Kassenärztliche Vereinigung rechnet mit Schließung

Notdienstzentrale vor dem Aus

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Voraussichtlich nur noch bis einschließlich 1. Januar 2013 bleibt die Ärztliche Notdienstzentrale in der Schulstraße geöffnet.

Obertshausen - Patienten aus Obertshausen und Heusenstamm, die die ärztliche Notdienstzentrale in Obertshausen aufsuchen wollen, werden das im neuen Jahr wahrscheinlich nicht mehr tun können. Von Karl-Heinz Otterbein

Die Einrichtung, die in der Schulstraße ihr Domizil hat, wird mit ziemlicher Sicherheit am 2. Januar 2013 geschlossen. Dies jedenfalls erklärte Petra Bendrich, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, gestern auf Anfrage.

„Die Einrichtung in Oberts-hausen ist Teil des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes Dietzenbach, Obertshausen und Heusenstamm“, erläuterte die Pressesprecherin. „Deren Mitgliederversammlung entscheidet am 8. November über die Zukunft des Standorts Obertshausen. Und es ist damit zu rechnen, dass der Standort am 2. Januar 2013 geschlossen wird. Patienten, die Beschwerden haben, müssten dann auch an den Wochenenden die Notdienstzentrale in der Babenhäuser Straße 29 in Dietzenbach aufsuchen“. Als Hauptgrund für die wahrscheinliche Schließung nennt Petra Bendrich die mangelnde Nachfrage seitens der Patienten. Die Einrichtung werde nicht mehr oft genug frequentiert, so die Pressesprecherin. Ihr Offenhalten rentiere sich nicht.

Die im März 1983 gegründete ärztliche Notdienstzentrale in Obertshausen ist nach diversen Reduzierungen der Öffnungszeiten in den vergangenen Jahren derzeit nur noch samstags und sonntags jeweils von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Nach dieser Zeit und unter der Woche müssen Patienten aus Oberts-hausen und Heusenstamm schon jetzt die Notdienstzentrale in Dietzenbach aufsuchen. Enttäuscht über die Entwicklung zeigt sich der Obertshausener Arzt Dr. Manfred Moritz, nach eigenen Angaben einer der Initiatoren der Einrichtung.

Schließung längst beschlossene Sache?

„Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass Obertshausen eine ärztliche Notdienstzentrale bekommt und haben es im März 1983 schließlich auch geschafft,“ sagte der 73-jährige Arzt, der bis zum Jahr 2007 in Obertshausen praktizierte und auch heute noch regelmäßig Dienst in der Notdienstzentrale leistet, gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie war bis 2003 in Kellerräumen im Rathaus an der Beethovenstraße in Obertshausen untergebracht, dann erfolgte der Umzug in eine ehemalige Zahnarztpraxis in der Schulstraße 8, was ein großer Fortschritt war. Nun wird sie heimlich, still und leise geschlossen.“

Er gehe davon aus, dass die Schließung des Standorts Obertshausen längst beschlossene Sache sei, so Dr. Moritz. „Über die Schließung wurde ja schon lange gemunkelt und bei der Dienstplansitzung jüngsten im Juni wurde uns mitgeteilt, dass am 1. Januar 2013 der letzte Dienst in der Schulstraße zu leisten ist. Den werde ich übernehmen.“ Er habe den Eindruck, dass die Stadt Obertshausen und die Kassenärztliche Vereinigung froh seien, den Standort Obertshausen schließen zu können, so Dr. Moritz. „Mit der Schließung werden sie einige Kosten los. auf die demografische Entwicklung in Obertshausen und Heusenstamm hat man aber offensichtlich keine Rücksicht genommen.“

Bürgermeister Bernd Roth räumte ein, dass die Stadt Obertshausen die Zuschüsse an die Kassenärztliche Vereinigung nicht länger zahlen könne. Sie ergäben sich aus der Differenz der Miet- und Nebenkosen, die die Stadt für die Räume zahle und dem Betrag, den sie von der KV bekomme. „Wir haben seinerzeit die Räume in der Schulstraße auf unser Kosten umbauen lassen und zahlen seither jährlich einen Zuschuss von mehr als 11.000 Euro“, so der Rathauschef. „Diesen Fehlbetrag wollen wir angesichts unserer Haushaltslage nicht mehr aufbringen. Zumal die Ärzteschaft vor Ort selbst offensichtlich nicht an einer Weiterführung des Standorts interessiert ist.“

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