Im Rathaus in Obertshausen

Wer regiert demnächst?

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Obertshausen - Hinter den Kulissen des Rathauses geht es gerade drunter und drüber. Am Donnerstagnachmittag haben die Bürger für Obertshausen ihre Kooperation mit der CDU nach drei Jahren aufgekündigt. Von Claudia Bechthold 

Schon vor dieser Absage der Freien Wähler an die Christdemokraten soll es Gespräche zwischen Bürgern, SPD und Grünen gegeben haben. Und die CDU hat bereits einen Termin für ein Treffen mit den Grünen. Die Karten in der Stadtverordnetenversammlung werden also derzeit neu gemischt.

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Wie das in Partnerschaften, die auseinanderbrechen, oft so ist, wird trefflich geschimpft. An erster Stelle von den Bürgern für Obertshausen, die am Donnerstagabend eine Pressekonferenz gegeben haben, um die Aufkündigung ihrer Zusammenarbeit mit der CDU bekannt zu geben. „Die Rahmenbedingungen für diese Kooperation haben sich deutlich verändert“, sagt Bürger-Fraktionschef Robert Schulz. Wichtige Bereiche der Stadtverwaltung seien nach dem Bürgermeister-Wechsel nicht mehr in der Verantwortung des Partners, an erster Stelle die Finanzen.

Zudem seien die Bürger nicht länger bereit, von der CDU für die Niederlage Hubert Gerhards bei der Bürgermeisterwahl verantwortlich gemacht zu werden, beklagt Schulz. „Unser Verständnis einer Kooperation ist es, dass man den Partner vor einer Personalentscheidung fragt“, betont Manfred Christoph, Vereinsvorsitzender der Bürger und ehrenamtlicher Stadtrat. Die CDU aber habe die Bürger bei der Entscheidung für Hubert Gerhards als Kandidat für die Bürgermeisterwahl vor vollendete Tatsachen gestellt.

Aber auch inhaltlich äußern die Bürger Kritik. So gebe es mehrere mit Mehrheit gefasste Beschlüsse, die einfach nicht umgesetzt würden. Das betreffe in erster Linie die Baubehörde, sagt Schulz. Als Beispiel nennt er unter anderem den Beethovenpark, dessen Umgestaltung man wollte: „Da werden Konzepte vorgestellt, dann wird Geld in den Haushalt gestellt und dann heißt es, die Angebote lägen um 15 Prozent über dem Maximalbetrag und alles wird gestoppt.“ Oder eine Linksabbiege-Möglichkeit von der Heusenstammer Straße in die Beethovenstraße: „Erst heißt es, das kostet 50.000 Euro, dann stehen im Haushalt plötzlich 250.000 Euro, passiert ist aber nichts.“ Die Liste ist noch länger. Eigene personelle Interessen weisen die Bürger übrigens zurück. Schulz: „Unsere Lebensplanung sieht anders aus.“

Roger Winter ist neuer Obertshausener Bürgermeister

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„An den Haaren herbeigezogen“, nennt Robert Huber, Vorsitzender der CDU-Fraktion, die Gründe der Bürger, „als wolle einer partout aus der Sache raus“. Es gehe doch um eine Kooperation zwischen zwei Fraktionen und nicht um die Gemeinschaftsregierung einer Stadt. Und die Vorwürfe seien absurd. Huber bleibt auch dabei, dass die Bürgermeisterwahl hätte anders ausgehen können, wenn die Bürger sich für den CDU-Kandidaten Gerhards ausgesprochen hätten, statt auf eine Empfehlung für die eigenen Wähler zu verzichten: „Bei einer Differenz von 41 Stimmen?!“ Und die ersten Gespräche mit SPD und Grünen hätten die Bürger schon vor der Kündigung des Kooperationsvertrages geführt, berichtet Huber. „Das hat doch mit Vertrauen nichts mehr zu tun.“

Bestätigt werden diese rot-grün-blauen Treffen von Klaus-Uwe Gerhardt, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. Aber auch die Vereinbarung eines Sondierungsgesprächs mit der CDU bestätigt Gerhardt. Wohin das alles gehe, könne man noch nicht abschätzen, fügt er hinzu. Sicher sei nur, dass seine Fraktion nichts gegen den Bürgermeister machen werde. Und Roger Winter selbst? Der mochte sich gestern gar nicht äußern: „Die Gespräche führen die Fraktionen.“ Was dabei herauskomme, müsse man abwarten. Und er fügt noch an: „Ich bin bewusst als unabhängiger Kandidat angetreten.“

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