Ersten Schritt getan

Beschluss: Aufstellung eines Bebauungsplans fürs Ymos-Gelände

+
Ein Blick aus dem obersten Stockwerk des ehemaligen Verwaltungsgebäudes über die alten Produktionshallen, die bald den Bagger weichen sollen. Die weißen Gebäude im Hintergrund gehören zum benachbarten Magna-Standort.

Obertshausen - Mit breiter Mehrheit haben die Stadtverordneten nun die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Gelände der ehemaligen Ymos AG beschlossen. Zudem soll der Magistrat einen städtebaulichen Vertrag zur Entwicklung der Industriebrache aushandeln. Von Thomas Holzamer 

Es ist gewissermaßen der städtische Startschuss zu einem Marathon, angefangen vom Abriss der alten Fabrikhallen der Ymos AG bis hin zur geplanten Neuentwicklung des einstigen Firmenstandortes an der Feldstraße – in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause haben Obertshausens Stadtverordnete den vom Magistrat eingebrachten Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan für das Areal beschlossen. Dieses hat mit „Quartier zwischen Feldstraße und Rodau“ auch gleich einen neuen Namen bekommen, der bereits auf die – so die Hoffnung aller Beteiligten – positive Zukunft des Geländes verweise. Dort sollen nach dem Abriss der einstigen Produktionshallen und umfangreichen Bodensanierungsarbeiten in einigen Jahren bis zu 200 Wohneinheiten, 20 bis 25 Einfamilienhäuser und Gewerbeflächen entstehen.

Und gerade jene Zukunftspläne sind es auch, die im Vorfeld des Beschlusses von den Parlamentariern eifrig diskutiert wurden. Denn, mit der Aufstellung des Bebauungsplans wird der Magistrat der Stadt auch beauftragt mit der Cura GmbH, die als Hauptaktionärin der insolventen Ymos AG Eignerin des Geländes ist, den Entwurf für einen städtebaulichen Vertrag auszuhandeln, über den vor der Unterzeichnung dann die Stadtverordnetenversammlung entscheiden muss. Das Papier soll unter anderem die Kostenübernahme für die Entwicklung des Gebiets durch den Investor festschreiben und auch die Interessen der Stadt in Bezug auf die Gestaltung des Quartiers sichern.

„Ich sehe das Areal als Chancengebiet“, sagte Erster Stadtrat und Baudezernent Michael Möser. Mit dem Aufstellungsbeschluss und dem Auftrag, einen städtebaulichen Vertrag auszuhandeln, sende das Parlament auch ein wichtiges Signal für die Zukunft des Ymos-Geländes. „Der Beschluss dokumentiert die Bereitschaft der Stadt, das Gebiet zu entwickeln“, betonte er. Und die benötige die Cura als Investor, um ihrerseits in das Quartier zu investieren. So werden bisher allein für den ab Herbst geplanten Abriss der ehemaligen Produktionshallen und die anschließende Bodensanierung rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Auch die zur späteren Entwicklung des Geländes notwendigen Gutachten, deren Kosten – die liegen bei derartigen Projekten schnell im fünfstelligen Bereich – nehme der Investor nicht in die Hand, ohne zuvor eine Absichtsbekundung der Politik bekommen zu haben.

Mehr Zeit zur Beratung über den Aufstellungsbeschluss hätten sich die Bürger für Obertshausen (BfO) erhofft. Sicher sei die Revitalisierung des Areals positiv und auch die beiden weiteren Planungsziele im Beschluss – eine Bestandssicherung für die Produktion des benachbarten Kfz-Zulieferers Magna sowie die Schaffung von innerstädtischem Wohnraum – befürworten die BfO, versicherte deren Fraktionsvorsitzender Rudolf Schulz. Die „Bürger“ hatten in einem Änderungsantrag darüber hinaus gefordert, bei der Schaffung des neuen Wohngebiets einen Mindestanteil von 30 Prozent für bezahlbaren Wohnraum vorzuschreiben. Auch die Erstellung eines Lärm- und Verkehrsgutachtens sowie einer Expertise samt Kostenplanung für die notwendige Infrastruktur wie Verkehrsanbindung, Kindergarten- und Schulsituation sollte in den Beschlusstext mit aufgenommen werden. Die Änderung wurde von den übrigen Fraktionen jedoch abgelehnt, für Details sei es zum Zeitpunkt des Aufstellungsbeschlusses noch zu früh so der Tenor der Begründungen. Zudem warte man immer noch auf die Definition, was eigentlich bezahlbarer Wohnraum ist, erläuterte Matthias Krug (FDP) stellvertretend für seine Fraktion. Auch für die Forderung nach Gutachten sei der Aufstellungsbeschluss nicht der richtige Rahmen, begründete CDU-Fraktionsvorsitzender Anthony Giordano. Diese müssten ohnehin zu einem späteren Zeitpunkt erstellt werden, wenn es um die Planung der spätere Bebauung gehe. Bis dahin könnte es aber noch eine Weile dauern.

Europafest in Obertshausen: Bilder

Denn auf den Aufstellungsbeschluss, so hatte der Erste Stadtrat zuvor erläutert, folgt nun die Ausarbeitung eines Entwurfes durch die Verwaltung. Bevor dieser dann schließlich vom Parlament beschlossen werden kann, stehen die Einbeziehung der Bürger und betroffener Gruppen sowie dessen Offenlage an. Auch über die Verhandlungen mit der Cura werde dann regelmäßig berichtet, wobei die Stadtverordneten bereits priorisierte Themen einbringen könnten, kündigte er an.

„Um den Marathon zu laufen, müssen wir heute den ersten Schritt gehen“, fasste Bürgermeister Roger Winter schließlich zusammen, bevor die Beschlussvorlage mit den Stimmen aller Fraktionen mit Ausnahme der BfO angenommen wurde.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare