Schwarzbier und Lust auf Zukunft

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus zu Gast bei der CDU Obertshausen

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Es ist angezapft: Mit dem ersten Krug Schwarzbier des Abends stoßen Gastgeber und Besucher an.

Zum Glück ist am Freitagabend nicht so viel durch die Kehlen geflossen, wie gespendet wurde: Wer etwas auf sich hält, stiftet den Betrag für ein Fass und lässt seinen Namen feiern, so funktioniert das beim Schwarzbieranstich der CDU Obertshausen. Von Michael Prochnow 

Obertshausen - Längst ist der Termin auch für Anhänger anderer Parteien salonfähig, was den Umzug in den großen Saal des Bürgerhauses wohl dauerhaft macht. Dort sprach diesmal Ralph Brinkhaus, Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag.

Björn Simon, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, begrüßte eine lange Liste von Parteifreunden aus der Region, dankte dem TGS-Blasorchester mit Peter Ripkens, der Frauen-Union für die Dekoration der Tische und dem Hausener Jakob Rudolph für seine Treue: Vor 65 Jahren trat er als Mitbegründer der Ortsgruppe den Christdemokraten bei.

Auch Fraktionsvorsitzender Anthony Giordano blieb lokal, gab einen politischen Lagebericht und lobte die „gut funktionierende Koalition, die vertrauensvoll und effizient“ arbeite. Aber „es fehlt uns ein entscheidender Faktor – der Chefsessel in der Verwaltung“. Dass der Bürgermeister als Kämmerer die Weichen stelle, „reicht nicht aus, um reale Ergebnisse zu erzielen“. Man müsse die Verwaltung steuern können.

Optimistisch in die Zukunft: Die Geschichte der CDU fange jetzt erst richtig an, ist sich Ralph Brinkhaus sicher.

Die Pläne fürs Gewerbegebiet an der A3 und die Fröbelschule sowie die Wirtschaftsförderung stehen still oder liefen so zäh, dass die Ergebnisse unbefriedigend seien. „Die Amtszeit von Roger Winter kann nicht zufriedenstellend sein“, resümierte Giordano. Seine Partei möchte den Erhalt des Alten Friedhofs und Fördermittel für die Untertunnelung der B448, „damit Hausen und Obertshausen auch räumlich zusammenwachsen“, und das sei nur mit einem CDU-Bürgermeister möglich. Am 14. Juni werde der Kandidat nominiert.

Ralph Brinkhaus sah’s gelassen, dass er „nicht zwei, eher 20 Schläge“ für den Fassanstich benötigte. Aber es sei sein erster Versuch gewesen, warb er um Verständnis. Der neue Abgeordnete Simon dagegen „macht sich riesig gut“, lobte er den Gastgeber, der „extrem wichtige Ausschüsse“ gewählt habe. Verkehr und Umwelt seien „sehr entscheidend für die Zukunft“.

Mit seiner bundesweit diskutierten Aussage, sich auch einen muslimischen Kanzler vorstellen zu können, habe er „versehentlich Ismail Tipi zum Kandidaten“ erhoben. „Es war nie so wichtig wie heute, dass demokratische Parteien gut miteinander umgehen“, widersprach er die These, die Zeit der Volksparteien sei vorbei. Und wer hätte sich 1945 vorstellen können, dass ein geächtetes Deutschland mit viel Schuld 70 Jahre später eines der „beliebtesten Länder“ sein würde.

„Ich habe mich für nichts zu schämen“, stellte der Gast klar. „Die Geschichte der CDU fängt jetzt erst richtig an, es gibt so viele Dinge zu tun, und wir machen das gerne“, betonte Brinkhaus. Er plädierte für die Eigentumsbildung, verteidigte das neue Bau-Kindergeld und eine gute Ausstattung der Schulen. In Sachen Pflege sei er froh, dass Jens Spahn Gesundheitsminister ist: „Er bringt jeden Morgen Ideen, manchmal sind die nicht so gut, dann müssen wir ihn wieder einfangen, aber der tut was.“

Von Tansania bis Mauritius: Koalitionen in der Region

Bei Sterbehilfe und Abtreibung habe die CDU mit der SPD gerungen, „das hat damit zu tun, wie wir mit Menschen umgehen“. Er wolle nicht, dass „Kinder zusammendesignt werden – wollen wir Schöpfer spielen?“.

Der Brexit, betonte Ralph Brinkhaus, wurde von Populisten geschürt und solle die Vergangenheit zurückbringen. „Wollen wir das? Geht das?“ In seinem Umfeld habe er die Erkenntnis erlangt, „man kann sich nicht schützen vor der Zukunft, aber starkmachen“. Er appellierte, sich in Europa zusammenzuraufen: „Menschen, die miteinander reden, schießen nicht aufeinander.“ Der Frieden sei „eine ganz große Leistung dieser EU, wir dürfen sie nicht in Hände geben von Leuten, die das zugunsten von Nationalstaaten wieder kaputtmachen wollen“.

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