Regentschaft via Mattscheibe

Katja Kilian und Simon Schultz führen Obertshausens „Elf Babbscher“

Comtesse Katja I. und Baron Simon I. des Obertshäuser Tanzsport- und Karnevalsvereins „Die Elf Babbscher“ vor dem Plakat, mit dem für die „Narrsa“-Kampagnen-Rettungskapsel“ geworben wird.
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Comtesse Katja I. und Baron Simon I. des Obertshäuser Tanzsport- und Karnevalsvereins „Die Elf Babbscher“ vor dem Plakat, mit dem für die „Narrsa“-Kampagnen-Rettungskapsel“ geworben wird.

Alles war wasserdicht abgesichert, Masken mit den rot-weiß-blau-gelben Streifen angeschafft, Abstandsregeln verkündet und die Nodebabbscher auf leise eingestellt. Der „verschärfte“ Lockdown der Politiker zerstört jedoch die Pläne. Dennoch bleiben „Die Elf Babbscher“ vom Obertshäuser Tanzsport- und Karnevalsverein ganz unkarnevalistisch brav und befolgen die Verbote. Das bedeutet, die neuen Tollitäten werden die Narren wohl nur über die Mattscheibe regieren.

Obertshausen – Und natürlich über die Zeitung. Vorsichtig positionieren sich Comtesse Katja I. und Simon I. vor dem großformatigen Plakat an der Gathof-Kreuzung, die Hygieneregeln immer im Blick. Im bürgerlichen Leben wohnen Katja Kilian und Simon Schultz nämlich in unterschiedlichen Haushalten. Auch künftig müssen die Obertshausener Herrscher nicht verheiratet sein.

„Wir haben natürlich mit unseren Partnern gesprochen“, erläutert Katja Kilian. „Aber mein Mann wirkt lieber im Hintergrund, baut am Fastnachtswagen mit.“ Ähnlich ist das bei Simon Schultz, seine Frau unterstützt die Töchter, chauffiert sie zum Garde-Training, aber auf die Bühne ziehe es sie nicht. Der Baron nennt sich nun Simon I., Statisticus Stochasticus von der relationalen Datenbank, vinophiler Bembelmajor aus der Stadt der Mühlen, extraterrestrischer Adjutant des geharzten Balls und erster Zeitreisender aus dem Hause Schultz.

Da klingt schon heraus, dass der gebürtige Frankfurter die ersten fünf Lebensjahre in Sachsenhausen gelebt hat. Sein Abi machte er am neuen Wohnort Mühlheim, absolvierte einen Zivildienst und startete in der Mainmetropole eine Ausbildung zum mathematisch-technischen Assistenten bei der Bundesbank. Er wechselte zur KfW-Bank und ist heute in der IT-Beratung einer Firma in Darmstadt tätig.

In Rodgau für die Fastnacht gewonnen

Seine Adresse befand sich zwischenzeitlich in Rodgau, wo er bei der Turngemeinde Nieder-Roden Handball spielte. Seine Kameraden gewannen ihn für die Karneval-Abteilung des Vereins, wo er im Männerballett die Beine schwang. 2011 heiratete er in Weiterstadt, die Familie ist in der Hausener Bodelschwinghstraße daheim. Banker-Kollege Heiko Röhrig aus dem Babbscher-Vorstand konnte Simon für eine Mitgliedschaft gewinnen, die Töchter Janne (10) und Helen (7) sind in Babbscher-Tanzgruppen aktiv.

Interesse an dem Baron-Job zeigte er schon bei der Party zu seinem 40. Geburtstag vor zwei Jahren. Auf der Fete war auch „Ihre Lieblichkeit“ zu Gast, beide waren sich einig, die hohen Posten bekleiden zu wollen. Aber erst ein paar Kampagnen später. Jetzt ist Katja I. also Obstetrix alter moguntianischer Schule, majestätische Acupunctura der sanften Geburt, sonnengrüßende Fürstin von der Mainschleife und strahlende Herrscherin über den Kiliansbund.

Aufgewachsen in Lederanien

Das „Offebäscher Mädche“ erblickte im Ketteler-Krankenhaus das Licht der Welt, war in der Innenstadt zu Hause und wuchs mit der lederanischen Fastnacht auf. Regelmäßig schunkelt sie auf dem Mainzer Rosenmontagszug. Nach dem Abitur an der Leibnizschule bereitete sie sich an den Universitäts-Kliniken in Frankfurt auf den Beruf der Hebamme vor. „Man kehrt immer wieder an den Tatort zurück“, verteidigt sie ihren Einsatz am Ketteler.

2010 holte sie eine Kollegin nach Hausen, wo sie gemeinsam eine Hebammen-Praxis führen. Katja engagiert sich außerdem im Elternbeirat der Hermann-Hesse-Schule, begleitet mit ihrem Mann die Töchter Eva (13) und Nora (10) zu den Übungsstunden bei den Babbschern und erholt sich beim Yoga.

„Wir machen das Beste draus“, bestätigten Comtesse Katja und Baron Simon. Auch wenn die Fastnacht vermutlich nur im Internet stattfindet, wollen sie mit Helau das närrische Volk erheitern. Von heute an kann die Kampagnen-Rettungskapsel „Narrsa“ erworben werden. (Michael Prochnow)

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