Rhein-Main BBQ Society

Experten am Grill bereiten sich auf Deutsche Meisterschaft vor

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Oliver Hess hat die Grill-Gesellschaft 2014 gegründet und freut sich aufs Kräftemessen in Fulda Anfang August.

Obertshausen - Die Rhein-Main BBQ Society kann mehr als Würstchen auf den Grill legen. Sie gewann jüngst einen Grill-Wettbewerb im ZDF-Fernsehgarten und bereitet sich gerade auf die Deutsche Meisterschaft in Fulda vor. Von Michael Prochnow 

Ein Skirt-Steak fanden sie vor, das Zwerchfell, das traditionell in der Wurst landet. „Aber bei sehr guter Qualität kann es auch auf den Grill“, weiß Oliver Hess. Dann lag eine Maniok-Wurzel im Korb, „um uns das Leben schwer zu machen“, Pfifferlinge, Honig und als Überraschung Mainzelmännchen als Gummibärchen. Hess hat sich mit seiner Rhein-Main BBQ Society beim Fernsehgarten beworben und sollte nun aus den Zutaten ein Grill-Menü zaubern.

Zusätzlich haben sie sich Zucchini, Paprika, Tomaten und Rotwein für die Soße ausgewählt für ihre Rezeptur, die sie während der 90-minütigen Live-Sendung beim ZDF verwirklichten. Die Hessischen Vizemeister 2016 und kreativsten Griller 2017 und ’18 präsentierten eine Zucchini-Rollade gefüllt mit Maniokpüree und Pfifferlingen, Papaya-Salsa mit den kleingehackten Gummibärchen, das Steak, klassisch gegrillt, tranchiert in langen Streifen. „Es war ein sehr schönes Bild auf dem Teller“, belegt Hess mit Fotos, „schließlich ist auch die Optik sehr wichtig“.

Das Ergebnis bewertete eine Jury, in der auch Fernsehkoch Armin Roßmeier und Grill-Weltmeister Camillo Lev saßen – und das Team aus Obertshausen und Umgebung zum Grillmeister 2018 kürten. Der tönerne Mainzelmann steht jetzt zwischen Messern und Schüsseln im Garten von Team-Mitglied Heike Walgenbach. Die BBQ Society trainiert bereits für die Deutsche Grillmeisterschaft, die am 4. und 5. August in Fulda ausgetragen wird. Im vergangenen Jahr wurden sie im Publikumswettbewerb Vierter. Am Sonntag ist der Weltmeister dabei, dann wird „auf sehr hohem Niveau“ gebruzzelt, ahnt Meister Hess.

Geschmacksexplosion durch Würzen mit Marinaden und Rubs

Zur BBQ-Gruppe gehören neben den Obertshausenern Hess und Walgenbach auch Simone Schlund, Iris Götz, Harald Reuter, Manuel Stenger, Dirk Grass, Klaus Kießling und Jochen Königshof. Sie kommen aus Franken, Aachen und dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, sind Buchhalterin, Installateur, Förster, Maler, Verkäuferin von Medizintechnik, Bahnbeamter oder führen einen Hausmeister-Service. Auch zwei Köche sind dabei. Leiter Hess hat ein Catering-Unternehmen, ist Allrounder im Grillgebiet. Sie haben sich im Laufe der Jahre kennengelernt, Hess hat die Runde 2014 gegründet. Heute verfügt die Society über einen Pool von 20 Personen. „Wir nehmen nur noch Leute über Empfehlung auf“, bremst Hess Interessierte, „sprechen in der Szene gezielt bekannte Talente an, ob sie mitmachen wollen“. Es müssen Hobbyköche sein, „die oft den Grill anschmeißen, logistisch und handwerklich top sind, ein Spezialgebiet beherrschen“. Bratwurst gibt’s da eher selten, heute steht Flank-Steak auf der Speisekarte. „Mittlerweile kommen viele amerikanische Steak-Zuschnitte von Amerika nach Europa.“ Das Fleisch stammt „von sehr gut gezüchteten Rindern“, erläutert Hess. „Die Tiere haben viel Freiland und Zeit zu wachsen.“ Tatsächlich wird die Steppenhaltung fast nur noch in Argentinien praktiziert. Aber auch aus den USA, Australien und zunehmend aus Deutschland komme gutes Fleisch.

Grillsoßen für Fleisch, Fisch und Gemüse

In Sachen Grill gebe es keine generelle Entscheidung zwischen Kohle und Gas. Geschmacklich macht das keinen Unterschied. „Feuer hat eben Stimmung, aber in der täglichen Praxis ist Gas die optimale Lösung“, meint Hess und ergänzt: „Mein Lieblingsgrill ist ein Keramik-Ei.“ Insgesamt verfügt er über 17 Geräte, vom Dreibein, das er nur als Anzünder nutzt, über Keramik-Modelle bis zum Kugelgrill mit Oberhitze. „Für Anfänger ist die Kugel mit Holzkohle ideal“, die gebe es ab 100 Euro. Für den Balkon komme nur Gas infrage, ab 500 Euro aufwärts. Die Wettbewerbs-Geräte kosten bis 8000 Euro und gibt’s beim Importeur in Offenbach.

Zur Meisterschaft reisen sie mit einem Sieben-Tonner, der Kühlwagen, Bühnenelemente für den Stand, Pavillons, Arbeitsflächen und sieben Grills fasst. Die Verantwortung für die Gänge wird vorher verteilt, die anderen arbeiten zu. Oft ist ein Kollege dabei, der nur die Zeit angibt. „Und ohne Sponsoren läuft gar nichts“, lehrt der Leiter. Aber ohne ein Quäntchen Glück auch nicht.

Mediterraner Schweinerücken mit Kartoffeln aus dem Salzbett

Rezept für vier Personen: 1 Schweinebraten aus dem Rücken ohne Schwarte circa 2 Kilogramm, 500 g Drillinge (kleine Kartoffeln) 1 kg grobes Meersalz, Fenchelsaat, Rosmarin, junger Knoblauch, Pfeffer, grobes Meersalz. Kartoffeln waschen, aus dem Salz mit ein paar Zweigen Kräutern, zerdrücktem Knoblauch in einer Metallform ein Bett machen und die Kartoffeln drauf legen (das Salz kann mehrfach verwendet werden). Rosmarin fein hacken, Knoblauch hacken mit Fenchelsalat, grob gemörsertem Pfeffer und Meersalz mischen und den Braten kräftig damit einreiben, eventuell eine Tasche schneiden und dort die Gewürzmischung hineingeben. Grill für indirektes Garen vorbereiten, Braten bei 140 Grad bis zu einer Kerntemperatur von 58 Grad garen lassen, Kartoffeln mitgaren. Gardauer je nach Größe zwischen 2,5 und 3,5 Stunden. Bei Erreichen der Zieltemperatur von 58 Grad vom Grill nehmen und rund 10 Minuten warm ruhen lassen. Aufschneiden und mit pikanter Paprika-Marmelade servieren. Die Reste ergeben am Folgetag einen Aufschnitt, der perfekt zu Rosmarinkartoffeln passt.

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