Der unabhängige Kandidat Manuel Friedrich wird neuer Rathauschef

Sensation im ersten Wahlgang

Konzentrierte Gesichter bei den Wahlhelfern (links), eher betretene Mienen bei den Christdemokraten, die sich für ihren Kandidaten deutlich mehr ausgerechnet hatten.

Obertshausen – „Wow, das hätte ich nicht gedacht“, entfährt es einem Besucher. VON THOMAS HOLZAMER

Und auch durch den großen Sitzungssaal des Rathauses an der Schubertstraße geht ein deutliches Raunen, als bereits kurz nach 18 Uhr die Ergebnisse des ersten von insgesamt 15 Wahlbezirken auf der großen Leinwand eingeblendet werden. Mit rund 55 Prozent hat in dieser Sekunde Manuel Friedrich deutlich die Nase vorn beim Rennen um den Bürgermeisterstuhl. Noch etwas über eine Stunde dauert es dann, bis um 19. 12 Uhr das vorläufige Endergebnis vorliegt und der Applaus aufbrandet. Mit 51,2 Prozent gelingt dem 33-jährigen SPD-Fraktionschef, der als unabhängiger Kandidat ins Rennen gegangen war, bereits im ersten Wahlgang die Sensation.

Seinen Konkurrenten Manfred Schmutzer (CDU) verweist er mit 37,4 Prozent auf Platz zwei, Rudolf Schulz, der für die Bürger für Obertshausen angetreten war, landet mit 10,7 Prozent deutlich dahinter. „Das ist wirklich eine Sensation“, freut sich Obertshausens künftiger Rathauschef. Zwar habe er am Vortag nach vielen Gesprächen bereits ein sehr gutes Gefühl gehabt. Dass es dann doch bei einem Wahlgang bleiben würde, hätte er jedoch nicht erwartet. „Das A und O waren neben den Bürgerdialogen und anderen Veranstaltungen die vielen Hausbesuche“, ist sich Friedrich sicher. Das gute Gefühl, bei den Bürgern mit seinen Themen anzukommen, habe ihm dabei unter anderem ein älteres Paar vermittelt. „Die beiden haben mir erzählt, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben etwas anderes gewählt haben, als die CDU“, berichtet der 33-Jährige. „Der Mann hat noch gescherzt und gefragt, ob deswegen ihre Wahlzettel ungültig werden würden.“

Überraschung über das deutliche Ergebnis herrscht gestern auch bei den ersten Gratulanten. „Dass das im ersten Wahlgang so deutlich ist, hätte wohl keiner gedacht“, sagt Landrat Oliver Quilling (CDU), der dem Obertshausener als einer der ersten gratuliert. Bei drei Bewerbern, die noch dazu zum ersten Mal antreten, sei ein solches Ergebnis alles andere als selbstverständlich.

„Der geschundenen SPD-Seele tut’s auch gut“, sagt SPD-Kreisbeigeordneter Carsten Müller. „Es waren einfach eine gute Konstellation und ein toller Kandidat“, ist Müller überzeugt.

Gratulation und eine Umarmung gibt es für Friedrich auch vom aktuellen Rathauschef Roger Winter. „Ich sage herzlichen Glückwunsch, Manuel Friedrich, und Gratulation zu einem sehr engagierten Wahlkampf“, lobt der am 23. Juni scheidende Bürgermeister seinen Nachfolger. Er freue sich bereits auf die Einarbeitung und werde sein Bestes tun, um Friedrich gut vorzubereiten.

Die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung, bedauert Erster Stadtrat Michael Möser (CDU). Diese liegt mit 43,2 Prozent zwar ein knappes Zehntel über der bei der vergangenen Wahl 2014, jedoch deutlich niedriger als erhofft. „Ich bin natürlich überrascht vom Ausgang, gehe aber davon aus, dass wir weiterhin ein gutes Verhältnis zueinander pflegen werden“, so Mösers erste Reaktion. „Sehr, sehr stolz“ auf ihren Mann ist Friedrichs Frau Verena. „Er hat dafür so viel Freizeit geopfert in den vergangenen Monaten.“ Verena Friedrich dankt auch den zahlreichen Unterstützern. Dass sie künftig wohl noch häufiger auf ihren Gatten verzichten muss, macht ihr derweil nichts aus. „Ich kenne ihn ja gar nicht anders, er war schon immer sehr stark engagiert.“

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