Rasenflächen werden nicht gemäht

Gegen Hungertod: Blümchen für die Bienchen

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Wuchert wunderschön: Der Rand der Bürgermeister-Mahr-Straße (Foto) ist für den Mäher ebenso tabu wie der des Rembrücker Wegs.

Obertshausen - Die Sache mit den Bienchen und den Blümchen war noch nie einfach zu erklären. Von Lena Marie Jörger

Naturschützer, deren Interesse Fauna und Flora gilt, sind da gegenüber Eltern mit plötzlich neugierigen Kindern aber noch deutlich im Vorteil - und gerade sehr erfolgreich gewesen mit einer Informationsoffensive im Rathaus: Auf Initiative des Naturschutzbundes (NABU) und der Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Obertshausen-Mosbach (NAOM) hat die Stadt beschlossen, die Rasenflächen an Bürgermeister-Mahr-Straße und Rembrücker Weg vom Mähen erstmal zu verschonen. So soll Bienen der Hungertod erspart werden.

„Wir warten mit dem Mähen, bis alle Blumen und Kräuter abgeblüht sind“, erklärt Erster Stadtrat Hubert Gerhards. Später könnten sogar noch mehr städtische Grünflächen zu wilden Blumenwiesen werden. Denn während Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten im Frühjahr zwischen Leckereien wie Raps, Obstblüten und Löwenzahn wie am Büffet wählen können, herrscht im Sommer und Herbst Schmalhans Küchenmeister. Dann ist alles verblüht; Wiesen und Feldraine sind meist abgemäht. Für die Umwelt selbst hat das auch dramatische Folgen. Denn viele Nutz- und Wildpflanzen sind darauf angewiesen, von den schwarz-gelben Tierchen bestäubt zu werden. Einige Imker füttern ihre Tiere mit Zuckerwasser, um sie über den Winter zu bringen. Tim Brauburger, Obertshausener Imker und NABU-Mitglied, hält davon aber nichts. „Ich lasse meinen lieber den Honig drin und nehme nur das, was sie nicht brauchen.“

Weit über eine Million Bienen

Weit über eine Million Bienen, wilde nicht eingerechnet, gibt es im Stadtgebiet, schätzt Brauburger. Vom Beschluss der Stadtverwaltung ist er schlicht begeistert. „Das spart auch Geld, weil städtische Betriebsmittel nicht mehr so oft in Anspruch genommen werden.“

Das Wuchernlassen bedeute außerdem keinen Mehraufwand. „Man gewinnt sozusagen durch Unterlassen“, sowas schätzt der Imker. Extra Blumen und Gräser einzusäen, das hält er aber nicht für notwendig. Denn in Wildkräutern und -blumen steckten häufig mehr Nektar und Pollen als in gekauften. „Am besten lässt man einfach das stehen, was nicht besonders stört“, sagt Brauburger, der ebenso wie Hubert Gerhards auf das Verständnis der Bürger hofft. „Vielleicht könnte man an der Rasenfläche ein Schild aufstellen, auf dem erklärt ist, warum nicht gemäht wird“, regt Brauburger an, „dann wüssten die Bürger, warum es dort gerade so vermeintlich unordentlich aussieht.“

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