Vom Schreiner zum Schlagerstar

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Bürgermeister Bernd Roth (links) überreichte die Verdienstmedaille der Stadt in Gold mit dazu gehöriger Urkunde während eines Kirchenchor-Konzertes an Hans Otto Vetter.

Obertshausen ‐ Er ist populär wie der legendäre „bunte Hund“, und das weit über die Mauern seiner Hausener Heimat hinaus. Er begann mit einer Schreinerlehre, führte den Spiel- und Schreibwarenladen seiner Eltern und machte sich mit seiner tiefen Bassstimme einen Namen. Von Michael Prochnow

Bei zahllosen Auftritten begeisterte er seine Zuhörer mit volkstümlichen, Schlager- und Operettenmelodien. Nun verlieh die Stadt ihm ihre Verdienstmedaille in Gold, ehrte ihren berühmten Sohn Hans Otto Vetter. Zudem ist Vetter Träger des Landesehrenbriefs sowie der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Sängerbunds. Die Familie des waschechten Hauseners lebt schon seit vielen Generationen am Ort, der Urgroßvater war Polizist, der Großvater streifte als Ortsdiener mit Schelle durchs Dorf und als Fleischbeschauer durch die Ställe, engagierte sich obendrein als Küster in St. Josef. Der Vater übernahm die letzten beiden Aufgaben, eröffnete 1948 mit 70 Schulheften einen Schreibwarenladen in der Herrnstraße. Dazu war er auch noch in Heimarbeit als Babbscher tätig.

Hans Otto erlernte in dem damaligen Mühlheimer Möbelhaus Neun den Beruf des Schreiners. Bis 1964 arbeitete er dann in der Schreinerei Wolf in Hausen, übernahm aber alsbald die Filiale des elterlichen Schreibwarengeschäfts in der heutigen Dreieichstraße. Zehn Jahre später liefen beide Läden auf seinen Namen. Im Jahre ‘89 schloss er die Filiale, gab die unter großen und kleinen Jungs beliebte Modelleisenbahn-Abteilung auf und richtete einie Lotto-Annahmestelle ein.

Fast 60 Jahre gehört er dem Verein an

Der Schulrektor Josef Seufert erkannte Vetters frühen Stimmbruch. Als Klassenlehrer leitete der Pädagoge auch die Singstunde im Schwesternhaus, ließ das Talent eine Oktave tiefer teilnehmen. Bei Seufert lernte Hans Otto zudem das Akkordeonspiel - später begleitete er sich und seine jüngere Schwester Mechthild bei Tanz- und Vereinsfesten.

1954 stieß er zum Doppelquartett „Die Nussknacker“, das die Hausener Pappert-Brüder ins Leben riefen. „Robert und Walter arrangierten Radio-, Fernseh- und Schallplattenaufnahmen mit Schlagern und Volksliedern, traten bundesweit mit fast allen namhaften Solisten ihrer Zeit auf“, erzählt der Geehrte. „Bei Tele Saar trafen sie auch auf Heinz Schenk“.

Vetter tingelte auch weiterhin mit seiner Schwester. Bei der Familienfeier der Feuerwehr 1957 stellte der damalige Kreisbrandinspektor Georg Leichter den Kontakt zum Neu-Isenburger Kammersänger Franz Völker her, der den Unterhalter unter seine Fittiche nahm. Zwei Jahre später sang Vetter das erste Solo im ersten Konzert der Sängerlust Hausen nach dem Krieg.

Fast 60 Jahre gehört er dem Verein an, ebenso dem Katholischen Kirchenchor Hausen, den damals auch Robert Pappert leitete, und der Hausener Feuerwehr. Er war Karnevalsprinz mit seiner Verlobten und heutigen Frau Marita. Bei der katholischen Arbeitsgemeinschaft hat er das Amt des Vaters als Präsident der Fastnachtsitzungen übernommen, bis heute organisiert der Kirchenchor die närrischen Sitzungen.

Rat von Franz Völker beherzigt

Diplom-Kapellmeister Winfried Siegler begleitete Hans Otto bei vielen Fastnachtsveranstaltungen in Seligenstadt, gewann ihn in den 70er Jahren für die Frankfurter „Laternche“-Sitzungen. Mit Siegler traf er das Karlsbader Sinfonieorchester, es begleitete ihn zu Operetten. „Als Buffo liegen mir die heiteren Rollen“, erinnert er an das „Joi Mamam“ aus der Csardas-Fürstin und „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“.

Fortan trat er in den Sälen in Palmengarten und Zoo auf, am Gardasee und bei den Musikttagen in St. Pölten, in St. Wolfgang und Saalfelden, wo er einen zweiten Wohnsitz hat. Stets stand er mit bekannten Chören, Solisten und Orchestern auf der Bühne. Zu Gast war er auch im „Blauen Bock“, in der Serie „Familie Hesselbach“, in Shows mit Peter Frankenfeld sowie in Hessen-Sendungen des hr. Daneben rückte Vetter 1976 als Gemeindevertreter für die CDU nach, blieb bis 1989 Stadtverordneter.

Hans Otto Vetter beherzigte einen Rat von Franz Völker: „Mir ist lieber, die Leute fragen, warum singt der nicht mehr, als, der singt ja immer noch!“ Ganz aufgegeben hat er's allerdings nicht, für Familienfeste ist er noch zu haben.

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