Stadtverordnetenbeschluss

Kreuzloch und Seewiesenwäldchen sollen Schutzgebiete werden

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Die herbstliche Morgenidylle im Naherholungsgebiet Kreuzloch hat Klaus-Uwe Gerhard fotografiert. Das soll nach dem neuen Beschluss Schutzgebiet werden.

Obertshausen - Das Kreuzloch soll zum Naturschutzgebiet werden, zumindest wenn es nach dem Willen der Stadtverordnetenversammlung geht. Nach deren Beschluss liegt es nun am Regionalverband. Von Thomas Holzamer 

Es war eine lange und emotional geführte Diskussion, die in den vergangenen Sitzungsrunden einmal mehr um Obertshausens Naherholungsgebiet Kreuzloch und das Seewiesenwäldchen geführt wurde (wir berichteten). Nun hat die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich für die Ausweisung des rund 12 Hektar großen Areals als Schutzgebiet gestimmt. Dafür soll sich der Magistrat bei der anstehenden Fortschreibung des regionalen Flächennutzungsplans einsetzen, die der zuständige Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main plant. Gleichzeitig sollen durch den Regionalverband zum Ausgleich andere Flächen auf Obertshausener Gemarkung als geplante Wohnbauflächen ausgewiesen werden.

Eine Lösung, die die Fraktionen der Großen Koalition statt der von den Grünen geforderten Variante eingebracht hatten. Letztere hatten ebenfalls die Ausweisung beider Areale als Schutzgebiete beantragt, jedoch ohne dafür an anderer Stelle die Ausweisung von bebaubaren Flächen zum Ausgleich zu fordern. Zudem sollte nach dem Wunsch der Grünen für die Dauer der Bearbeitung eine mögliche Aufstellung von Bebauungsplänen für beide Areale unmöglich gemacht werden.

Die würde es nach den Aussagen der übrigen Fraktionen ohnehin nicht geben, denn in einem Punkt waren sich alle an diesem Abend einig: Bauen wolle derzeit im Kreuzloch keine Partei, so die Aussage sämtlicher Vertreter. Dies hatten sowohl CDU und SPD als auch die FDP in die Beschlusstexte ihrer Anträge aufgenommen. Die Freidemokraten wollten mit einem Änderungsantrag zunächst prüfen, ob und wo im Stadtgebiet die von der Großen Koalition gewünschten 12 Hektar als alternative Flächen für eine Wohnbebauung ausweisbar wären. Das wurde jedoch von den übrigen Fraktionen abgelehnt.

Der Antrag von CDU und SPD setzte sich, unterstützt mit den Stimmen der Freidemokraten, durch. Diese scheiterten mit ihrem Änderungsvorschlag ebenso wie der Vorstoß der Grünen. Den Entscheidungen war in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung eine emotionale Diskussion vorangegangen. Dabei warfen Grüne und Bürger für Obertshausen (BfO) dem Bündnis vor, sich mit ihrem Vorhaben die Möglichkeit offenhalten zu wollen, in Zukunft doch noch am Kreuzloch bauen zu können.

„Wir sehen nicht, wo wir die 12 Hektar zum Ausgleich noch finden sollen“, begründete BfO-Mitglied Manfred Christoph die Ablehnung seiner Fraktion zum Antrag der Koalition. „Wir sind der Ansicht, das Ymos-Areal und das Gelände der Fröbelschule reichen als Bauland aus“, bekräftigte Grünen-Fraktionschef Klaus-Uwe Gerhardt. Auch er sehe die von der Koalition geforderten 12 Hektar zum Ausgleich für Kreuzloch und Seewiesenwäldchen nicht. Momentan wolle es zwar keiner bebauen, aber CDU, SPD und FDP wollten sich die Möglichkeiten für die Zukunft offenhalten, mutmaßte er.

Das sei schlichtweg eine Unterstellung und zugleich eine unnötige Debatte, welche die Grünen da aufmachten, konterte Walter Fontaine (SPD). „Mit der SPD hat und wird es dort auch in Zukunft keine Bebauung geben“, erklärte er. Zudem habe der Regionalverband im Gespräch von sich aus angeboten, gemeinsam mit der Verwaltung nach entsprechenden Flächen zu schauen, die im Ausgleich für das Kreuzloch für eine künftige Wohnbebauung ausweisbar wären.

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Und die brauche die Stadt für die Zukunft dringend, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Anthony Giordano. Denn sollte eine zukünftige Mehrheit irgendwann mal den Wunsch hegen, an einer anderen Stelle im Stadtgebiet neuen Wohnraum auszuweisen, gehe das nur, wenn die Stadt noch über die nötigen Ausgleichsflächen verfügen könne. „Denn das Ausgleichsverfahren des regionalen Flächennnutzungsplanes schreibe vor, dass jede Gemeinde, eine bereits im Plan vorgesehene Fläche als Ausgleich hergeben müsse, wenn sie eine andere bebauen wolle. Daher stellten die derzeit noch als Erweiterungsfläche vermerkten Areale im Sinne dieses Ausgleiches ein wertvolles „Kapital“ dar. „Eine Streichung dieser Flächen, ohne die gleichzeitige Ausweisung einer Alternative, käme einer Verbrennung dieses Kapitals gleich und würde für kommende Generationen eine erhebliche Beschränkung der Möglichkeiten in der Stadtentwicklung bedeuten“, sagte Giordano.

So sehen es auch die Freidemokraten. „Das wurde ja 1999 schon beschlossen“, erinnerte FDP-Fraktionschefin Elke Kunde. Schon damals habe die Stadt vom Planungsverband die Antwort bekommen, dass es sich dabei überwiegend um landwirtschaftlich genutzten Boden handele und somit eine Qualifizierung als Landschaftsschutzgebiet fehle. Daran habe sich inzwischen nichts geändert, sodass die Antwort des Regionalverbands vermutlich ebenso lauten werde.

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