31-Jährige bestreitet Vorwürfe

Mutter gibt Sohn Drogen

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Obertshausen - Was eine Mutter dazu treibt, ihrem 14 Jahre alten Sohn und seinen Freunden Drogen zu geben, darauf kann selbst ein Psychologe keine befriedigende Antwort finden. Von Marcus Reinsch 

Und das Offenbacher Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck hatte auch erstmal das Problem, überhaupt die Frau zu finden. Denn als bei der Beweisaufnahme ihre Chancen auf einen Freispruch schwanden, ließ sich die 31-Jährige krankschreiben und suchte ihr Heil in der Flucht statt in der Medizin. Genutzt hat ihr das nichts. Sie bekam zwei Jahre auf Bewährung.

Es ist eine jener haarsträubenden Geschichte, die in einem Städtchen wie Obertshausen niemand erwartet oder erwarten will. Passiert ist sie trotzdem: Besagte Mutter hat ihrem Sohn, dessen ebenfalls 14-jähriger Freundin und einem 16-jährigen Freund in elf Fällen im vergangenen und vorvergangenen Jahr Marihuana für den Konsum gegeben.

Den ältesten Jugendlichen belastete das Verhalten seines Freundes und dessen Mutter allerdings dermaßen, dass er sich an den Direktor seiner Schule wandte. Er sei da in etwas Illegales hineingezogen worden und wisse nicht, was er jetzt machen sollte. Der Schulleiter wusste es umso besser. Er riet seinem Schüler zum Gang zur Polizei, weil ein Neustart nur möglich sei, wenn man sich zu eigenen Fehlern bekenne und strafbares Verhalten anderer auch melde. Er predigte keinen tauben Ohren: Der 16-Jährige schrieb alles nieder und überreichte das Geständnis einem Polizisten, der oft zur Präventionsarbeit in der Schule ist.

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Die Freundin des Sohnes wurde als Zeugin verhört. Sie stritt erst alles ab, kam nach einigen Tagen doch wieder zur Polizei und gab zu, gelogen zu haben. Sie wisse, dass ein Mensch bei der Wahrheit bleiben müsse, wenn er sich noch selbst ins Gesicht schauen wolle. Detailliert schilderte sie, dass die Mutter ihres Freundes ihm und ihr immer wieder Marihuana gegeben habe. Das habe weder ihr noch ihrem Freund gut getan. Es sei gut, dass nun alles aufgeflogen sei.

Das fand die 31-Jährige überhaupt nicht. Vor Gericht bestritt sie alle Vorwürfe, kam dann zu zwei Verhandlungsterminen gar nicht erst, legte stattdessen ein Attest ihrer Hausärztin vor. Richter Manfred Beck misstraute der Sache, schickte zur Überprüfung eine Amtsärztin zur Wohnung der Angeklagten. Die fand statt einer kranken Frau allerdings nur einen Zettel vor, auf dem für den Paketboten die Bitte vermerkt war, Lieferungen doch erstmal beim Nachbarn abzugeben! Das Gericht fühlte sich an der Nase herumgeführt, erließ einen Haftbefehl gegen die verschwundene Obertshausenerin, die wenige Tage später von der Polizei festgenommen und zu ihrem Urteilsspruch geleitet wurde.

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