Schläger in U-Haft, Vereine brauchen Alternativen

Flüchtlinge: Doppelte Herausforderung für Obertshausen

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Symbolbild

Obertshausen - Doppelte Herausforderung: Am Montag musste Obertshausen gleich zweimal schlucken. Von Eva-Maria Lill 

In der Gemeinschaftsunterkunft an der Georg-Kerschensteiner-Straße wurde ein 18-jähriger Algerier schwer verletzt. Außerdem zogen 20 Flüchtlinge vorübergehend in den Gymnastikraum der Badstraßen-Halle. Die betroffenen Vereine brauchen nun Ersatz. Wie es an beiden Fronten weitergeht. Zaubern können wäre nicht schlecht. Dann gäbe es die Platzprobleme nicht, mit denen Bürgermeister Roger Winter aktuell zu kämpfen hat. Am Montag informierte er Vereine darüber, dass der etwa 100 Quadratmeter große Gymnastikraum der Badstraßen-Halle vorübergehend zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden muss (wir berichteten). 20 Personen, darunter eine 14-köpfige Familie aus Afghanistan, hausen nun zwischen Matten und Sportgeräten.

„Wir versuchen, so schnell wie möglich eine Alternative zu finden“, verspricht Winter, kann aber keinen genauen Zeitplan nennen. Prognosen fallen schwer. „Wir sind mit den Kapazitäten am Ende. Wir brauchen dringend Zeit, um wieder Plätze schaffen zu können.“ Denn: Die geplante Unterkunft vom Kreis direkt an der Halle für 166 Personen sowie eine Gewerbeimmobilie für 126 werden frühstens im Sommer bezugsfertig.

Aber Aufschub gibt es nicht. Schnelles Reagieren gehört zum Tagesgeschäft. „Wir hangeln uns von Woche zu Woche“, sagt der Rathaus-Chef. Neuer Raum koste Geld, die Unterbringung in privaten Immobilien sei nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, Hotels könnten keine dauerhafte Lösung sein. Winter appelliert an das Verständnis der Bürger. Weiß aber auch, dass „seit den Silvester-Übergriffen in Köln vieles schwieriger geworden ist“. Zumal er befürchtet, dass in Kommunalwahlkampf-Zeiten Parteien und einzelne Personen die Unsicherheit der Menschen instrumentalisieren könnten. „Manche denken, dass sie jetzt das Recht hätten, ganz besonders laut zu rufen“, sagt der Bürgermeister.

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Unterdessen ist er händeringend damit beschäftigt, Ersatz für die Vereine zu finden, die nun vorübergehend nicht den Gymnastikraum nutzen können. Das betrifft eine Oberstufenklasse der Kerschensteiner-Schule, eine Gardetanzgruppe der Elf Babbscher – vor allem aber das Volksbildungswerk (Vbw). „Wir haben schon Alternativen ausgemacht“, versichert Winter. Auf eine rasche Lösung hofft auch Vbw-Vorsitzende Heide Heß. „Ausfall ist teuer“, sagt sie. „Ich würde mir wünschen, dass das Vbw einen Ausgleich aus dem Flüchtlings-Topf der Stadt bekommt.“ Auch könne sie sich vorstellen, dass Kurse auf Vereinsräume ausweichen: Vielleicht wäre das sogar ein erster Schritt, die Fehde zu begraben, die seit Jahren zwischen Vbw und Vereinen schwelt.

Neues gibt es auch vom Angriff auf einen 18-jährigen Algerier am Montag in der Gemeinschaftsunterkunft an der Georg-Kerschensteiner-Straße. Das Opfer liegt noch im Krankenhaus, konnte gestern Vormittag aber vernommen werden. Der 31 Jahre alte Landsmann, der zu Gast in den Containern war und aus noch unbekanntem Grund auf den Bewohner losging, wurde gestern dem Haftrichter vorgeführt. Er sitzt nun in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt in Frankfurt und muss sich wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag und der gefährlichen Körperverletzung verantworten.

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Bürgermeister Winter besuchte gestern die Gemeinschaftsunterkunft, sprach mit Beobachtern und Betreuern. Beschreibt die Stimmung dort als „verunsichert, aber gefasst“. Schließlich müsse man sich vor Augen führen, aus welchen Verhältnissen die Menschen stammen. „Die haben schon vieles gesehen“, urteilt Winter. Aktuell prüfe die Stadt die Kosten für einen Sicherheitsdienst, der die Flüchtlinge vor ungewolltem Besuch schützt. „Eine totale Überwachung kommt nicht in Frage. Hier geht es ja auch um Freiheiten“, verdeutlicht Winter. Viele Container-Bewohner wären ungeduldig, weil die Bürokratie in Deutschland so viel Zeit braucht. „Das verstehen sie nicht. Aber ehrlich: Manchmal verstehe ich das auch nicht.“

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