„Eine Schöne Überraschung“

Bürgermeister Friedrich und DJ Mystique touren durch Obertshausen

DJ Mystique, ein Obertshausener, legt an mehreren Orten in der Stadt, für einen kurzen Stopp Musik auf.
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DJ Mystique, ein Obertshausener, legt an mehreren Orten in der Stadt, für einen kurzen Stopp Musik auf.

Der Generator surrt gleichförmig vor sich hin, die Techniker überprüfen noch einmal die Kabel, der Discjockey beschallt probeweise den leergefegten Bauhof. Die Szene erinnert ein bisschen an die Zeiten, als in den städtischen Hallen noch der Fastnachtswagen fürs Prinzenpaar gestaltet wurde. Jetzt heißt die Mission „DJ To Go“.

Obertshausen – Zum Tross gehören der Materialwagen von „Sounds of Reality“ und zwei Elektro-Autos aus dem Haus Maingau-Energie. Damit chauffieren Jürgen Hofmann und Angelika Link vom Kulturamt DJ Mystique und Bürgermeister Manuel Friedrich, dem Kulturschaffende und Veranstaltungstechniker am Herzen liegen. Beide Gruppen haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie arg gebeutelt, viele Künstler und Betriebe stehen vor dem Aus.

Deshalb versucht der Rathauschef auf die Beine zu stellen, was machbar ist. Zum Beispiel eine mobile Disco, die am Donnerstagabend zehn zentrale Punkte in beiden Stadtteilen ansteuert. Erste Station ist das Altenwohnheim an der Waldstraße. Die vier Boxen auf dem Pritschenwagen schweigen noch, da hält ein Herr mit Hund und ein anderer mit Damenrad vor dem Gebäude, als witterten sie, dass gleich Großes geschieht.

Dank an alle „Corona-Helden“

Gut, das Spektakel hält sich in Grenzen, aber den „alten Obertshäusern“ auf dem Bürgersteig scheint’s zu gefallen. „Mystique“ alias Mustafa Omarzada legt sonst in namhaften Clubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, präsentiert Friedrich den „Obertshausener Bub“. Früher standen sie sich auf dem Fußballrasen gegenüber, er im Kickers-Trikot, der DJ in Teutonia-Rot.

Die Botschaft, die dem Rathauschef unter den Nägeln brennt, ist ein großes Dankeschön an alle „Corona-Helden“, die sich an die Regeln halten. Nach dem letzten Titel greift er zum Mikrofon mit dem Mundschutz in Bauhof-Orange und sendet das Lob seinen Zuhören an Straßenrand und Fensterbank zu. Dann blickt er in die Zukunft und bittet, „durchhalten, auch wenn die Auflagen wieder strenger werden“.

Mustafa hat ernsthaft überlegt, ob er am Altenheim Helene Fischer und Andrea Berg auflegen soll. Das hat er sich dann aber nicht getraut, und die Hip-Hop- und House-Rhythmen lassen durchaus auch die Rentner-Riege auf den Findlingen im Freizeitpark mitwippen und applaudieren. „Das belebt die Stadt“, lobt ein Zuschauer, „nur die Getränke fehlen“. „Es wurde zu spät publiziert“, bedauert ein anderer, „sonst wäre noch mehr Publikum gekommen“.

Ermutigender Start für das Projekt

„Das war Absicht“, erläutert Manuel Friedrich, „sonst hätten sich vielleicht zu viele Menschen versammelt und das Abstandsgebot nicht eingehalten“. Nach dem ermutigenden Start des Projekts könne er sich aber vorstellen, sich beim nächsten Mal auf wenige und belebte Plätze zu konzentrieren. „Super“, schwärmt Nicole, „ein schöner Bass und eine Auflockerung“.

Serena wohnt in einem der städtischen Blocks an der Böhmerwaldstraße und motiviert ihre Kinder, zu den Takten zu tanzen. „Er ist ein Bürgermeister zum Anfassen, der ist echt für uns da“, jubelt die Mama. „Das ist die schönste Überraschung, die mir ein Bürgermeister gemacht hat.“ Für ihre Freundin Magdalena ist die zehnminütige Beschallung zumindest „ein bisschen Abwechslung, damit wir nicht nur auf dem Spielplatz sitzen müssen“.

Über den Sonnentau- geht’s auf den Meininger und den Egerländer Platz, davor an die Waldkirche. Mehr Publikum auf Balkonen und vom großen Spielplatz hat „Mystique“ vorm Rathaus an der Schubertstraße. Und nach einem Stopp am Kapellenhof auch am Wohnverbund der Behindertenhilfe, wo dem DJ frenetischer Beifall entgegenschlägt. Ende August will Friedrich zu Konzerten weiterer heimischer Künstler in die Parks einladen. (Michael Prochnow)

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