Obertshausens Ehrenamtler begleiten Flüchtlinge

Starthilfe fürs neue Leben

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Wolfgang Krastl (links) stellt den Kontakt zu den örtlichen Unternehmen her und möchte den Geflüchteten Praktika und Ausbildungsplätze vermitteln.

Obertshausen - Wenige Frauen, einige Familien und überwiegend Männer zwischen 18 und 30 Jahren – 330 Flüchtlinge beherbergt die Stadt derzeit. Die größte Gruppe unter ihnen bilden aktuell die Afghanen vor Menschen aus Syrien, Eritrea, Iran und Irak, Äthiopien und Somalia. Von Michael Prochnow 

Mehrheitlich sind sie Muslime, aus Eritrea kamen auch einige Christen. Das alles erfuhren rund zwei Dutzend Teilnehmer an einem Informationsabend im evangelischen Gemeindehaus. Sie sind vor Krieg und anderen lebensbedrohlichen Situationen geflohen, haben ihre Lebensperspektive verloren, auch Gewalt und sehr Trauriges erlebt, erläuterte Anne Kraus, in Obertshausen zuständig für die Flüchtlingshilfe. Die größte Gruppe lebe in Gemeinschaftsunterkünften in Hausen, vor allem im ehemaligen Hotel „Zum goldenen Engel“, wo 50 Personen untergekommen sind. Der Umzug in städtische Räume sei aufgrund der Wohnungsnot nicht einfach.

Ging es für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe anfangs um die Ausstattung fürs tägliche Leben, bemühe sich das Netzwerk heute um Integration, Sprache, Arbeit, Freizeitgestaltung und eben die Wohnungssuche. Kathrin Nottrott von der Diakonie, eine von vier Sozialarbeitern, betreut die Migranten vor allem im Asylverfahren, von der Antragstellung bis zum Bescheid. Auch ein Jahr nach der Anerkennung werden die neuen Obertshausener noch weiterbetreut. Für diese Phase werden dringend „Mittler zwischen Alltag und Institutionen“ gesucht. Paten, die Geflohene dabei unterstützen, Erschöpfung und Trauma zu überwinden. „Es schafft sonst keiner, der Behörden-Dschungel ist undurchschaubar“, bemerkte die Hauptamtliche. Auch nach zwei, drei Jahren gebe es sprachliche Probleme mit dem Amtsdeutsch. Denn die Jobcenter nehmen da keine Rücksicht, „die Leute werden in die Realität gestoßen“.

Um einen „Partner an der Seite“ bemüht sich auch Katy Walter. Sie bekleidet die Stelle als Koordinatorin beim Malteser Hilfsdienst. Der bietet Basisschulungen für die Freiwilligen an, damit diese die Flüchtlinge darauf vorbereiten können, was sie bei Behördengängen, Wohnungs- und Arbeitssuche erwartet. Wolfgang Krastl versucht, Berufsstandards „an den Mann zu bringen“. Unter den jungen Leuten befänden sich Hilfsarbeiter und Studierte, sie müssen lernen, „dass es hier anders läuft mit der Ausbildung“. Vor allem die hohen Qualitätsstandards erschweren das. Doch die Gestrandeten seien „einsatzwillig, zeigen Disziplin, Pünktlichkeit und Arbeitseifer“, berichtete Krastl. Er bekomme von den Unternehmen nur positive Rückmeldungen.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Für die Sprachvermittlung ist Kathrin Schäfer zuständig. Sie hat mit Ehrenamtlichen Unterricht organisiert. Die offiziellen Integrationskurse gewährt das Bundesamt nur für anerkannte Flüchtlinge und solche mit Bleibe-Perspektive. Diese Angebote ändern sich jedoch oft, kritisiert die Pädagogin, und seien für die Schüler oft nicht geeignet. An der Waldkirche werde ein offener Kurs angeboten. Dabei lernen die Teilnehmer auch, sich an- und abzumelden lernen, Papiere abzuheften, eine Mappe führen: „Das ist eine gute Vorbereitung auf alles, was kommt.“

Gastgeberin Karin Thomas von der Gemeinde erzählte von der Hausaufgabenhilfe, bei der die Kinder auch singen, basteln und spielen. Dabei sei Platz für persönliche Gespräche. Und immer mittwochs öffne zudem das interkulturelle Café im Jugendzentrum.

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