Mit Rennrädern nach Ste. Geneviève

Radsportabteilung der TGS Hausen feiert 25-Jähriges

+
Radsport-Abteilungsleiter Karl-Heinz Picard (2. von links) ehrte langjährige Mitglieder.

Obertshausen - Das Stadtparlament war schuld, genauer der SC Stadtparlament. Zwei Dutzend Lokalpolitiker aller Coleur strampelten Ende der 1980er Jahre mit Rennrädern nach Ste. Geneviève – aber ohne Versicherungsschutz. Von Michael Prochnow 

Das bewegte einige von ihnen, bei der Turngesellschaft Hausen eine Radsportabteilung zu gründen. Bis heute haben deren Aktiven rund 2,2 Millionen Kilometer zurückgelegt, rund 6000 Reifen abgefahren und halb Europa gesehen. Das galt es nun zu feiern.

Am Neujahrstag 1989 hoben zwei Frauen und fünf Männer die Abteilung aus der Taufe. Kurz darauf zählte sie 25 Mitglieder, die anfangs noch viel auf Tourenrädern unterwegs waren. Dann stellten sie fest, „ein Rennrad ist schneller und einfacher zu handhaben“, berichtete Abteilungsleiter Karl-Heinz Picard aus der Chronik.

Günter Keller, Vorsitzender des Gesamtvereins, sei lange vorweg gefahren. Seit der Gründung trainieren sie mittwochs und sitzen nach den Ausfahrten am Stammtisch beieinander. „Der Sport alleine kann nicht zufrieden stellen“, resümierte Picard. Es sei „wichtig, dass sich die Leute nicht nur mit Helm, Brille und kurzer Hose begegnen“.

Großmacht bei den Rundtouren

Die TGSler waren bald eine „Großmacht“ bei den damaligen Rundtouren. So starteten sie einmal mit mehr als 90 Teilnehmern und holten den größten Pokal in Hainburg.

Von Anfang an unternahm die Gemeinschaft mehrtägige Fahrten, strampelte über Christi Himmelfahrt vier Tage und bis 1996 erneut eine ganze Woche durch Frankreich, Italien oder Österreich.

„Heute ist das nicht mehr so einfach“, stellte Picard fest. Viele haben nur wenig Urlaub, die Reisen kosten viel Geld und „wir werden alle älter“.

1999 hat die Abteilung zum Zehnjährigen ein Rundrennen gestartet, erst das zweite Radrennen überhaupt in der Stadt. Zwischen 2001 und ‘08 beteiligte sich ein Dutzend Fahrer an Supercup und Marathon-Veranstaltungen, sie sind jeweils mindestens 200 Kilometer gefahren.

Zwischen 70 und 75 Mitglieder traten in dieser Zeit in die Pedale. 2006 flitzten sie mit 39 Aktiven insgesamt 261 000 Kilometer, also sechseinhalb Mal um die Erde, verglich der Leiter.

2002 finanzierten Abteilung und Gesamtverein vier Spinning-Räder, heute stehen zwölf der Standräder im Keller der Leopold-Picard-Turnhalle. Aktuell hat die Jubilarin 60 Mitglieder, „aber es ist schwer, Nachwuchs zu gewinnen“.

Federleichter „Karbonschlitten“

Das Hobby sei freilich ein sehr zeitintensives und auch nicht ganz preiswert. Etwa 3000 bis 4000 Euro müssten für einen federleichten „Karbonschlitten“ mit elektronischer Schaltung hingeblättert werden. Nach oben gebe es kaum Grenzen.

Picard stellte auch die Trikots aus 25 Jahren vor. „Wenn’s geregnet hat, waren wir zwei, drei Kilo schwerer“, deutete er auf die älteren Exemplare an der Wand.

Bürgermeister Bernd Roth befand, es komme auf die „Motoren des Radsports“ an. Der Rathauschef und das Gründungsmitglied Lothar Keller erinnerten an die Radtour des SC Stadtparlament über 2036 Kilometer nach Caravaca de la Cruz, wo eine Städteverbindung begründet werden sollte.

„Leider ist Caravaca noch keine Partnerstadt“, bedauerte Roth. „Aber es kommt auch auf das an, was man auf den Fahrten erleben kann“.

Bezirksvorsitzender Erich Wejwoda sieht die Abteilung als „wichtige Säule“ der Radsportler zwischen Offenbach und Fulda. TGS-Mitglied Otto Kunkel, als Vizepräsident im Hessischen Radfahrerverband für den Breitensport zuständig, sah in der Anbindung an einen Großverein mit 21 Abteilungen mehr Möglichkeiten als für einen Einspartenverein.

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Am 29. März richten die Hausener die Hauptversammlung der hessischen Radsportler aus.

Für 25 Jahre im Sattel erhielten Hermann Schnaus, Rüdiger Komo, Elisabeth und Klaus Egon Winter, Lothar Keller, Renate und Günter Keller je eine Urkunde mit Ehrennadel des Bundes Deutscher Radfahrer sowie ein Buchpräsent. Winter war in den ersten 19 Jahren Abteilungsleiter.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare