Offenes Ohr für Hochbegabte

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Stolz präsentierten Schulleiter Michael Weis (rechts) und Oberstudienrat Rüdiger Jung das vom hessischen Kultusministerium ausgestellte Zertifikat.

Obertshausen ‐ Freude nicht nur bei Michael Weis, dem Leiter der Hermann-Hesse-Schule, und Oberstudienrat Rüdiger Jung: Die Obertshausener Gesamtschule darf sich nun als Schule bezeichnen, „die hochbegabte Schülerinnen und Schüler besonders fördert“. Von Karl-Heinz Otterbein

Das entsprechende Gütesiegel hat das hessische Kultusministerium der Hesse-Schule im Dezember 2009 verliehen, das von Kultusministerin Dorothea Henzler unterzeichnete Zertifikat kam zu Beginn der Weihnachtsferien per Post.

„Das Gütesiegel ist für mich ein Ausdruck der guten Arbeit des gesamten Kollegiums unserer Schule“, erläuterte der Schulleiter in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Einen großen Anteil daran hat indes Oberstudienrat Rüdiger Jung, der das Konzept zur Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler an unserer Schule maßgeblich erstellt hat.“

Erfolgreich um Gütesiegel beworben

Jung zufolge war das Thema Hochbegabte an Schulen bis vor einigen Jahren regelrecht tabu, er selbst beschäftige sich seit etwa fünf Jahren mit dem Thema.

Ich war vor etwa fünf Jahren Klassenlehrer eines Schülers, dessen schulische Leistungen nicht seinen Möglichkeiten entsprachen“, erinnerte sich Jung. „Der so genannte Minderleister war daher schon in der Obhut des schulpsychologischen Dienstes.“ Der Fall habe ihn interessiert, so Jung. Er habe Fortbildungsmaßnahmen besucht und das Thema Hochbegabte in die Schule getragen. Der Oberstudienrat wurde Mitglied einer kreisweiten Arbeitsgruppe von Lehrern, die sich mit dem Thema Hochbegabung beschäftigen, rief auch an der Hermann-Hesse-Schule eine solche Gruppe ins Leben und fungiert seither als ihr Sprecher. Schließlich erstellte er ein Förderungskonzept, das ins Schulprogramm aufgenommen wurde und mit dem sich die Hesse-Schule beim hessischen Kultusministerium um das Gütesiegel bewarb. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigte.

Schule bekommt 2.500 Euro im Jahr

Dem kultusministeriellen Zertifikat zufolge erhielt die Schule das Gütesiegel für „ein Förderkonzept zur Hochbegabtenförderung als Teil des Schulprogramms“, „sachgerechtes Identifizieren hochbegabter Schülerinnen und Schüler“, „individuelle Förderpläne“, „qualifizierte Beratung zum Thema Hochbegabung“, „Zusammenarbeit mit kompetenten außerschulischen Institutionen“, „regelmäßige Lehrerfortbildung im Bereich Hochbegabung“ und „Dokumentation und Auswertung aller durchgeführten Maßnahmen“.

Neben dem Zertifikat darf sich die Schule zudem über jährlich rund 2500 Euro freuen, die das Kultusministerium zur Verfügung stellt.

„Mit dem Geld finanzieren wir Maßnahmen, die der Begabtenförderung dienen“, erläuterte Schulleiter Weis. „So schaffen wir beispielsweise Material für unsere Theatergruppe und unsere Bläserklasse sowie für Experimente im Physik- und Chemieunterricht an. Auch Zuschüsse für Ausflüge, Führungen und Dichterlesungen werden aus dem Topf gezahlt.“

Info-Abend zum Thema Hochbegabung

Von den rund 950 Schülern der Hermann-Hesse-Schule gehören Rüdiger Jung zufolge etwa 20 bis 25 in die Kategorie hochbegabt. Diese sollen unter anderem dadurch gefördert werden, dass ihnen die AG Hochbegabung Stipendien oder in den Ferien Plätze an der Südhessischen Jugendakademie vermittelt.

Zum Thema Hochbegabung gibt es am Dienstag, 2. Februar, für die Eltern von Schülern der Hesse-Schule einen Info-Abend, bei dem Mitglieder der Arbeitsgruppe auch für Fragen zur Verfügung stehen. Anmeldungen sind über die Klassenlehrer möglich.

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