Sport-Schwimmclub „Crazy Fish“

Jeder gehört dazu

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Eines haben alle Kinder gemeinsam, die bei „Crazy Fish“ das Schwimmen lernen: Sie lieben Wasser.

Obertshausen - Mit Speck fängt man Mäuse. Und mit Eis Tim! Stellt Volker Redemann die kühle Leckerei oder heiße Pommes in Aussicht, zeigt der 13-Jährige mit Down-Syndrom Höchstleistungen im Wasser. Gerade schwimmt er auf Bahn eins. Von Michael Prochnow 

Auch die anderen Kinder vom Integrativen Sport-Schwimmclub „Crazy Fish“ – „verrückter Fisch“ – planschen im Becken des monte mare oder lassen sich von Redemanns Sohn Robin in die Höhe werfen, um juchzend wieder im Becken zu landen. Die Gründer des Vereins haben sich neben dem Schwimmunterricht die Ausbildung in Erster Hilfe und Seniorengymnastik auf die Fahnen geschrieben. Seit Kurzem verfügt „Crazy Fish“ über ein behindertengerechtes Transportfahrzeug, damit die Helfer ihre Schützlinge zum Training oder zu Wettkämpfen chauffieren können. Der mit zehn Mitglieder kleinste Verein der Stadt sucht nun nach einem Anhänger, um die Materialien für die jungen Wasserratten verstauen zu können.

Das beliebteste Spielgerät im Schwimmerbecken ist das „Hamsterrad“, eine große, runde und aufblasbare Matratze, mit der die Mädchen und Jungen gewissermaßen übers Wasser laufen können. In einem Raum lagern außerdem noch Schlauchboote, Poolnudeln, Reifen und Scheiben. „Manche Kinder können kaum aufrecht gehen“, schildert Redemann die Handicaps seiner Schüler. „Aber das Balancieren über den Wellen beherrschen sie hervorragend“. So ist das auch beim Brustschwimmen: „Manche schaffen 30 Bahnen in einer Dreiviertelstunde.“ Und einige tauchen obendrein nach den bunten Bändern, die Redemann gerade ins Wasser geworfen hat, das an dieser Stelle rund 1,20 Meter tief ist. Neben Volker und Robin Redemann sind auch deren Ehefrauen Karin und Sandra als Übungsleiterinnen aktiv.

Motivation für Tim, Chiara, Kevin und die anderen Kinder mit Behinderungen sind Mutter oder Vater, die sie zu den Übungsstunden begleiten, aber auch ihre Altersgenossen ohne Handicap. Genau wie diese können die Mädchen und Jungen mit Beeinträchtigungen ebenso das Seepferdchen sowie das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold machen, betont Robin Redemann, der als Schwimmmeister im monte mare beschäftigt ist. Wenn dabei ein Kind nicht vom Block springen könne, würde dieser Teil im Ausweis eben gestrichen. Für den Betreuer, der auch Fitness und gesunde Ernährung lehrt, sei es wichtig, dass die Kinder spürten, dass sie dazu gehören. Die vier Teilnehmer mit und die 15 ohne Behinderung kommen aus Mühlheim, Rodgau, Eppertshausen, Gründau und Bad Soden.

„Für Medaillen tun die Kinder alles“, verrät der Vereinsvorsitzende Volker Redemann. Zuletzt staubten sie bei „Batschnass“, dem 24-Stunden-Schwimmen der DLRG Mühlheim, Edelmetall ab. Ein großes Plus, dass die Familie Redemann aus der Mühlenstadt nach Obertshausen führte, sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Leitung und Mitarbeitern des Monte mare. Betriebsleiter Carsten Kuczewski sehe in der Arbeit von „Crazy Fish“ eine „Bereicherung unseres Angebots“. Außerhalb des Bades unternehmen die „Fische“ Ausflüge, campen, grillen und backen Plätzchen. Die Übungsleiter geben hessenweit in Vorträgen ihr Wissen weiter. Traum von Volker Redemann, der als Rettungsschwimmer am Beckenrand patrouilliert, sei es, einmal mit einem der Jugendlichen mit Behinderung Wachdienst zu schieben. Tasche und Funkgerät schleppen sie ihm schon gern hinterher.

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