Dreieinhalb Jahre Haft für 30-Jährigen

Polizei verhaftet Dealer an der Georg-Kerschensteiner-Schule

Obertshausen - Wegen des Verdachts auf Drogenhandel an der Georg-Kerschensteiner-Schule hat die Polizei im Dezember vergangenen Jahres einen 30-Jährigen festgenommen. Gestern wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Von Stefan Mangold 

Marihuana, MDH und Kokain – weil er an der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) mit Drogen gedealt hatte, verhaftet die Polizei im Dezember 2017 einen 30-jährigen Heusenstammer. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen verurteilen den Mann gestern zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Der Angeklagte verzichtet darauf, die übliche Geschichte vom Eigenkonsum zu erzählen, auch wenn eine Haaruntersuchung ergeben hatte, dass der Heusenstammer nicht nur viel Cannabis, sondern auch MDA und Kokain konsumierte. Ein Polizist berichtet, wie er und seine Kollegen am 15. Dezember 2017 den Auftrag hatten, sich vor der GKS umzuschauen. An der Berufsschule mit gymnasialem Zweig sollen sich so manche Schüler in der Pause bei einem Joint entspannt haben. „Wir wollten Präsenz zeigen“, erläuterte er.

Dabei entdeckten die Beamten hinter einem Imbisscontainer eine Gruppe. Der Polizist berichtet, einer hätte aufgeschreckt herübergeschaut. Als man sich genähert habe, sei er in die Schule gerannt. Im Gewühl verloren ihn die Ermittler. Jemand gab aber den Tipp, auf der Toilette nachzusehen. Die letzte Kabine war besetzt. Als es nach dem „Aufmachen, Polizei!“, zwar ein „Moment!“ antwortete, dann aber nichts passierte, schaute der Polizist von der Nachbarkabine aus hinüber. Tatsächlich saß der Angeklagte wie zur Verrichtung bereit auf der Klobrille.

Unerklärlich, dass er die Zeit nicht nutzte, die Drogen durchs Abflussrohr zu schicken. Vielleicht hatte er gehofft, die Polizei werde seiner Behauptung glauben schenken, lediglich stiften gegangen zu sein, weil er Kontakt mit der Ordnungsmacht generell meide, jedoch keine Drogen bei sich habe. In Rucksack, Hosentaschen und bei der Durchsuchung im Elternhaus des Angeklagten fand sich jedoch ein Potpourri an Betäubungsmitteln: knapp 90 Gramm Marihuana und Haschisch mit einem THC-Gehalt von 14 Prozent, ansonsten elf Gramm MDA und 6,69 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgrad von knapp 77 Prozent, alles eine „nicht geringe Menge“.

Vor Gericht behauptet der Angeklagte, auf der Schule habe er zwar einen Freund besuchen, aber keinen Handel treiben wollen. Dagegen sprachen jedoch die vielen akkurat gepackten Tütchen, die sich bei ihm fanden, und die spontane Aussage: „Hier verkaufen noch vier andere.“ Aus seiner Biografie erzählt der sich manierlich benehmende Angeklagte, nach zwei Jahren auf dem Gymnasium auf die Realschule gewechselt zu sein. Doch habe er mit dem Kiffen begonnen. Nach der achten Klasse folgte der Hauptschulzweig. Im Anschluss brach er Fach- und Abendschule ab, ohne dort zu oft Präsenz gezeigt zu haben.

Später zeigte er mehr Konstanz: Acht Jahre arbeitete er in einer Firma Nachtschicht. Stets habe er Drogen konsumiert. Zwei Verurteilungen zu Haftstrafen wegen Drogenhandel folgten, die das Gericht mit Therapieauflagen zur Bewährung aussetze. Die erste Therapie brach er zügig ab. Vor Ende der zweiten schickte ihn der Klinikbetreiber nach Hause, „weil ich zum Essen zu spät kam und bei Tisch telefonierte“. Mit Regeln könnte es der Mann offenbar generell nicht so haben. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, warum ihn ein Ausbildungsbetrieb im vergangenen Jahr bereits nach zwei Monaten Kaufmannslehre verabschiedete. In der Zeit habe er nach 18 Monaten Abstinenz den Drogenkonsum wieder aufgenommen. „Meine Freundin hatte sich auch noch getrennt“.

Die Staatsanwältin beantragte 30 Monate Haft. Handel vor einer Schule sei besonders verwerflich. Das Spezifikum sah Anwältin Monika Wrozyna nicht als erwiesen an. Den 30 Monaten stimmte sie zu, forderte jedoch sofortige Haftverschonung zwecks Therapie. In seiner Urteilsbegründung erklärte Richter Manfred Beck: „Nach zwei milden Strafen müssen sie die Konsequenzen ziehen“. Er habe Kleinstportionen verkauft, die sich Erstkonsumenten von ihrem Taschengeld leisten können: „Damit treiben Sie junge Menschen in einen Teufelskreis, dem Sie selbst entfliehen wollen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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