„Stacy“ siegt mit ruhigem Rock

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Frauenpower war bei der Langener Formation „Texas Locas News“ angesagt.

Obertshausen - Die Überraschung stand Sebastian Hentschel ins Gesicht geschrieben, als seine Gruppe „Stacy“ am Samstag kurz vor Mitternacht zum Sieger des 18. Rock-Pop-Nachwuchs-Bandwettbewerbs gekürt wurde. Von Simon Broll

Immer wieder griff der Sänger ungläubig zum Mikrofon und bedankte sich beim Publikum, während seine Kollegen ihre längst verstauten Instrumente erneut auspackten und anschlossen. Wie in den Vorjahren durften die Gewinner nämlich zum Abschluss drei eigene Songs präsentieren.

Der Dank des Offenbachers an die Zuschauer war berechtigt: Hatte in früheren Jahren noch eine Jury über die Platzierung der Teilnehmer mitbestimmt, legte nun bereits zum zweiten Mal allein der Besucher den endgültigen Rang fest. Dementsprechend stark waren die sechs Bands bereits im Vorfeld bemüht, viele Anhänger für das Konzert zu mobilisieren.

Mit Grunge-Rock sang sich „Stacy“ aufs Siegertreppchen.

Die neue Bewertungsmethode stieß nicht bei allen Gästen auf Verständnis. Einige von ihnen äußerten die Befürchtung, dass statt Qualität allein die Fanstärke über den Sieg entscheiden würde. Um solchen Vorbehalten entgegenzutreten, hatten die Veranstalter eine Neuerung eingeführt: Erstmals durften die Besucher nicht nur eine, sondern gleich zwei Stimmen abgeben – die sie jedoch auf unterschiedliche Gruppierungen verteilen mussten. „Dadurch hat jede Band die Möglichkeit, auch andere Fans von sich zu überzeugen“, meinte Jürgen Hofmann vom städtischen Fachbereich für Sport, Jugend und Kultur.

25 Minuten erhielten die Musiker, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Dabei legten sich die Teilnehmer auch optisch ins Zeug. Sänger Lucas Habermann der Death-Metal-Gruppe „Vantus“ etwa trat mit Maske, Schottenrock und langer Mähne auf die Bühne. Bassist Marius Giel der Langener Rock-Formation „Who’s Mary“ erschien mit blau gefärbten Haaren, während die Hardrocker von „MarieWonder“ aus Rodgau mit Delia Hagenau die einzige Schlagzeugerin des Wettbewerbs präsentieren konnte.

Am Ende überzeugten die ruhigen Grunge-Rocker der Formation „Stacy“. Mit 31 Jahren die ältesten Teilnehmer des Wettbewerbs, gelang es der Gruppe um Frontsänger Sebastian Hentschel dennoch, selbst das jüngere Publikum bis an die Bühne zu locken.

Auf dem zweiten Platz landete das Quartett „Right As Rain“ aus Mühlheim, Frankfurt und Babenhausen, das mit seinem Melodic Power Rock dem Saal richtig einheizte. Platz drei ging an die Langener Musiker von „Texas Local News“ und ihre Mischung aus Pop- sowie Hardcore-Einlagen. Vor allem Vokalistin Carla Janiel sorgte dabei für die nötige Frauenpower kurz vor Ende der Veranstaltung.

Weiblichen Elan versprühte im Verlauf des Abends auch Leonie Jakobi. Die Sängerin der Vorjahres-Siegerband „Business for your ears“ übernahm gemeinsam mit DrummerNico Weilmünster die Moderation und durfte am Ende die Siegerehrung durchführen. Die Gewinner von „Stacy“ erhielten ein Preisgeld von 500 Euro überreicht, Platz zwei wurde mit 300 Euro und der dritte Platz mit 200 Euro belohnt. Alle anderen Gruppierungen durften sich über 100 Euro freuen. Das Geld muss projektbezogen eingesetzt werden, etwa zum Erwerb neuer Instrumente oder zur Aufnahme einer eigenen CD.

Trotz friedlichen Verlaufs des Wettbewerbs sorgten die schwindenden Besucherzahlen für einen Dämpfer bei den Veranstaltern. Der Negativtrend der vergangenen Jahre setzte sich fort: Diesmal kamen nur 300 Gäste ins Bürgerhaus.

Dass die geringe Resonanz am Austragungstermin während der Ferien lag, wagten die Organisatoren zu bezweifeln. „Wir haben das Konzert bisher immer während der Herbstferien ausgetragen und konnten früher dennoch die Halle füllen“, versicherte Jürgen Hofmann. Eine weitaus größere Rolle spielte mit Sicherheit die geringe Beteiligung von Obertshäuser Musikern. Mit Nino Bast von der Gruppe „Vantus“ war nur ein Instrumentalist aus der „Kleinstadt mit Herz“ im Wettbewerb vertreten. Allein deswegen blieben wohl viele jüngere Bürger dem Konzert fern.

Bleibt zu hoffen, dass sich im kommenden Jahr wieder mehr Eigengewächse aus Obertshausen am Wettbewerb beteiligen möchten.

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