Roden für die Vielfalt

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Ortstermin im Matsch: Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (von rechts) informierte sich bei Heinz Eikamp und Ute Wernicke auf der Fläche an der Fischerhütte. Kurt Frank und Ulrike Schmittner vom Fachdienst Umwelt begleiteten sie.

Obertshausen ‐ Mit gelben Gummistiefeln stapfen Claudia Jäger und ihre Mitarbeiter aus der Unteren Naturschutzbehörde durch den klebrigen Lehm. Von Michael Prochnow

Vor einem Steinhaufen an einem kleinen Tümpel packt die Erste Kreisbeigeordnete einen riesigen Scheck aus, um ihn an Heinz Eikamp und Ute Wernicke zu überreichen. Für die Vertreter der Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Obertshausen-Mosbach, NAOM, sowie des Naturschutzbundes, Nabu, sind die 4000 Euro aus dem Kreishaus wahrlich eine große Hilfe.

Die Summe deckt etwa die Hälfte der Kosten für den Einsatz der gemeinnützigen Gesellschaft Wurzelwerk auf der Naturschutzfläche am Anglerweiher. Arbeiter rodeten mit schwerem Gerät Stämme und Äste, die auf das Areal vorgedrungen waren, und beseitigten das Holz. Das sei notwendig gewesen, erläuterten Eikamp und Wernicke, um die vom Bewuchs bedrohte Wiese mit ihrer Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Naturschützer bedanken sich

Selber hätten es die Vereine nicht schultern können, bedankten sich die zwei Naturschützer, weil sie nicht über die erforderlichen Maschinen verfügen. Und obwohl das Projekt an der Fischerhütte auch von der Ortsgruppe der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, HGON, mitgetragen wird, stehen oft nur wenige Aktive für die Mahd zwei- bis dreimal im Jahr zur Verfügung. Nachwuchs lasse sich nur mühsam für eine kontinuierliche Mitarbeit gewinnen, zudem fehlen fortan die Zivildienstleistenden, die bei den Verbänden beschäftigt waren.

Sehr erfreulich verlaufe die Zusammenarbeit mit der Behörde im Kreishaus, bedankte sich NAOM-Chef Eikamp. Dezernentin Jäger erklärte, die finanzielle Unterstützung sei „eine der wenigen freiwilligen Leistungen“, für die noch Geld locker gemacht werden könne. Dazu begleiten Kurt Frank, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Umwelt im Kreis, und die Biologin Ulrike Schmittner vom gleichen Amt das Engagement der Vereine auch mit Rat und Tat. Auch die Stadt und die nahe Kompostierungsanlage tragen zur Entwicklung der Fläche bei.

Pflege durch Ehrenamtliche

Schon seit 1984 pflegen ehrenamtlichen Helfer das rund 2500 Quadratmeter große Teilstück unterhalb des einstigen Müllbergs. Neben seltenen Schnecken, Spinnen sowie brütenden Nachtigallen, Schwanzmeisen und Gartengrasmücken haben die erfahrenen Mitstreiter 124 Schmetterlingsarten bestimmt, davon 20 geschützte. Experten von der Senckenberg-Gesellschaft vermuten mehr als 300 Arten. Sie analysieren jene, die von den Vereinsleuten um Norbert Schiller nicht bestimmt werden können. Dem kundigen Hausener genügt in der Regel eine spezielle Lichtquelle, um die Falter in der Nacht anzulocken und zu registrieren.

Die untypisch fette, lehmige Zusammensetzung des Bodens rühre vermutlich von einer Aufschüttung her, meint Vogelkundlerin Wernicke. Die Wurzeln der Weiden, Hartriegel- sowie Brombeersträucher werden auch in Zukunft „mit Energie in die Fläche treiben“ und das Leben in und um die vier Amphibientümpel und Steinhaufen bedrohen. Die Aktiven wollen demnächst so genannte Insekten-Hotels aus Holzstapeln errichten.

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