Sitzballer vielfache Meister

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 Die Sitzballer betreiben Leistungssport und dürfen sich regelmäßig über Erfolge freuen.

Obertshausen - Behinderten-Sportgemeinschaft feiert heute Abend 50-jähriges Bestehen. Seit der Gründung als Versehrten-Sportler hat sich nicht nur der Name geändert. So gibt es inzwischen auch Angebote zur Erhaltung der Gesundheit. Von Michael Prochnow

Es waren vor allem Verletzungen aus dem Krieg. Viele hatten einen Arm, ein Bein oder beide verloren. Aber sie waren nicht allein: Kurz vor Weihnachten 1964, am 16. Dezember, gründeten 16 Männer im neuen Bürgerhaus die Versehrten-Sportgemeinschaft Hausen. Heute feiert dort die BSG ihren 50. Geburtstag – und sie hat mehr als einen Buchstaben an ihrem Verein geändert.

230 Mitglieder gehören ihm zum Jubiläumsfest an, fast wöchentlich kommen neue hinzu, berichtet Edith Hofmann. Die Vorsitzende der Behinderten-Sportgemeinschaft erklärt warum: Von den Kriegsbeschädigten leben nur noch sehr wenige, die Gruppe habe sich darum allen Menschen mit Behinderungen geöffnet. „Es wird immer wieder Menschen geben, die ihre Gesundheit durch Unfall oder Krankheit einbüßen werden“, erklärt die Sprecherin die Ausrichtung der BSG.

Schon die Initiatoren hatten den „persönlichen, sozialen und gemeinschaftlichen Wert des Behindertensports erkannt“, als sie den Grundstein für einen der leistungsfähigsten Clubs im Land legten. Zum ersten Vorsitzenden hatten sie Hans Aurich gewählt, die Ämter dessen Stellvertreters, des Kassierers und des Schriftführers vereinte Fritz Lampert auf sich. Als erste Übungsleiter standen die Gründungsmitglieder Theo Schlitt und der junge Norbert Janetzki bereit.

Wichtige Rolle längst erkannt

Bald wurden Aktive mit den unterschiedlichsten körperlichen Handicaps aus dem ganzen Kreis Offenbach zum Training nach Hausen gefahren. Zehn Männer und eine Frau leiteten die Schwimmrunden, Kegler und Ballsportler, begleitet von sechs Ärzten. Die wichtige Rolle des Versehrtensports als Mittel der Therapie und Eingliederung in die Gesellschaft war längst anerkannt.

Seit 1973 betreiben die Sitzballer Leistungssport. MIt drei Ausbnahmen holten sie seither stets den Hessenmeistertitel! Mit Michal Winkler und Karl-Heinz Reeg verstärken zwei Nationalspieler das Team, die mehrmals Europameister in ihrer Disziplin wurden. Eine Kegelmannschaft nimmt seit 1980 regelmäßig an Wettkämpfen teil und holte ebenfalls viele erste Plätze. Sitzballer wie Kegler suchen dringend Nachwuchs.

Ganz hat die Jubilarin nicht auf das „V“ im Namen verzichtet, sie nennt sich heute auch „Verein für Sport und Gesundheit“. Breiten Raum widmet die Gemeinschaft jetzt nämlich gesundheitserhaltenden Angeboten für Personen mit und ohne Beeinträchtigungen, was zu einem enormen Aufschwung in der Schwimmabteilung führte. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat der Ehrenvorsitzende der BSG Hausen, Helmut Schmitt.

Herzsportabteilung: Ein bedeutender Baustein

Er engagierte sich nach seinem Umzug nach Hausen ein Jahr als Zweiter Vorsitzender, um sich 1968 an die Spitze wählen zu lassen. Diesen Posten bekleidete er zunächst bis 1971, dann erneut von ‘78 bis 2006. Dazwischen war er Kassierer, dieses Amt sowie die Aufgaben der Schriftführerin übernahm dann seine Frau Barbara – ebenfalls bis 2006. Sitzballer Schmitt forcierte den Aufbau einer ersten und einer zweiten Leistungssportriege in seiner Disziplin.

Schmitt ist es auch zu verdanken, das 1990 eine Herzsportabteilung dazu kam – längst ein bedeutender Baustein im Behinderten- und Reha-Sport. Mehr als 100 Patienten, die eine koronare Erkrankung erlitten haben, kommen auf ärztliche Verordnung in einen der zertifizierten Kurse. Einen Einblick in die Angebote gibt’s bei der Feier heute ab 19 Uhr im Bürgerhaus. Infos: www.bsg-hausen.de, 06104/71668.

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