Training mit Asylbewerbern

Gemeinsam ein Ziel

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Yoseph Gebermichael (Mitte, lilafarbene Hose) ist einer der Eritreer, die in der Sportabzeichengruppe mittrainieren. Jörger Sport verbindet: Seit Herbst trainieren Asylbewerber aus der Unterkunft an der Badstraße in der Sportabzeichengruppe der TG Obertshausen mit.

Obertshausen - Sport verbindet: Seit Herbst trainieren Asylbewerber aus der Unterkunft an der Badstraße in der Sportabzeichengruppe der TG Obertshausen mit. Von Lena Marie Jörger 

Langsam senkt sich Yoseph Gebermichaels Körper Richtung Matte. Auf Handflächen und Knie gestützt, liegt er auf dem gelben Untergrund, das Gesicht Richtung Boden. Nur gelegentlich hebt er den Kopf, schaut nach vorne zu Wilfried Nowotnik. „Schön langsam“, ruft dieser gerade durch die Halle. Yoseph versteht das nicht. Er schaut einfach bei Notwotnik und den anderen Männern ab, wie sie die Übung machen.

Seit Herbst trainiert Yoseph montags mit der Sportabzeichengruppe der TG Obertshausen im Sportzentrum an der Badstraße. Der 34-Jährige stammt aus dem nordafrikanischen Eritrea, flüchtete von dort nach Deutschland. Nun ist er einer von sechs bis acht Asylbewerbern aus der gegenüberliegenden Gemeinschaftsunterkunft, die Nowotniks Übungsstunden besuchen.

Von Flüchtling zu Flüchtling

Angefangen hat alles im vergangenen Jahr. „Wir waren gerade draußen auf dem Sportplatz“, erinnert sich Notwotnik, „als wir die Jungs nebenan auf dem Hartplatz kicken sahen.“ Kurzerhand luden die Obertshausener Sportler die Gruppe junger Männer aus Eritrea zum Mittrainieren ein. „Da waren sie aber schon zu erledigt“, sagt Nowotnik. Eine Woche später kamen sie zur Übungsstunde.

Mit dabei: Heinz Hornof. Er und seine Frau Marga engagieren sich in der Flüchtlingsbetreuung, kochen mit den Bewohnern der Unterkunft und gehen mit ihnen ins Schwimmbad. Heinz Hornof repariert außerdem Fahrräder, die Obertshausener für die Asylbewerber gespendet haben. Dass er hilft, hat einen guten Grund: Er war selbst Flüchtling. Als er fünf Jahre alt war wurden er und seine Familie aus dem Sudetenland vertrieben. Über Tschechien und Sachsen kam er schließlich nach Offenbach, 1959 zog die Familie nach Obertshausen, in eine Doppelhaushälfte. „In der anderen Hälfte wohnte meine spätere Frau“, erzählt Hornof und schmunzelt, „das lag nahe.“

Sport ist willkommene Abwechslung

Nun engagieren sich beide in der Flüchtlingshilfe. An die große Glocke will Heinz Hornof das aber nicht hängen, dazu ist er viel zu bescheiden. „Ich weiß einfach, wie es ist, auf andere angewiesen zu sein.“

Yoseph, der über Äthiopien, Sudan, Lybien und Frankreich nach Deutschland kam, ist dankbar für die Hilfe und dafür, dass er am Sportangebot teilnehmen kann. Volleyball, Gymnastik, Fußball, all das sei für ihn und die anderen Asylbewerber eine willkommene Abwechslung.

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Hornof erzählt, er habe „den Jungs“ erläutert, was es mit der Sportabzeichengruppe auf sich habe, worum es gehe. „So haben sie ein Ziel vor Augen, das weckt den Ehrgeiz“, sagt er. Yoseph macht das Training auch einfach Spaß. „Und die Leute sind nett“, sagt er auf Englisch, denn sein Deutsch ist noch nicht so gut. Gemeinsam lachen können er und Hornof trotzdem. Irgendwie verstehen sie sich, teils auf Englisch, „teils nimmt man eben Hände und Füße zu Hilfe“, sagt Hornof. Er freut sich an diesem Abend besonders. Gleich drei Fahrräder wurden ihm als Spende für die Flüchtlinge angeboten.

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