Sag" mir, ob hier Hunde sind

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Die Stadtverwaltung lässt im kommenden Frühjahr ermitteln, wie viele Hunde im Stadtgebiet gehalten werden.

Obertshausen - Sämtliche Haushalte im Obertshausener Stadtgebiet bekommen im nächsten Frühjahr Besuch von Mitarbeitern eines von der Stadt beauftragten Unternehmens, die von den Bewohnern nur eines wissen wollen: Werden in dem Haushalt Hunde gehalten? Von Karl-Heinz Otterbein

Mit der Befragung wolle die Stadtverwaltung ermitteln, wie viele Hunde tatsächlich im Stadtgebiet gehalten werden, erläuterte Bürgermeister Bernd Roth in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Denn wie nahezu alle hessischen Kommunen erhebe auch die Stadt Obertshausen eine jährliche Hundesteuer. Um Steuern kassieren zu können, müssten die Vierbeiner aber vom Hundehalter bei der Stadtverwaltung angemeldet werden.

Roth zufolge sind aktuell 925 Hunde bei der Stadt angemeldet, 826 von ihnen sind Ersthunde, 52 sind Zweit- und acht sind dritte und weitere Hunde. Unter den angemeldeten Vierbeinern befinden sich auch 20 so genannte gefährliche Hunde. Für das laufende Jahr rechnet die Stadt mit Einnahmen von rund 90 000 Euro aus der Hundesteuner.

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„Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass nicht alle Hundehalter ihrer Pflicht nachkommen und Tiere anmelden“, erläuterte Andrea Müller, die Leiterin des städtischen Steueramts. „Wir werden daher voraussichtlich im kommenden Frühjahr durch eine externe Firma eine Hundebestandsaufnahme vornehmen lassen.“ Bei der bislang letzten Aktion dieser Art im Jahr 2001 wurden Andrea Müller zufolge 155 nicht angemeldete Hunde ermittelt, bei einem damals angemeldeten Bestand von 850 Tieren immerhin etwa 15 Prozent.

Mit einem ähnlichen Ergebnis rechnet die Stadtverwaltung auch im nächsten Jahr. „Seinen Hund anzumelden ist auch eine Frage der Steuergerechtigkeit“, appelliert der Rathauschef an die Hundehalter. „Es kann nicht sein, dass ein Ehrlicher die jährliche Hundesteuer von derzeit 90 Euro für einen Ersthund oder 102 Euro für einen Zweithund zahlt, ein Unehrlicher sich davor drückt.“ Wenn bei der Befragung im kommenden Frühjahr nicht gemeldete Hunde festgestellt würden, müssten die betroffenen Hundehalter mit einer rückwirkenden Steuerfestsetzung rechnen. „Wir empfehlen daher die Anmeldung eines Hundes nachzuholen, wenn sie noch nicht erfolgt ist“, so Roth. „Anmeldungen können im Steueramt im Rathaus Hausen während der Sprechzeiten vorgenommen werden“.

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Zur Anmeldung sollten der Impfausweis des Hundes und gegebenenfalls Unterlagen mitgebracht werden, die für eine Steuerbefreiung beziehungsweise Steuerermäßigung benötigt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen gewähre die Stadt Obertshausen eine Ermäßigung oder Befreiung von der Hundesteuer, erläuterte Roth. So müssen etwa Personen, die einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen „B“, „BL“, „aG“, „G“ oder „H“ besitzen, keine Hundesteuer zahlen.

Halter, die ihren Hund aus einem Tierheim erwerben, werden nach Vorlage des Vertrags für zwölf Monate von der Hundesteuer befreit und schließlich erhalten Hartz IV-Empfänger nach Vorlage des Bescheids eine Steuermäßigung von 50 Prozent. Für die Hundebestandaufnahme rechnet die Stadtverwaltung mit Kosten von etwa 10 000 Euro, positive Auswirkungen aufs Stadtsäckel ergeben sich dadurch voraussichtlich erst nach einem Jahr.

Die Befrager müssten sich bei der Aktion weitgehend auf die Ehrlichkeit der Befragten verlassen, erläuterte Andrea Müller. „Die Mitarbeiter des von uns beauftragten Unternehmens bekommen zwar einen städtischen Ausweis, der sie für die Aktion legitimiert“, sagte die Steueramts-Leiterin. „Sie dürfen aber die Wohnungen nicht betreten. In Zweifelsfällen schreiben wir Betroffene noch einmal an und bitten um Aufklärung.“

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