Bratwürste und viele Fragen

Bei „Job’n’Grill“ knüpfen junge Bewerber erste Kontakte

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Bei Grillwürstchen und kühlen Getränken konnten interessierte Bewerber mit den Vertretern der örtlichen Unternehmen wie dem Automobilzulieferer Magna ins Gespräch kommen und Kontakte knüpfen.

Obertshausen - Sich zum Thema Ausbildung informieren und Kontakte zu Unternehmen knüpfen konnten die Besucher bei „Job’n’Grill“. Die etwas andere Jobmesse feierte jetzt im Bürgerhaus Premiere. Von Thomas Holzamer 

Man nehme Vertreter von Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten, Schüler, die auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, und schaffe eine möglichst ungezwungene Atmosphäre, in der sie aufeinandertreffen: So oder so ähnlich ließe sich der Gedanke hinter dem Konzept von „Job’n Grill“ zusammenfassen. Zu dieser etwas anderen Jobbörse hatte Sozialpädagogin Beate Hopf vom Projekt „Jugend stärken in Schule und Beruf“ gemeinsam mit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Obertshausen Jugendliche und Unternehmer in den Innenhof des Bürgerhauses geladen.

Und rund 50 Jugendliche aus Obertshausen und der Nachbarstadt Mühlheim waren dem Ruf gefolgt, um mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Zu denen zählten vor allem die großen Unternehmen. So hatte neben Magna, Feintool und DHL auch die Regionalgesellschaft des Discounters Aldi Süd aus Langenselbold einen Stand aufgebaut. Die Bundesagentur für Arbeit und die Stadt Obertshausen standen interessierten Ausbildungssuchenden ebenfalls Rede und Antwort.

Nur, ein paar Firmen mehr aus dem Mittelstand und dem Handwerk hätten es sein können, findet Günter Möhl, Ausbildungsbegleiter der Initiative VerA. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ausbildungsabbrüche zu verhindern, und unterstützt Azubis während ihrer Lehrzeit. Denn vor allem die Handwerksbetriebe plagen Nachwuchssorgen. „Mit ein Grund dafür ist, dass vielfach versäumt wird, den Jugendlichen zu sagen, ihr müsst nicht unbedingt Abitur machen“, ist sich Möhl sicher. Denn auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung sei ein Studium möglich und ein guter Handwerksmeister komme inzwischen auch beim Gehalt an einen Ingenieur heran.

Über Nachwuchssorgen kann sich derweil Jürgen Picard nicht beschweren, zumindest wenn es um die Ausbildung zum Fleischer geht. „Nur bei den Fachverkäufern ist die Nachfrage nicht ganz so groß“, erzählt er. Das liege nicht zuletzt am falschen Image des Berufs in der Öffentlichkeit, vermutet er. Auch wenn es schon mal ein wenig stressig werden könne – so auch an diesem Tag, wo der Chef mangels Helfer selbst hinter dem Grill steht und gleichzeitig das Gespräch mit den Jugendlichen sucht und Fragen beantwortet – lohne sich die Lehre. „Wer bei uns seine Ausbildung geschafft hat, wird von Supermärkten oder im Cateringbereich mit Kusshand genommen“, sagt er.

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In einem sind sich alle beteiligten Unternehmer, zu denen auch der Obertshausener Anthony Giordano mit seinem Werbeservice zählt, an diesem Tag jedoch einig: Die entspannte Atmosphäre zwischen Grill und Stehtischen sorgt für einen intensiveren Austausch, als eine herkömmliche Jobmesse. „In so einer lockeren Atmosphäre fällt es den Jugendlichen leichter, Ausbilder und Betrieb kennenzulernen“, ist sich Magna-Ausbilder Spyro Chatzidimitriadis sicher. „Da gibt es keine falschen oder dummen Fragen“. Und auch Flüchtlinge nutzen das Angebot, sich zu informieren. So etwa ein Syrer, der in seinem Heimatland bereits Elektriker war und nun eine Ausbildung in Deutschland absolvieren möchte.

Auch das Interesse der Bewerber bei dieser Art von Veranstaltung ist offenbar höher als bei klassischen Berufsbildungsmessen. „Es waren tolle Gespräche dabei und viele Detailfragen, die mich positiv überrascht haben“, resümiert Melanie Berger von Aldi Süd.

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