Ortsbund und Gehörlose mit neuer Heimat

Mit Tatkraft zu Treffpunkt

+
Der Obertshausener Rolf Meixner (rechts) hat sich dafür stark gemacht, dass der Ortsbund Stadt und Kreis Offenbach sowie die Sportgemeinschaft der Gehörlosen in einem Gebäude an der Heusenstammer Straße im Stadtteil Obertshausen, das einst eine Gaststätte beherbergte, eine neue Heimat gefunden haben. Mit Winfried Kunze, dem Vorsitzenden des Ortsbunds, verständigt sich Meixner in der Gebärdensprache.

Obertshausen - Mitten im Herzen des Stadtteils Obertshausen, an der Hauptschlagader des Orts, hat sich ein Gasthaus mit eher zweifelhaften Ruf zu einem wichtigen Treffpunkt gemausert. Die einst in allen Farben schillernde Fassade erstrahlt jetzt in klarem Weiß. Von Michael Prochnow

Aus dem Inneren klingen gelegentlich Stimmen, die sich schwer zuordnen und kaum darauf schließen lassen, dass sich hier ein Dutzend Besucher aus der gesamten Region unterhält. Sie hören und sprechen schlecht oder gar nicht und haben an der Heusenstammer Straße 4 eine neue Heimat gefunden.

Es handelt sich um Mitglieder des Ortsbunds Stadt und Kreis Offenbach sowie der Sportgemeinschaft der Gehörlosen. Beide Gruppierungen haben vor einigen Jahren ihre Vereinsräume an der Arthur-Zitscher-Straße in Offenbach aufgeben müssen und waren seit dem auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Der Obertshausener Rolf Meixner ist ihre Speerspitze und hatte zuvor schon ein Auge auf das verwaiste Bahnhofsgebäude geworfen.

Diese Adresse wäre für die überwiegend älteren Menschen ideal gewesen, so Meixner. Die meisten verfügten über kein eigenes Fahrzeug und seien auf Bus und Bahn angewiesen. Die Stadt bot Meixner dann einen Kompromiss an - die einstige Bar zwischen Fressgass und Karl-Mayer-Straße, die sie erworben hatte. Die Warmmiete in Höhe von 800 bis 900 Euro pro Monat teilen sich Stadt und Kreis Offenbach, den Umbau müssen die neuen Nutzer jedoch selbst schultern.

Bedauernswerter Zustand

120 Quadratmeter auf zwei Etagen, Saal, Büros, Küche und Bad – alles sei in einem bedauernswerten Zustand gewesen, blickt Meixner zurück. Seine Eltern waren gehörlos, auch seine Frau und eine Tochter haben diese Einschränkung, so dass er sich in der Gebärdensprache verständigen kann. Die Wandlung der heruntergekommenen Immobilie in nutzbare Räumlichkeiten hat der gelernte Autolackierer quasi im Alleingang bewältigt, Material und Fachleute „erbettelt“.

So bekam er im Baumarkt Putz und Farbe, ein türkischer Nachbar ist Dachdecker und half bei der Erneuerung an höchster Stelle, der Elektro-Fachbetrieb Anton Reitz zur Linken übernahm den Anschluss der elektrischen Leitungen, Mitarbeiter des Sanitärbetriebs Luna installierten eine neue Heizung. Kommunalpolitiker Meixner musste zunächst das Bad rausreißen, brach das Mauerwerk auf und verlegte neue Wasserleitungen.

Der 63-Jährige verputzte und strich Wände, verlegte gespendete Fliesen und richtete die sanitären Anlagen neu ein. Er brachte seine eigenen Werkzeuge mit, schleppte seine eigene Wasch- und die Spülmaschine in das alte Gebäude, hängte ausgemusterte Türen von den Städtischen Kliniken Offenbach ein. Von dort stammen auch die Leuchtstoffröhren, die er momentan an die zuvor verschraubte Decke montiert.

Kunterbunte Zweibeltürme

An den Wänden des einstigen Gastraums ragen noch kunterbunte Zwiebeltürme an die Decke, die auf die arabische Kulisse der Vorgänger hinweisen. Den Saal nutzt Meixner derzeit noch als Werkstatt, zur Ausstattung fehlen noch Tische und Stühle, ein Video-Beamer und eine große Leinwand. Der Anbau benötigt noch ein neues Dach. Aber das ist alles Zukunftsmusik, das Geld fehlt.

Die Küche aus Offenbach steht aber schon, und so konnten sich schon die Frauen- und die Seniorengruppe treffen. Der Gehörlosenpfarrer hielt bereits einen Gottesdienst, in den Büros im ersten Stock stehen die Pokale, die Kegler, Faust- und Volleyballer errungen haben.

Winfried Kunze, Vorsitzender des Ortsbundes, hat bereits seinen Schreibtisch eingeräumt. Im Frühjahr soll der neue Treffpunkt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare