Einblicke in Arbeitsstätte einer Künstlerin

Ständig etwas im Kopf

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Als Jugendliche hat Silvia Wenzel begonnen, mit Ölfarben zu malen, später experimentierte sie mit Seidenaquarellen und Batiken, später wandte sie sich de, Gestalten von Speckstein zu.

Obertshausen - Es sei das kreative Schaffen selbst, das ihren Horizont erweitert, sagt Silvia Wenzel. Aber auch der Austausch mit Kollegen und die Teilnahme an Ausstellungen bereichere sie. Von Michael Prochnow

Am Sonntag hat die Künstlerin Freunden und Interessierten Einblicke in ihre Arbeitsstätte und den Lebensmittelpunkt ihrer Familie gewährt. Die Gäste wandeln durch ein kleines Paradies, das Auswüchse der Natur und Ideen der Bewohner zu einer harmonischen Einheit verbindet. Das „offene Atelier“ steht sich im prächtig wuchernden und blühenden Garten der Wenzels, der Räume zum Plaudern, Schauen und Speisen eröffnet. In diese entspannte Atmosphäre fügen sich Bilder und Plastiken der Gastgeberin ein, die sich auf plastische, dreidimensionale Werke konzentriert. Silvia Wenzel liebt ihre Naturcollagen mit Durchbrüchen in Blattform, das Zusammenspiel aus Licht und Schatten, den Blick durchs Schlüsselloch in Wald und Himmel.

Bereits als Jugendliche habe sie begonnen, mit Ölfarbe zu malen, erzählt die Künstlerin. Später experimentierte sie mit Seidenaquarellen und Batiken, „aber die Technik mit flüssigem Wachs wird wenig geschätzt“, musste sie erfahren. Also modellierte sie Reliefs auf Leinwand, hob mit Spachtelmasse Motive hervor. Dann wandte sie sich dem Gestalten von Speckstein zu. Dieses Material zeichne sich durch seine recht weiche Beschaffenheit aus. Es lasse sich mit leichtem Schnitzwerkzeug bearbeiten. Wenzel setzt neben Raspel, Handsäge und Schmiergelpapier trotzdem auch Hammer und Meisel ein. Der Stein entwickle zudem verschiedene Farbtöne und lasse das Licht durchscheinen, zeige Maserungen wie Marmor oder Granit, schwärmt die Fachfrau.

Künstlerischer Gestaltungsprozess ein sinnliches Erlebnis

„Aus dem Magnesium-Silicat wird Talkum, mit dem Turner ihre Hände einpudern“, lehrt sie. Sie selbst schätze es, weil es sich so weich anfühlt. Der künstlerische Gestaltungsprozess ist für die Obertshausenerin auch immer ein sinnliches Erlebnis. So fühle sich Alabaster sehr hart, körnig und rau an, vergleicht sie. Ihre Erfahrungen mit Speckstein hat sie in ein anschauliches Werkbuch gepackt, auf das sie auch von fortgeschrittenen Schülern und Kollegen bereits wohlwollende Reaktionen erhalten habe. Außerdem bietet das umtriebige Talent in den Sommermonaten Arbeitskreise an, die in ihrer Gartenlaube werkeln. Mehrere Ergebnisse dieser Treffen sind auf einem eigenen Tisch drapiert, auch Specksteine, die noch nicht fertig behauen sind und das Vorgehen des Künstler-Nachwuchses dokumentieren. Im Winter kehrt sie dann regelmäßig zu Öl und Pinsel zurück, hat so auch die „Facebook-Generation“ geschaffen, eine Gruppe bewegter Jugendlicher in flotter, bunter Kleidung.

Besucher jeden Alters betrachteten beim Tag der offenen Tür die Werke von Silvia Wenzel und Workshopteilnehmern.

„Ich habe ständig etwas im Kopf“, erklärt sie ihre permanente Produktion, „meistens brennt schon was in mir“. Ihre Werke sind konkret und jedes trägt einen Namen, darauf besteht Silvia Wenzel. Tochter Sonja tritt in ihre Fußstapfen, hat aber dennoch einen eigenen Stil entwickelt. Einer ihrer Beiträge zum „offenen Atelier“ ist ein Bleistift-Portrait zweier tätowierter Mädchen, die eng umschlungen und mit hochgesteckten Frisuren den Betrachter anschauen. Auch das Triptichon, ein Baum mit verspielten, bunten Blättern, verteilt auf drei Stelen, stammt von Sonja Wenzel und stößt auf viel Bewunderung aus allen Generationen.

Das Kontrastprogramm bietet Markus Koch. Der 37-Jährige aus Osthofen bei Worms bereichert die Botanik mit hoch aufragenden Figuren aus rostigen Metallstreifen, die mit einem Lichtbogen-Schweißgerät zusammengefügt sind. Diese Technik hinterlässt Wülste, die sich ins Gesamtbild einfügen. Je nach dem, ob die Plastik vor Büschen oder auf dem Gras steht, nimmt sie unterschiedlich stark Feuchtigkeit auf und setzt die Korrision fort, verändert sich also fortlaufend, erläutert der Künstler. Der Stahl führe seine Hand, er selbst „lässt den Dingen freien Lauf“ und ergötzt sich daran, dass manche die Gebilde als Männer sehen, andere einen Frauenkörper erkennen. Wer die Kunst-Körper der Silvia Wenzel am Wochenende verpasst hat, kann sich im Internet unter www.silvia-wenzel.deüber ihre Aktivitäten, Ausstellungen und Auszeichnungen informieren.

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