Nabu wirbt mit Ausstellung für den Naturschutz

Freiräume werden enger

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Kostbarer Lebensraum: Das Biotop Gräbenwäldchesfeld ist der „Schatz“ der Obertshausener Naturschützer.

Was in der Stadt so alles kreucht und fleucht, kennt keiner besser als die Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu). Mehr noch, seit 40 Jahren kämpfen die Aktiven mit großem Fachwissen und enormem Engagement für Erhalt oder Neuansiedlung von Pflanzen und Tieren. 

Obertshausen – Zum runden Geburtstag eröffnen Vorsitzender Peter Erlemann und Bürgermeister Roger Winter jetzt eine Ausstellung im Rathaus. „Wir haben viel geackert“, fasst der Gründer und Motor des Vereins zusammen. Und damit meint er nicht nur die Arbeit mit Mähbalken und Rechen auf Wiesen oder mit Bagger und Spaten am Anglersee, sondern auch den guten Austausch mit Politik und Stadtverwaltung. Derzeit werde die Bebauung verdichtet, dadurch gehe Lebensraum verloren.

Erlemann blickt zurück: „Im Dezember 1978 gab ich als Ortsbeauftragter für den amtlichen Vogelschutz der Staatlichen Vogelschutzwarte einen Bericht an die lokale Presse, um für die Gründung einer Gruppe im Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV) Mitglieder zu werben.“ Bis Ende der 1960er Jahre hatte es wohl nur eine Schülergruppe gegeben. „Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, als am 28. Dezember zehn Personen in unserem Wohnzimmer saßen und eine Liste von Schutzmaßnahmen besprochen haben.“

Danach wollten sie die Feuchtwiesen im Gräbenwäldchesfeld und den alten Rodaulauf mit einem Tümpel erhalten, Nistplätze am Angelsee sichern und solche für Höhlenbrüter und Eulen aufhängen, Schwalben schützen, Eulen und Amphibienlebensräume erfassen und Laichtümpel anlegen. Bei hohem Schnee richteten acht Helfer zuerst Luderplätze mit Schlachtabfällen für Greifvögel ein, brachten 48 Kunstnester für Mehl- und zehn für Rauchschwalben an und stachen eine Steilwand am See für Uferschwalben ab. Auch Pachtverträge für Parzellen im Gräbenwäldchesfeld wurden geschlossen und anlässlich der Verleihung der Stadtrechte eine Ausstellung unter dem Titel „Rettet die Vögel – aktiver Naturschutz“ gestaltet.

Ende 1979 zählte der DBV 32 Mitglieder. Sein Hauptaugenmerk lag auf dem Gräbenwäldchesfeld, der „wertvollsten Fläche“. Nördlich der B448 rodeten sie Weidengebüsch, legten eine Hecke sowie zwei Laichgewässer an, stauten den Graben und pflanzten 15 Kopfweiden. Für die „Veränderungen im Landschaftsschutzgebiet“ wurde der Gruppe von der Naturschutzbehörde eine Strafe von 100 Mark aufgebrummt. Mit Unterstützung der Stadt wurde das Gelände schließlich 1990 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, „ein wesentlicher Punkt unserer Bemühungen abgehakt“, erinnert sich Erlemann. Im Laufe der Jahre konnten an dem Areal weitere Biotope eingerichtet werden, etwa für Eidechsen aus den Pflastersteinen der alten Bundesstraße.

Blick auf bisherige Erfolge: Bei der Eröffnung der Ausstellung machten sich Bürgermeister Roger Winter (von links) und der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach, Jörg Nitsch, gemeinsam mit dem Nabu-Vorsitzenden Peter Erlemann ein Bild von der Arbeit der Naturschützer.

Die Stadt hat die zweieinhalb Hektar große Fläche an den Nabu verpachtet, die Wiesen werden von einem Landwirt gemäht. Als die Firma Karl Mayer eine neue Halle errichtete, schufen die Helfer dort einen Ersatzlebensraum für die Zauneidechse. Daneben rodeten sie alle Weiden und Pappeln, um das dortige Seggenried und den Trockenrasen zu erhalten.

Es folgten weitere Nisthilfen für gefährdete Vogelarten. Für Fledermäuse wurden ebenfalls 100 Quartiere aufgehängt, für Amphibien elf Tümpel ausgehoben, Schutzzäune aufgestellt und Tunnel gebaut. Ute Wernicke hat zahllose verlassene Jungvögel, Igel und Fledermäuse mühsam aufgezogen und in die Freiheit entlassen. Dafür erhielt sie den städtischen Umweltpreis. Um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen, bieten die Nabu-Aktiven zudem Vogelstimmenwanderungen und naturkundliche Führungen an, unterhalten Info-Stände und zwei Lehrpfade. Dazu haben sie bis heute hunderte Pressemitteilungen und ein Buch über die Vogelwelt in Obertshausen veröffentlicht.

Erlemann beklagte aber auch den Verlust der artenreichen Lebensräume durch die Gewerbegebiete Abts- und Samerwiesen, die Umgehungs- und die verlängerte Badstraße. „Die Freiräume werden immer enger“, kritisierte er. Er dankte dem städtischen Umweltbeauftragten Peter Kleinschmitt, der mit den Naturschützern einen Biotop-Verbundplan vorgelegt hat. „Unser Wunsch ist nun die politische Umsetzung und der Beschluss, diese Leitlinien zu erhalten.“ Die Ausstellung im Rathaus Schubertstraße ist bis 30. März zu sehen.

Von Michael Prochnow

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