Sonnentauschule

Besondere Methode des Schreibenlernens

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An der Sonnentauschule entwickeln junge Abc-Schützen von Anfang an die eigene Handschrift.

Obertshausen - Beim Schreibenlernen setzt die Sonnentauschule als erste in Obertshausen auf die noch junge Grundschrift-Methode. Die bietet für Abc-Schützen mehrere Vorteile. Von Thomas Holzamer

Einfacher, schneller und leserlicher – seit dem Schuljahr 2011/12 setzt die Sonnentauschule beim Schreibenlernen auf die „Grundschrift“. Die aus einem Projekt des Grundschulverbandes hervorgegangene und von diesem empfohlene Lernmethode richtet sich nach dem Grundsatz „Eigene Handschrift von Anfang an“. Damit hat die Grundschule bislang gute Erfahrungen gemacht, wie Schulleiter Mischa Sendelbach bestätigen kann. „Wir haben dadurch kaum noch Kinder, deren Handschrift nicht lesbar ist“, fasst er zusammen. Zudem könnten die Grundschüler so flüssiger schreiben.
Bisher lernten die Kinder im ersten Schuljahr zunächst die Druckschrift und erst im zweiten schließlich die Schreibschrift – in der Regel die sogenannte Vereinfachte Ausgangsschrift. Doch zwei unterschiedliche Schriften in kürzester Zeit zu lernen, habe sich jedoch in vielen Fällen als schädlich für die Schreibentwicklung erwiesen. „Wir haben von den weiterführenden Schulen sehr oft die Meldung bekommen, dass die Schriften der Kinder immer schwieriger zu lesen seien“, erinnert sich der Schulleiter. Zudem habe sich gezeigt, dass die Schüler meist bereits in den vierten Klassen – spätestens aber mit dem Wechsel auf die weiterführenden Schulen – eine eigene Handschrift entwickelten. „Die eigene Handschrift finden viele dann hässlich oder uncool und entwickeln daraus ihre eigene Schrift“, erläutert er. Viele orientierten sich dann wieder an der Druckschrift, weil diese als schöner und leserlicher empfunden werde.

Das habe sich seit der Einführung der Grundschrift geändert. Bei der neuen Methode lernen die Abc-Schützen zunächst die Buchstaben angelehnt an die Schrift, die sie in ihrem Alltag am häufigsten antreffen – der Druckschrift. Dort wo es Sinn macht, werden die kleinen Buchstaben, wie etwa das „a“ mit einem kleinen „Wendebogen“ geschrieben, sodass sie sich beim Schreiben flüssig verbinden lassen.

Dieses werde dann ab der zweiten Klasse gelernt, erläutert er. Dabei haben Sendelbach und seine Kollegen in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass die Schüler so schneller lernen und bereits früher mit dem weiterführenden Schreiben beginnen können. Begünstigt werde das durch den flexiblen Schulanfang, bei dem die Erst- und Zweitklässler eines Jahrgangs nach ihrem jeweiligen Leistungs- und Entwicklungsstand in Flexklassen gemeinsam unterrichtet werden. So entwickeln die Schüler von Anfang ihre eigene Handschrift, verinnerlichen diese besser und müssen sich später nicht umstellen.

Die Vorteile des Lernens mit Grundschrift liegen für Schulleiter Mischa Sendelbach und seine Kollegen sieben Jahre nach deren Einführung auf der Hand. So schreiben die Grundschüler nicht nur flüssiger, die Handschriften seien zudem viel besser geworden. Das haben Schulleitung und Kollegium anhand von Schreibproben der Grundschüler und den persönlichen Erfahrungen aus dem täglichen Unterricht evaluiert. „Und die Kinder sind total stolz auf ihre eigene Schrift“, berichtet er. Bei den Lehrbuchverlagen sei die Grundschrift-Methode bereits verbreitet. Fast alle bieten die passenden Lehrmaterialien.

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Und auch die Zahl der Schulen, die auf die Methode setzen, wachse, wenn auch etwas langsamer. Diese dürfen selbst entscheiden, welche Schrift sie ihren Schülern beibringen. „Die bisherigen Methoden sind über Jahrzehnte entstanden, da dauert es eine Weile, bis sich etwas Neues verbreitet“, sagt Sendelbach. Viele Schulen trauten sich zudem nicht so recht an das Thema dran, weil sie Widerstand vonseiten der Eltern befürchteten. Diese sind meist noch aus ihrer Schulzeit gewohnt, dass besonders auf die Schönheit der Handschrift besonderen Wert gelegt wurde.

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