einer karitativen Einrichtung zur Verfügung“, sagt die MMM-Koordinatorin Gabriele Türmer. Man müsse sich dafür übermäßig anstrengen und fahre dabei im Tandem mit dem Beratungsangebot der Caritas Offenbach.

Nach dem Vorbild anderer Bundesländer wie Rheinland-Pfalz oder Hamburg sollen Clearingstellen künftig auch in Hessen für Abhilfe sorgen. In der öffentlichen Anhörung im Plenarsaal des Hessischen Landtags berichtete Doktor Matthias Zimmer, ärztlicher Leiter des MMM für Stadt und Kreis, auf die Frage nach den Grenzen ehrenamtlicher Hilfe, dass „die Grenzen bei Operationen, Krebserkrankungen und der dauerhaften Verschreibung von Medikamenten rasch erreicht werden“.

Auch seien die Versorgung von Schwangeren aufwendig und die Betreuung Schwerstkranker nicht mit den angemessenen Mitteln der Palliativmedizin möglich. Ein würdevolles Sterben sei derzeit nicht zu ermöglichen. Und auch der Beginn eines neuen Lebens sei mit Hürden verbunden. „Zu einer Schwangerschaft gehören die Vorsorge, die hoffentlich komplikationslose Entbindung mit entsprechenden Krankenhauskosten und anschließend eine kinderärztliche Versorgung mit Untersuchungen sowie Impfungen“, erläutert Zimmer: „Das lässt sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, sondern funktioniert nur mit einer guten Teamarbeit und finanziellen Ressourcen.“ Dazu könne ein landesweiter Behandlungsfond wie in Thüringen ein passendes Instrument sein.“ Gemeinsam mit anderen Verbänden sei man sich einig. dass sich da auf politischer Bühne dringend etwas bewegen müsse. (clb)

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