Persönlich enttäuscht

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Da war man sich noch einig: Thomas Zeiger (Mitte) wurde am Donnerstagabend als FDP-Fraktionschef im Stadtparlament überraschend abgewählt. Zu seiner Nachfolgerin wurde Elke Kunde gewählt, als einer ihrer Stellvertreter fungiert Bernd Maier.

Obertshausen ‐ Die Spekulationen über atmosphärische und kommunikative Störungen innerhalb der Obertshausener FDP, über die wir in unserem Artikel „Koalition vor Aus?“ diese Woche berichtet hatten, haben sich bewahrheitet. Von Karl-Heinz Otterbein

Gestern wurden erste personelle Konsequenzen bekannt: Der bisherige Fraktionschef Thomas Zeiger wurde bereits am Donnerstagabend in einer außerordentlichen Fraktionssitzung völlig überraschend von seinem Amt abgewählt. Zu seiner Nachfolgerin wählten die Liberalen im Stadtparlament Elke Kunde, die auch Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes ist. „Thomas Zeiger ist ein Liberaler im besten Sinne“, sagte Elke Kunde auf Anfrage. „Er ist eigensinnig und ein Querdenker. In seiner Funktion als Fraktionschef hat dies aber oft zu Kommunikationsproblemen mit unserem Koalitionspartner geführt. Daher haben wir uns für seine Abwahl entschieden.“

Auch am Tag nach seiner Abwahl als Fraktionschef zeigte sich Thomas Zeiger über seine Entmachtung verbittert. „Ich bin persönlich sehr enttäuscht und natürlich auch verärgert über die Art und Weise, wie meine Fraktionskollegen mit mir umgegangen sind“, sagte der seit Donnerstagabend Ex-FDP-Fraktionschef in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Er werde sein Mandat nicht niederlegen

„Dass ich als Fraktionsvorsitzender abgewählt wurde, kam für mich völlig überraschend. Das war schon hinterlistig, denn mit mir hat vorher niemand darüber geredet. Offenbar wollte man einen unbequemen Menschen loswerden“, kritisierte Zeiger seine Fraktionskollegen. „Ich bin seit rund 40 Jahren in der Partei, seit 1997 im Obertshausener Stadtparlament und war elf Jahre lang Fraktionschef. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich bin ein Mensch, der sich nicht verbiegen oder einen Maulkorb verpassen lässt, ich mache Politik für meine Stadt und nicht für eine Partei“. Er habe immer versucht, unabhänig zu sein und darauf geachtet, dass nicht zuviel Geld ausgegeben werde. Und er habe stets die Wahrheit gesagt. Aber für Politiker sei es offensichtlich immer gefährlich, wenn sie die Wahrheit sagten.

Er werde sein Mandat nicht niederlegen und wolle auch weiterhin in der FDP-Fraktion bleiben, erklärte Zeiger auf Anfrage. „Ich bin für diese Legislaturperiode gewählt und fühle mich meinen Wählerinnen und Wählern verpflichtet“, so Zeiger. „Ich werde mich daher im Stadtparlament weiter für meine Stadt Obertshausen einsetzen. Und ich denke, die Arbeit im Parlament wird für mich jetzt etwas entspannter, auch wenn ich meine Beiträge natürlich weiter leisten werde. Die anderen Fraktionsmitglieder werden sehen müssen, ob es eine kluge Entscheidung war, mich als Fraktionschef abzuwählen“.

Zeiger geht davon aus, dass die schwarz-gelbe Koalition im Rathaus bestehen bleibt. Zudem kündigte Zeiger an, er werde, wie angekündigt, Hubert Gerhards als Ersten Stadtrat wiederwählen.

„Auf meine derzeitige Situation passt ein Zitat des früheren Bundeswirtschaftsministers Martin Bangemann“, fasste Zeiger zusammen. „Der hat mal gesagt, ,ich gehe zwar, aber ich verschwinde nicht'“.

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