An die Decke kommt ein Boxsack

Obertshausens Sonnentauschüler nutzen die Mensa im neuen Familienzentrum bereits

Ihre neue Mensa im noch nicht ganz fertiggestellten Familienzentrum an der Vogelsbergstraße haben die Kinder der Sonnentauschule schon erobert.
+
Ihre neue Mensa im noch nicht ganz fertiggestellten Familienzentrum an der Vogelsbergstraße haben die Kinder der Sonnentauschule schon erobert.

Sie kichern und erzählen mit Händen und Füßen. Als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt, stellen sie sich an die Enden der beiden Warteschlangen vor den Waschbecken in den Toilettenräumen. Mit sauberen Händen verharren sie dann am Ende der Reihe vor dem Anmeldepult. Nächster Halt ist das schwarz-gelbe Klebeband auf dem Boden vor der Essensausgabe. In der neuen Mensa für die Sonnentauschule funktioniert wie selbstverständlich, was über Schüler-Generationen unmöglich erschien.

Obertshausen – Es funktioniert genau genommen allein wegen der neuen Mensa. Schulleiter Mischa Sendlbach stellt klar, dass ohne die Räume im Familienzentrum der Stadt an der Vogelsbergstraße zumindest kein Mittagstisch möglich wäre: „In der bisherigen Unterkunft der Betreuung hätten wir die Corona-Abstände und Hygienevorgaben überhaupt nicht einhalten können.“ Der Rektor wirft einen dankbaren Blick auf Kai Hennig, Fachdienstleiter der Jugendförderung, und Thomas Kirchner vom Bauamt.

Ein breites Grinsen spannt die schwarze Maske des Pädagogen auch im ersten Stock des Gebäudes. Dort nutzen seine Schützlinge schon zwei Säle. Im Bewegungsraum fehlen in Kreuzform Deckenplatten, „da kommt die Verankerung für den Boxsack hin“, informiert Sendlbach, „den haben sich die Kinder gewünscht“. Gegenüber stehen bereits Tische und Stühle im künftigen Büro von Monika Thon und Andrea Timmer bereit. Die Geschäftsführerin des Fördervereins und seine pädagogische Leiterin werden mit Ausblick in den Innenhof arbeiten.

Die Frauen engagieren sich für 130 der 255 Grundschüler am Rembrücker Weg. „Sie essen in vier statt zwei Gruppen“, greift Sendlbach die neue Situation auf. Mitglieder von zwei Klassen sitzen immer am selben Tisch, darauf weisen Schilder hin. Das bedeutet, dass die Schulanfänger aus den Flexklassen als Erste um 12 Uhr dran sind. Für die Viertklässler ist 13.30 Uhr schon ein bisschen spät, „aber es geht nicht anders“, erklärt der Chef, „sie unterbrechen dazu ihre Hausaufgaben“.

Die Schulkindbetreuung ersetzt weitgehend die Kitas an den Häusern „Unterm Regenbogen“, Im Trinkborn und St. Thomas Morus. Insgesamt 21 Fachkräfte stehen in Diensten des Fördervereins, neben Erzieherinnen und Erziehern auch drei Hauswirtschafterinnen in der Küche. Sie bereiten die Speisen von der Fernküche zu, ergänzen sie um frische Rohkost oder Salate.

Auf dem Speiseplan stehen in diesen Tagen Cannelloni mit Rindfleischfüllung, eine Auswahl an Suppen, Rindergulasch in Paprika-Rahmsoße zu Kartoffelklößen, Tortelloni und Alaska Seelachs mit Kartoffelpüree. Die Mitarbeiterinnen reichen ganz kleine Portionen durch die Theke, „aber die Schüler können so viel nachholen, wie sie wollen“, stellt Lehrer Sendlbach klar. Zur Ausstattung gehören auch zwei Wasserautomaten, jeder Schüler hat seine eigene Trinkflasche.

Leibungsauskleidung und Akustikverkleidung heißen die beiden Elemente, die an Türstürzen und Wänden noch fehlen, unterrichtet Kirchner. Die Lamellenplatten absorbieren den Schall, was den Aufenthalt angenehmer gestaltet. Wenn im neuen Jahr die Tausendfüßler einziehen, wird die Küche auch den Kindergarten des Familienvereins versorgen, ergänzt Hennig. Ferner wird das Zentrum die Heimat des Sozialverbands VdK und der Seniorenhilfe.

„Ich kann kaum glauben, dass ich hier drin stehe“, formuliert Sendlbach seine Freude über die bevorstehende Fertigstellung. „Die Stadt hat uns während des gesamten Prozesses mitgenommen“, erinnert er sich an die Anfänge der Planung im Jahr 2010 mit damaligen Bürgermeister Bernd Roth. „Wir sind immer gehört und informiert worden, das ist eine sehr gute Zusammenarbeit.“ Draußen arbeiten Fachfirmen noch an der Fassade und am Außengelände. Das komplette Projekt „Familienzentrum“ soll demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare