Hausener Erich Deckenbach 

Ehrenamt statt Ruhestand

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Bereits vor seinem Abschied in den Ruhestand war sich Erich Deckenbach sicher: Einen Teil seiner Zeit will er dem Ehrenamt widmen und seine Erfahrung weitergeben.

Obertshausen - Vor vier Jahren hat sich Erich Deckenbach in den Ruhestand verabschiedet. Seitdem engagiert er sich für den Einzelhandelsverband und beim Malteser Hilfsdienst. Von Thomas Holzamer

Gemächlich surrt der Kaffeeautomat im Hintergrund. „Mit Milch und Zucker?, fragt Erich Deckenbach. Erst mal eine Tasse Kaffee, das kommt auch dem Redakteur zugute, schließlich ist es noch vor zehn Uhr an diesem Tag. Und auch Erich Deckenbach ist entspannt, heute ist er mal nicht auf Achse für seine beiden jüngsten Kinder – die Ehrenämter. In denen engagiert er sich abwechselnd für die Malteser und den Einzelhandelsverband.

Denn bei aller Unaufgeregtheit, so ganz ohne Herausforderungen wäre dem Hausener der Ruhestand wohl auch zu langweilig. Und die Herausforderung findet der 69-Jährige vor allem bei seiner Arbeit für den Malteser Hilfsdienst. Dort berät Erich Deckenbach Menschen rund um die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvereinbarung. Eine Aufgabe, die nicht immer leicht ist – wer beschäftigt sich schon gerne mit dem Gedanken an eine schwere Krankheit oder gar den Tod. Und so gleicht kaum ein Gespräch, das Erich Deckenbach führt, dem anderen. Dabei kommt dem Ruheständler seine ruhige und einfühlsame Art zugute. Längst hat es sich herumgesprochen, wie sehr sich der ehrenamtliche Experte um die ratsuchenden Menschen kümmert.

Meist handelt es sich um Einzelgespräche, manchmal kommen auch Paare gemeinsam. In der Regel sind es jedoch meist die Frauen, die sich zuerst mit dem Thema beschäftigen. „Ihren Mann schleppen sie dann mehr oder weniger freiwillig mit“, erzählt er und schmunzelt. Manchmal seien es aber auch die Kinder, die ihre Eltern auf das Thema stoßen.

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In der Regel finden die Beratungsgespräche in den Räumen der Malteser statt, aber der ehrenamtliche Berater kommt auf Wunsch auch zu den Interessenten nach Hause. Das ist zwar mehr Aufwand, aber dafür oft persönlicher und effektiver, weiß Deckenbach. „Gespräche über Krankheit und Tod erfordern eine mehr als sensible Atmosphäre, da fällt es vielen in ihrer vertrauten Umgebung leichter, sich zu öffnen“, erläutert er.

Freude macht Erich Deckenbach vor allem zu sehen, wie die Ratsuchenden, die zunächst verunsichert zu ihm kommen, im Verlauf des Beratungsgesprächs immer entspannter werden. Auch für die behandelnden Ärzte in den Krankenhäusern stellt die ehrenamtliche Beratung eine Erleichterung dar.

Seit Januar bietet der Malteser Hilfsdienst seine Beratung daher auch vor Ort und in Kooperation mit dem Ketteler Krankenhaus in Offenbach an. Von der großen Nachfrage bei den Terminen war Erich Deckenbach überrascht. „Wir hatten alle 14 Tage vier Stunden geplant, aber daraus wurden schnell Dienstag und Freitag“, berichtet er. Rund 100 Gespräche hat der Ehrenamtler bereits im ersten Halbjahr geführt. „Oft haben die Leute bereits eine Patientenverfügung verfasst, sind sich aber nicht sicher, ob diese auch gültig ist“, erläutert der Experte, der sein Wissen in einem Vorbereitungskurs beim Würzburger Juliusspital erworben hat und sich regelmäßig mit den neuesten Entwicklungen in diesem Bereich beschäftigt. Die Malteser bieten darüber hinaus Vordrucke an, die von den Betroffenen lediglich handschriftlich ausgefüllt werden müssen, um juristisch voll gültig zu sein.

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Bereits vor dem Eintritt in den Ruhestand war Erich Deckenbach klar, er will sich ehrenamtlich engagieren. „Das wollte ich zum einen in einer christlichen Organisation tun, und zum anderen auch mein vergangenes Berufsleben im Verband widerspiegeln“, sagt er. So verbringt er neben der Arbeit für die Malteser kaum weniger Zeit mit seinem Engagement für den Einzelhandelsverband, für den er als Ansprechpartner für die Mitglieder in Stadt und Kreis Offenbach zuständig ist und den er bei Unternehmerfrühstücken und anderen Netzwertreffen ebenso vertritt, wie beim Kontakt mit den Wirtschaftsförderungen der Kommunen. Vor allem sein berufliches Wissen aus der Praxis des Einzelhandels kommt den Mitgliedern zugute. Dabei schreckt der Experte auch vor unbequemen Themen wie Ladenöffnungszeiten, der Konkurrenz aus dem Internet und verkaufsoffenen Sonntagen nicht zurück.

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