Augenoptik Kern in Obertshausen besteht seit 75 Jahren

Ohne Stammkunden geht es nicht

75-jähriges Bestehen kann in diesem Jahr die Firma Augenoptik Kern feiern. Inhaber Norman Kern nennt das Bestimmen des Augenglases den wichtigsten Teil seiner Arbeit.
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75-jähriges Bestehen kann in diesem Jahr die Firma Augenoptik Kern feiern. Inhaber Norman Kern nennt das Bestimmen des Augenglases den wichtigsten Teil seiner Arbeit.

Obertshausen – Es war kurz nach Kriegsende. Der Vater von Manfred Ehlert entschied sich, im Zentrum Obertshausens ein Augenoptiker-Geschäft zu eröffnen. Er teilte sich das Erdgeschoss noch mit der traditionsreichen Metzgerei Holzamer, später zog eine Boutique ein. Als Norman Kern 1992 den Brillenladen übernahm, erweiterte er ihn um die Fläche des geschlossenen Nachbar-Shops.

Jetzt kann er das 75-jährige Bestehen des Optik-Angebots feiern.

Allerdings bremst die Pandemie Aktionen zum Jubiläum aus, erwähnt der Inhaber nebenbei. Der gebürtige Frankfurter Kern wuchs am Alleenring auf, schnupperte schon im Laden der Großeltern Kaufmannsluft. Als er zwölf Jahre alt war, zog die Familie nach Hausen, „aufs Dorf“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. „Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen.“

Mit 17 gab’s noch einen Abstecher nach Hanau-Steinheim, jetzt wollte Norman Kern zurück nach Hausen. Und in Frankfurt lernen. Die Idee mit der Ausbildung zum Augenoptiker kam wohl von seiner Mutter, er bewarb sich erfolgreich bei Optik Bordt am Eschenheimer Turm. „Der Chef war Schwabe, ein Pionier und eine Kapazität für Kontaktlinsen hessenweit“, würdigt der einstige Lehrling.

Er heuerte noch bei Optik Jung an der Kaiserstraße in Offenbach an, bevor er vor knapp 20 Jahren die Nachfolge von Manfred Ehlert antrat. Neben einer großen Auswahl an Brillen verfügt er dort über moderne Messgeräte. In der Werkstatt zwischen den beiden Ladeneinheiten schleift der Augenoptikermeister Rohglas mit CNC-gesteuerten Automaten und repariert Sehhilfen.

Schon vor 30 Jahren hat der Tüftler Taucherbrillen in der Sehstärke des Trägers verglast. Und er schuf Fernrohr-Lupenbrillen, die bei extremen Sehfehlern die Weitsicht ermöglichen, kreierte spezielle Lupen für verschiedene Vergrößerungen mit individuellen Sehstärken. „Ich liebe Herausforderungen“, sagt Norman Kern.

„Früher war das alles viel mehr Handarbeit“, erinnert er sich. „Vor Ende des zweiten Lehrjahrs haben wir keinen Kunden gesehen.“ Da baute er aus Zellplatten mithilfe von Sägen, Feilen, Schmirgelpapier und Poliermaschinen Fassungen. Später lötete er Metallbrillen aus Einzelteilen zusammen, fertige selbst Ersatzteile.

Längst werden komplette Fassungen eingekauft, „das Bestimmen des Augenglases ist das A und O meiner Arbeit, die Refraktion, damit die Brillengläser korrekt angemessen und angefertigt werden können“.

Ohne Stammkunden wäre der Betrieb kaum konkurrenzfähig, dankt der Geschäftsführer treuen Einkäufern. „Am Anfang war’s schon schwer“, blickt er zurück. 60 Prozent beauftragen medizinisch notwendige Arbeiten, andere kommen aus modischen Gründen.

Sonnenbrillen gehen im Laden an der Heusenstammer Straße ganz gut, „gerade im Herbst bei tief liegender Sonne braucht man sie“. Fast täglich kommen junge Leute, „manchmal in Scharen“, weil sie für die Führerschein-Prüfung einen Sehtest vorlegen müssen. Dann seien da natürlich die Reparaturen rund um die Brille. „Du musst dich mit Qualität, Service und Auswahl vor Ort abgrenzen“, hat der Dienstleister gelernt. „Ich biete eine perfekte Augenglasbestimmung und Garantie für uneingeschränkte Zufriedenheit.“

Informationen:

z 06104 41240, augenoptik-kern.de

Von Michael Prochnow

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