Eine Familie – zwei Läden

Bratfisch-Gärtnerei: Sommerzeit ist Pflegezeit

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Geschäftsführer Steffen Bratfisch setzt selbst die Schere an, um die Erica-Setzlinge für das kommende Jahr in Form zu schneiden. Zwischen 340.000 und 350.000 Pflanzen stehen auf den Feldern. Sogar bis nach Skandinavien liefert der Familienbetrieb die in Pyramidenform gezogenen Sommerheidepflänzchen.

Obertshausen -  Seit den 1950er-Jahren ist der Name „Bratfisch“ nicht aus Obertshausen wegzudenken. Mit der Gärtnerei in der Hochbeune und dem Blumenladen im Rembrücker Weg macht die Familie bereits in der dritten Generation die Stadt farbenfroher. Von Yvonne Fitzenberger 

Was namentlich zusammen gehört, sind aber zwei unabhängige Unternehmen. Im ersten Teil blicken wir auf die Gärtnerei, die ganz in Männerhand ist.

Es riecht nach frischem Regen, der auf warme Erde gefallen ist. Vor dem Gewächshaus in der Hochbeune blüht es in bunten Farben. Ein Paradies für Insekten und Vögel, die von den Bäumen herunterzwitschern. Das drei Hektar große Gartenidyll gehört der Familie Bratfisch. Genauer gesagt, Sohn Steffen.

Während der Blumenladen voll in weiblicher Hand – und Besitz – ist, haben in der Gärtnerei die Männer der Familie das Sagen. „Das ist aber keine Absicht, sondern hat sich so ergeben“, erläutert Rudolf Bratfisch.

Den Anfang nahm die Geschichte in der Karl-Mayer-Straße. Dort, wo heute ein Mehrfamilienhaus mit Arztpraxis steht, zogen die Eltern von Rudolf Bratfisch die ersten Pflanzen, die sie verkauften, in einem kleinen Gewächshaus. Der Sohn beschloss, mit 15 eine Lehre zum Gärtner zu machen, um in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Seine Ausbildung absolvierte er aber nicht in dem Familienbetrieb. „Gegenüber vom heutigen Isenburg-Zentrum habe ich zwei Jahre lang gelernt“, berichtet der 66-Jährige.

Die Spezialität der Gärtnerei waren Erika-Pflanzen. Nachdem Rudolf Bratfisch ausgelernt hatte und in den Betrieb der Eltern wechselte, schloss der Lehrbetrieb. Das brachte die Familie auf die Idee, die Lücke, die die Neu-Isenburger hinterlassen haben, aufzufüllen. Schnell war das Treibhaus in der Karl-Mayer-Straße zu klein. Ein neuer Platz musste her. Es zog den Familienbetrieb in die Schlesierstraße. Heute verkauft Ehefrau Anni Bratfisch im Rembrücker Weg Blumen, während sich der 66-Jährige mit seinem Sohn und einem weiteren Mitarbeiter in der Hochbeune um die Aufzucht der Erika und Calluna kümmert.

340 000 bis 350 000 Heidekrautgewächse verteilen sich auf den Feldern. In dem Treibhaus selbst wachsen schon die nächsten Setzlinge für das kommende Jahr. „Zurzeit sind wir vor allem mit der Pflege beschäftigt“, erläutert Steffen Bratfisch.

Auch der 37-Jährige hat seinen Beruf gelernt: Zierpflanzengärtner. Keine einfache Ausbildung, denn es gehören neben Botanik auch Fächer wie Mathematik und Wirtschaftskunde dazu. „Das ist nicht jedermanns Ding“, weiß Steffen Bratfisch.

Aber es hat sich einiges an der Arbeit geändert. „Es ist leichter geworden“, sagt der Vater, der die Leitung der Gärtnerei inzwischen an seinen Sohn abgegeben hat. Viele Vorgänge laufen maschinell: Das Einpflanzen und Umtopfen und auch die Bewässerung funktionieren automatisiert.

Während des Sommers fließt die Arbeitskraft in die Pflege. „Wir haben uns auf Pyramiden-Calluna und -erica spezialisiert“, sagt Steffen Bratfisch. Damit die Pflanzen – ursprünglich wurden diese eher auf Friedhöfen gepflanzt, nun findet man sie auch oft an Hauseingängen – die spitze Form erhalten, müssen die drei Männer diese entsprechend schneiden. „Das ist Friemel-Arbeit“, scherzt der 37-Jährige und greift nach der Schere. In Kleinstarbeit schneidet er den Setzlingen Zweige ab, damit sie wie eine Pyramide in ihren Töpfen sitzen.

Währenddessen werden die größeren Erikas auf den Feldern gewässert. Rund 140 000 Liter Wasser benötigen die Gärtner bei warmem trockenem Wetter. Das freut aber nicht nur die Pflanzen: Auf dem Gelände summt und brummt es an jeder Ecke. „Dass die Artenvielfalt weniger wird, davon merken wir hier gar nichts“, sagt Rudolf Bratfisch, „hier sieht man morgens auch Feldhasen und Wildschweine.“

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