Mikrokosmos Frühstückstisch

Rüdiger Hoffmann im exklusiven OP-Interview

Rüdiger Hoffmann ist mit „Aprikosenmarmelade“ im Bürgerhaus Obertshausen.
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Rüdiger Hoffmann ist mit „Aprikosenmarmelade“ im Bürgerhaus Obertshausen.

Obertshausen - Er ist ein alter Hase im Comedy-Geschäft und kaum eine Floskel so bekannt wie sein „Ja, hallo erstmal“: Rüdiger Hoffmann steht seit 30 Jahren auf der Bühne. Mit seinem zehnten Live-Programm „Aprikosenmarmelade“ nimmt er am Freitag, 13. November, 20 Uhr, Besucher im Bürgerhaus mit in seine gemächlich-komische Gedankenwelt.

Warum der 51-Jährige trotz der langen Zeit noch nicht witz-müde ist, verrät er Redakteurin Eva-Maria Lill im Interview.

„Ja, hallo erstmal...“ Wie oft fangen Ihre Interviewpartner das Gespräch so an?
Eigentlich gar nicht so oft.
Nervt sie der Satz nicht ein bisschen?
Ich sehe das nicht negativ. Wenn ich durch die Stadt gehe, Leute mich erkennen und sagen: „Ja, hallo erstmal“, dann lächele ich und sage das auch. Hellmuth Karasek hat mal angemerkt, ich hätte den Deutschen Wortschatz um „Ja, hallo erstmal. ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten“ ergänzt. Darauf bin ich eigentlich ganz stolz.
Wie ist diese Begrüßung entstanden?
Ich glaube, es war 1987. Da habe ich in einem kleinen Laden vor zehn oder fünfzehn Leuten gespielt. Und ich dachte, es wäre eine unheimlich witzige Begrüßung. Damals gab’s keine Fernseh-Werbung, die Leute kamen nur wegen des Plakats. Ich hab angefangen: „Ja, hallo erstmal. Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten, aber ich bin so ein bisschen nervös und falls Sie jetzt merken, dass das doch nicht so die Art von Unterhaltung ist, die sie sich vorgestellt haben, dann könnte ich es verstehen, wenn Sie noch etwas anderes machen wollen“. Die Leute waren irritiert, haben aber kurz drauf verstanden, dass es schon zur Nummer gehört.
Sind Sie das erste Mal in Obertshausen?
Ja und ich freue mich. Ich war mit meinen Programmen immer wieder in Frankfurt, aber als das Kulturamt aus Obertshausen angefragt hat, habe ich sofort zugesagt. Das Publikum in Frankfurt war immer sehr gut. Ich bin gespannt, ob Obertshausen das toppen kann.
Was ist Ihnen beim Live-Auftritt wichtig?
Ich möchte das Publikum in erster Linie entschleunigen. Unsere Umwelt ist viel zu hektisch, laut und schnell geworden. Ich habe viele Fanzuschriften zu der Nummer mit Olaf und Birte im Pärchenurlaub bekommen und viele haben sich eine Fortsetzung gewünscht. Das mach ich jetzt auch.
30 Jahre Bühne ist eine lange Zeit. Wann wussten Sie, dass Ihr Talent zum Bühnen-Dauerbrenner reicht?
RTL Samstag Nacht hat in den 90ern den Durchbruch für diese Form der Komik gebracht, auch für mich.

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Wie hat sich Ihr Humor über die Jahre verändert?
Es gibt heute viel mehr Comedians. Ehrlich gesagt, kann ich über vieles nicht lachen. Vieles ist platt, nicht ausgereift und laut. Einige haben kein Programm, mit dem sie auf einer Bühne bestehen könnten, sondern nur eine gute Nummer. Solche Leute sind ganz schnell wieder weg – auch, weil sie sich nicht entwickeln konnten. Es gibt aber auch Künstler, die ich sehr schätze.
Und wie sieht die Humor-Entwicklung beim Publikum aus?
Ich bin froh, dass es heute mehr darauf ankommt, dass wir aus dem Alltag fliehen können. Das möchte ich den Zuschauern mit auf den Weg geben und versuche, sie zwei Stunden in meine Welt zu entführen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute es gerade in dieser hektischen Zeit genießen, da zu sitzen, zuzuhören und sich zu entspannen.
Welche Tipps würden Sie Ihrem 30 Jahre jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Ich war viel auf Tournee, im Fernsehen weniger zu sehen. Natürlich ist es hilfreich, wenn man über Jahrzehnte Bühnenerfahrungen sammelt, aber wahrscheinlich hätte ich den Weg über das Internet gewählt, wenn es das damals schon gegeben hätte. Ich denke, insbesondere die jüngere Generation möchte gerne 24 Stunden hinter die Kulissen der Prominenten schauen. Wir sind in der Lage, selbst zu bestimmen, was wir den Fans zeigen möchten. Das finde ich eine gute Sache. Am meisten fasziniert mich aber das Feedback der Leute auf Postings und Auftritte.
In Zeiten des Dauer-Burnouts und als Entdecker der Langsamkeit: Was kann Langsamkeit, das Hektik nicht kann?
Ich bleibe mir treu. Ich bin ein Geschichtenerzähler, der seine Pausen zwischen den Sätzen braucht, damit Bilder in den Köpfen entstehen. Es wird mal laut und mal leise. Ich finde es schön, wenn man die gesamte Bandbreite auf der Bühne hat und nicht die ganze Zeit nur Vollalarm macht. Das nervt den Zuschauer irgendwann.
Wie politisch kann und muss Comedy heute sein? Gibt’s Themen, die Sie nicht anrühren würden?
Ich bin kein Kabarettist, der die aktuellen politischen Geschehnisse in seinem Programm aufbereitet. Ich bin Stand-Up-Comedian: Erzähle auf der Bühne meine Geschichten und spiele auch gerne mal ein kleines musikalisches Stück. Ich würde mich nie über Religion lustig machen. Das ist etwas sehr, sehr Persönliches. Außerdem würde ich niemals Gags über Minderheiten machen.

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