„Zirkus“ gastiert als Ferienspiel für Kinder aus Obertshausen und Heusenstamm

Spektakuläre Artisten-Kunst

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Menschliche Pyramiden bauten die Nachwuchs-Artisten auf der Bühne der Mehrzweckhalle in Obertshausen zum Abschlussfest. - Foto:

Obertshausen - Seit zehn Jahren können Kinder aus Obertshausen und Heusenstamm einen Teil ihrer Osterferien „im Zirkus“ verbringen. Sie lernen Kunststücke und führen diese bei einem großen Abschlussfest vor. So auch in diesem Jahr. Von Michael Prochnow

Sie tragen eine viel zu lange Krawatte, Ohrschützer aus Fell, Trainingsanzüge, Kimonos und geringelte Strümpfe. Allen gemein ist die dicke rote Nase: Clowns führen das Publikum in der Mehrzweckhalle der Joseph-von-Eichendorff-Schule durch das Programm. Die Clowns bilden eine Gruppe in der Manege, die sich eine Woche lang auf ihren großen Auftritt vorbereitet haben. Früher hieß das Ferienspiele, heute Zirkus Jubeltrubel. Die Idee feierte am Samstag Jubiläum: Vor zehn Jahren schlugen die Roll Toys aus Wiesbaden, Hagen Büchner und Daniel de Groot, erstmals ihre Zelte auf. Seitdem beweisen Kinder und Betreuer aus Heusenstamm und Obertshausen, dass eine Zusammenarbeit über Stadtgrenzen hinweg möglich ist. „Zirkus hab’ ich auch manchmal“, sagt Roger Winter mit einem Grinsen, „aber hier klappt’s!“. Der gastgebende Bürgermeister lobt die „tolle Arbeit der Kinder- und Jugendförderung“. Sein Kollege Halil Öztas kennt die Nachbarstadt, war vier Jahre selbst Obertshausener und freut sich über den Anklang des Projekts. Er lobte die Leiter Michael Jentzsch und Martin Kotzurek mit ihren Teams, die gemeinsame Sache mache Spaß und solle auch auf anderen Ebenen der beiden Kommunen ausgebaut werden.

Auch die Moderatoren-Clowns hatte ihren Spaß.

Dann formen zwei Dutzend Artisten immer wieder neue Figuren, stemmen die Beine ihrer Kameraden, die sich wiederum mit den Armen auf den Schultern anderer Gruppenmitglieder stützen. Mit Handständen und Menschenpyramiden verwandeln sie sich in neue Bilder. Das sieht im farbigen Scheinwerferlicht und vor den schwarzen Vorhängen richtig spektakulär aus. Dann balancieren Schüler mit einer Art übergroßem Tennisschläger über ein Drahtseil, andere kreisen mit Helmen auf winzigen Drahteseln und Einrädern um bunte Pylone. Die nächste Nummer fordert ein bisschen Ausdauer. Die „Magier“ tragen bunte Hüte und Tafeln mit einem Zahlenmeer in Händen. Ein Zuschauer soll eine Zahl notieren und sagen, auf wessen Tafeln sie steht. So findet die Mannschaft heraus, die 77 hat er sich notiert! Dann schleudern und fangen andere Künstler Diabolos über die Bühne. Kinder in schwarzen Klamotten mit neonfarbenen Hüten tippeln auf großen Gymnastikbällen, drehen dabei noch Plastikteller auf Stäben, Tücher und Hula-Hoop-Reifen. Cliquen in gelben Warnwesten und mit Mexikaner-Hüten bewegen sich auf zusammengestellte Leitern und auf Stelzen und bilden mit ihren Geräten immer neue Bilder.

Ohne die 14 Betreuer wäre das Spektakel mit 90 Kindern nicht möglich gewesen, dankt Jentzsch und kündigt an, „nächstes Jahr knacken wir die 100!“. Für die Betreuern gibt es zu Dank „Nervennahrung“ und Sprungseile, „um die Kalorien wieder ab zu trainieren“. Eine von ihnen ist Stephanie Reb, die bereits beim ersten Mal 2006 dabei war. „Damals waren es nicht einmal halb so viele Kinder“, erinnert sich die junge Frau, die seinerzeit ihre Anerkennungsjahr als Erzieherin absolvierte. Zwei Jahre später schloss sie eine Ausbildung zur Zirkus- und Theaterpädagogin an. „Die Nummer mit den Leitern hatten wir damals noch nicht“, blickt sie zurück, auch die Rollbälle kamen erst später hinzu.

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Einige der Acht- und Neunjährigen der ersten Oster-Ferienspiele brüten heute überm Abi, weiß die Mitarbeiterin der „Drei Freunde“, der Betreuung an der Heusenstammer Otto-Hahn-Schule. Die Teenager haben schon als Betreuer während der Sommerferien mitgewirkt. In den Filmausschnitten des Zirkus’ von 2008 toben Kinder in Bayern-Trikots und T-Shirts der „wilden Kerle“ vor einem Vorhang in der Turnhalle der Rembrücker Matthias-Claudius-Schule. Hunde und Schwerter aus Luftballons waren eine Attraktion in jenem Jahr. „Vor zehn Jahren war Zirkus noch ganz neu in der Pädagogik“, resümiert Hagen von den Rolls Toys, „heute hat er Einzug in die Schulen gehalten“.

Beim jüngsten Finale stellen sich viele Teilnehmer geduldig vor dem aufgeblasenen Kletterberg an. Einige Mädchen tanzen zur Musik vor der Bühne, die Eltern treffen sich am Kuchenbüfett im Foyer.

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