Thomas Zeiger entführt Schüler virtuell ins Obertshausen der Vergangenheit

Stadtgeschichte mal ganz anders

Stadtgeschichte: Gebannt lauschen Viertklässler den Erzählungen.
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Stadtgeschichte: Gebannt lauschen Viertklässler den Erzählungen.

Neues aus der „Stadt mit Herz in der Mitte Deutschlands“ – die kann man jetzt auch am heimischen Computer kennenlernen. Viertklässler der Joseph-von-Eichendorff-Schule sind mithilfe des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) zu einem digitalen Rundgang und einer virtuellen Zeitreise aufgebrochen.

Obertshausen – Stadtführer war Thomas Zeiger vom HGV, der dabei seinen Platz vor dem Bildschirm von Schulleiterin Alexandra Hahn nicht verlassen musste. Zeiger erblickte gegenüber des Schulhofs das Licht der Welt. „Damals ging keine Frau zur Entbindung ins Krankenhaus“, erklärt er dem Dutzend Teilnehmer an der Videokonferenz. Der Mann aus der Waldstraße ist also ein „Kenner“ von „Oberduishusen“. „Das ist schon lange, lange her“, dreht er die Zeit um ein paar hundert Jahre zurück. „Damals hatte Obertshausen 20 Einwohner, Hausen sieben. Pferdefuhrwerke ratterten die heutige Bahnhofstraße hoch, die Postkutsche hielt am Dalles“, führt der pensionierte Berufsschullehrer aus.

Hausen war in den 1960er Jahren die reichste Gemeinde Deutschlands

In der „Fressgass“ gab es später mehrere Bäcker und Metzger, begründet Zeiger den Spitznamen und zeigt historische Aufnahmen aus der Altstadt. Die Kirchstraße war die Unnergass’, die Karl-Mayer- nannten die Bewohner Tiergartenstraße, weil dort Leute namens Fuchs und Gans lebten. „Heute sieht es so aus“, beginnt er und schickt Luftbilder von Autobahn, Bieberer und Beethovenstraße an die halbe vierte Klasse nach Hause. Selbst das Kohlekraftwerk in Großkrotzenburg ist noch auszumachen.

130 Betriebe fertigten nach zweitem Weltkrieg in der Gemeinde „Offenbacher Lederwaren“, Geldbörsen, Taschen, Koffer. „Heute sind es nur noch drei.“ Auch Karl Mayer habe im Bauernhof angefangen, seine Wirkmaschinenfabrik wurde rasch weltweit bekannt, erfahren die Schüler.

Thomas Zeiger vom Geschichtsverein entführt die Schüler in längst vergangene Zeiten.

Durch den Fleiß seiner Einwohner war Hausen in den 1960er Jahren die reichste Gemeinde Deutschlands. „In dieser Zeit haben sich Jugendliche aus den beiden Orten noch mit Tomaten und Kartoffeln beworfen“, plaudert Zeiger aus seinen Kindertagen.

1920 gab es noch keinen Bahnübergang, dafür eine Mineralwasserfabrik. „Obertshausen steht auf einer Wasserader, darum ist es im Omega-Tunnel immer feucht“, so Zeiger. An dieser Stelle gab es auch eine Fertigung von Eisstangen zum Kühlen, eine Kohlehandlung und das erste Schwimmbad, „sogar mit Sprungturm“. Es öffnete allerdings nur zwei Sommer: „Die Baufirma hatte zu viel Sand in den Beton gemischt, das Becken ist geplatzt.“ Dort und um Herz Jesu siedelten sich viele Gaststätten an: „Die Frauen gingen in die Kirche, die Männer in die Kneipe“, verrät der Stadtführer. Zeiger informiert seine Zuhörer noch, wo die Eis Emma zu seiner Zeit selbst gemachtes Eis anbot, wo’s gute halbe Hähnchen gab und „wir als Kinder immer eine Gurke oder ein Solei nehmen durften“. (Michael Prochnow)

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