Unter Alkoholeinfluss eingebrochen

Schöffengericht verurteilt Angeklagten zu 2,5 Jahren Freiheitsstrafe

+
Prozess gegen mutmaßlichen Entführer von Milliardärssohn

Das Offenbacher Schöffengericht verurteilt einen 42-Jährigen zu 30 Monaten Gefängnis. Der Mann habe etliche Autos und den Keller eines Wohnhauses aufgebrochen. Außerdem habe der Obertshausener gewaltsam ein Handy entrissen.

Obertshausen – Am 1. Juli 2017 habe der Angeklagte an der Heinrich-von-Stephan-Straße auf einer Bank sitzend einem Mann zugerufen, „komm doch mal her!“ Anschließend habe er dem Geschädigten eine Ohrfeige verpasst und dessen Handy entrissen. Verteidiger Hagen Becker erklärt, sein Mandant und das vermeintliche Opfer hätten sich gekannt. 

Der Angeklagte führt aus, das Handy als Pfand genommen zu haben, „er schuldete mir 30 Euro“. Geschlagen habe er ihn nicht, stattdessen zugesagt, ihm das Gerät nach Ausgleich der Schulden zurückzugeben. Als Zeuge ist ein Kumpel des Geschädigten da. Seine Aussage vor Gericht gestaltet sich unergiebig: Die Männer hätten lauthals gestritten. Es sei vielleicht zu Handgreiflichkeiten gekommen. An das genaue Geschehnis könne der Zeuge sich nicht erinnern.

Offenbach: Erst Ohrfeige, dann Handy abgenommen

Der Geschädigte erscheint erst zum zweiten Verhandlungstermin. Er sitzt gerade in der JVA Coesfeld ein. Dort hatte ihn die erste Ladung nicht erreicht. Der Häftling erklärt, er werde keine Fragen beantworten. Auch die Androhung von Beugehaft stimmt ihn nicht um: „Ich sitze sowieso schon“. Er bekommt ein Verfahren wegen Strafvereitelung. Seine damalige Aussage bei der Polizei werten Staatsanwaltschaft und Gericht als glaubhafte Schilderung eines Raubs.

Bleibt zum einen der Einbruch im Keller eines Wohnhauses in Obertshausen. Zum anderen stehen mehr als zehn Autoaufbrüche in der Anklageschrift, begangen am Lämmerspieler Weg und der Unteren Grenzstraße in Offenbach, allesamt in einer Nacht. Der Angeklagte hatte sich an der ersten eingeworfenen Scheibe geschnitten, später sein Blut in den weiteren Autos verteilt, aus denen er unter anderem Navigationsgeräte, USB-Sticks und Sonnenbrillen stahl. Der Angeklagte erzählte, er habe bei den Taten unter massivem Alkohol- und Amphetamineinfluss gestanden, im Zusammenspiel mit Antidepressiva, „ich war total zugelötet“.

Bis heute unklar: Gezielt oder "zugelötet"?

Richter Manfred Beck glaubt dem Angeklagten nicht, er erinnere sich nur noch fragmentarisch: „Wer so gezielt vorgeht, der handelt doch nicht komplett ballaballa“. Nach seiner Festnahme habe der 42-Jährige schließlich der Polizei detailliert von den Brüchen berichtet. „Haben Sie in der U-Haft die Erinnerung verloren?“ Beck fragt außerdem: „Wie soll es mit Ihnen weiter gehen?“ Der Angeklagte erzählt, er habe drei Jahre ohne Suff und Drogen gelebt, bis sich seine Frau von ihm trennte, „dann stürzte ich ab“. Er werde demnächst mit neuer Freundin zum zweiten Mal Vater und wolle sich therapieren lassen.

Der psychiatrische Gutachter kommt zum Ergebnis, dass sich dem Angeklagten möglicherweise eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ zuschreiben lässt. Das heißt, es fehlt an Empathie und Frustrationstoleranz. Verminderte Schuldfähigkeit sei jedoch nur bei den Taten unter Alkohol- und Drogeneinfluss nicht auszuschließen.

Die Staatsanwaltschaft beantragt, eine Gesamtfreiheitsstrafe von 32 Monaten zu verhängen. Ein Raub lässt sich für Verteidiger Hagen Becker nicht beweisen, weshalb er einen Teilfreispruch fordert und eine Bewährungsstrafe für die Keller- und Autoeinbrüche. Das Gericht sieht wie der Staatsanwalt auch einen Raub und verurteilt den in U-Haft sitzenden Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 30 Monaten. Falls er eine stationäre Therapie antritt, kann die Staatsanwaltschaft die Vollstreckung der Strafe zurückstellen. 

Am Landgericht Offenbach werden immer wieder kuriose Fälle verhandelt. Da wäre zum einen,der Mann, der sich nach einer Brandstiftung in einem Nebengebäude des Finanzamtes auf einen Stuhl vor das brennende Gebäude setzt. Oder zum Anderen einen Mann, der schon in Haft sitzt, aber sozusagen verlängert hat, weil er mit Drogen handelte. Andere Fälle sind noch nicht so weit, dass sie vor Gericht landen, denn nach der Brandstiftung in einer Gartenhütte in Offenbach ermittelt die Polizei erst noch.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare