Paketzentrum Plus in Obertshausen

„Ohne die Flüchtlingswelle könnten wir die Anlage nicht betreiben“

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Die Deutsche Post hat 34 Paketzenten in Deutschland.

Obertshausen - Im größten deutschen Paketzentrum werden bis zu 50.000 Sendungen pro Stunde sortiert - auch mit Hilfe ganz neuer Technik. Die zwei Jahre alte Niederlassung im Rhein-Main-Gebiet ist Modell für andere Paketzentren der Post in Deutschland.

Mit einer Geschwindigkeit von 2,6 Metern pro Sekunde laufen die Pakete durch die mehr als sechs Kilometer lange Förderanlage. Sie werden dabei an sechs Seiten gescannt, können anfangs auch auf- und übereinander liegen. Maximal zwölf Minuten dauert es im Paketzentrum Obertshausen zwischen dem Entladen eines Pakets vom Lastwagen bis zum Verteilen auf den Lkw, der es weiter befördert. Das zwei Jahre alte Paketzentrum der Deutschen Post ist nach Angaben des Unternehmens das modernste und größte in Deutschland und Vorbild für ähnliche Einrichtungen zunächst in Bochum und Ludwigsfelde bei Berlin.

Das Gebäude erstreckt sich über eine Fläche von fünf Fußballfeldern. Die Rollcontainer mit den ankommenden Paketen werden an eine der 16 Entlademaschinen eingespannt - und ihr Inhalt maschinell auf ein Laufband gekippt. An 20 anderen Förderbändern entladen Arbeiter die Container noch per Hand. Rund 400.000 Paketsendungen sortieren die 650 Mitarbeiter jeden Tag. Nachts wird eine vollautomatische Anlage getestet, die rund 1000 Pakete aus einem Lkw-Container auf die Laufbänder bringen soll - und dabei sechs bis sieben Arbeitskräfte ersetzt.

Diese seien gar nicht leicht zu finden, sagt Personalchef Christof Schick. "Ohne die Flüchtlingswelle könnten wir die Anlage nicht betreiben." Die Beschäftigten kämen aus 50 verschiedenen Nationen, knapp jeder Dritte habe einen deutschen Pass, gut jeder fünfte ist eine Frau. Die meisten arbeiteten in Teilzeit. "Denn sie müssen schon ein paar Tonnen in einer Schicht bewegen", sagt der Leiter des Paketzentrums, Holger Rehberg. Die Gewerkschaft Verdi sieht die "Zwangsteilzeit" der nach Tarif bezahlten Beschäftigten durchaus kritisch. Viele könnten von dem Geld nicht leben und müssten sich einen Zweitjob suchen, sagt Verdi-Sprecherin Ute Fritzl. Zudem sei der Anteil von Leiharbeitern mit 40 bis 50 Prozent sehr hoch.

DHL-Zentrum in Obertshausen eröffnet: Bilder

"Spätestes im Weihnachtsgeschäft muss die vollautomatische Anlage stehen", sagt Rehberg. Denn das Paketaufkommen wächst, stärker noch als erwartet. Als Gründe nennt er den boomenden Online-Handel und die wachsende Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. Das Zentrum versorgt fast zwei Millionen Menschen in der Region mit Paketen und verteilt die Sendungen aus dem Großraum - von Aschaffenburg und der Bergstraße bis nach Gießen und Fulda - in die ganze Republik. "Über 90 Prozent ist innerhalb von 24 Stunden am Ziel", sagt Stefan Heß, Sprecher der Deutschen Post DHL Group. Rund 400 Lastwagen und Lastzüge werden in Obertshausen innerhalb von 24 Stunden be- oder entladen.

Der Verkehr ist dabei durchaus ein Problem, denn auf den nahen Autobahnen 3 (Köln-Würzburg) und 5 (Basel-Kassel) staut es sich ohnehin schon. Vor allem zwischen den Autobahnkreuzen Frankfurt und Offenbach fehlten zudem Park- und Ruheplätze für die Fernfahrer, sagt Rehberg. Der Bürgermeister von Obertshausen, Roger Winter (unabhängig), sieht vor allem die Staus zu Spitzenzeiten kritisch. Die Stadtverordnetenversammlung habe sich daher für den achtspurigen Ausbau der A3 sowie den vordringlichen Umbau von wichtigen Knotenpunkten - wie der Anschlussstelle Obertshausen - ausgesprochen.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die Verkehrsbelastung im Blick. "Deswegen haben wir mit dem Ausbau der Autobahnkreuze im Rhein-Main-Gebiet begonnen", sagte er. Dies sei mit 640 Millionen Euro die größte Investition ins Autobahnnetz im Rhein-Main-Gebiet der letzten Jahrzehnte. (dpa)

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