Bei ihr haben alle „Ja“ gesagt

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Melitta Matthes (2. von rechts) mit (von links) Marion Duchardt aus dem Standesamt, Bürgermeister Bernd Roth und Jürgen Hofmann.

Obertshausen - In ihre Augen blickten 1031 Männer, bevor sie „Ja!“ sagten. Und ebenso viele Bräute. 260 der von ihr geschlossenen Bünde fürs Leben haben nicht gehalten. Das ist die Bilanz der Standesbeamtin Melitta Matthes. Jetzt wurde sie von vielen Kollegen verabschiedet. Von Michael Prochnow

Melitta Matthes hatte 1963 als „Angestelltenlehrling“ begonnen - damals war die Verwaltung wegen des Neubaus im Feuerwehrhaus untergebracht. Ihre Eltern mussten den Lehrvertrag für die 14-Jährige mit unterschreiben. „Die Ausbildung kam mir wie eine Ewigkeit vor. Eine Tätigkeit als Standesbeamtin hätte ich mir nicht vorstellen können.“

„Wir haben Fenster und Fußboden noch selbst geputzt“, erzählt sie aus der Zeit ihrer Ausbildung. Die „Dienstanfängerprüfung“ bestand sie im März 1966 und wurde zum 1. April mit einem unbefristeten Vertrag übernommen. Ihr erster Schreibtisch stand im Einwohnermeldeamt, das sie von September 1977 an selbstständig führte. In jenem Jahr wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hausen und Obertshausen zusammengelegt. „Viele neue Kollegen sind gekommen“, erinnert sie sich an die unruhige Zeit. Nach dem Besuch entsprechender Lehrgänge wurde Melitta Matthes 1986 zur Standesbeamtin bestellt. Zwei weitere Jahre später übernimmt sie die Leitung der Abteilung. Von 1988 bis 2008 war Melitta Matthes zudem Vorsitzende des Gesamtpersonalrat.

Verhaftung im Standesamt

Im Dezember 2009 begann die aktive Phase ihrer Altersteilzeit, nun wechselt sie in die Freiphase, ergänzt Bürgermeister Bernd Roth. Damit war sie exakt 48 Jahre und acht Monate im kommunalen Dienst tätig und hat fünf Rathauschefs „überlebt“, hat sie ausgerechnet. „Anfangs waren wir wie eine Großfamilie“, blickte sie zurück. Heute seien die Abläufe in der Stadtverwaltung „unpersönlicher“. Wichtig war ihr, „mit Menschen zu tun zu haben“.

Die Hausenerin erinnert sich an einige Eheschließungen noch genau: „Ein rumänische Heiratskandidaten hielt sich illegal in Deutschland auf. Er wurde noch in meinem Büro verhaftet.“

Zuletzt hatte die Beamtin sechs gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften beurkundet. Jetzt möchte sie ihre Freundschaften mehr pflegen und sich stärker im Heimat- und Geschichtsverein engagieren. Die Schöffin am Amtsgericht Offenbach hat mit dem Golfspielen begonnen, liest und schwimmt gerne. Noch lässt sie das Arbeitsleben nicht ganz los: „Ich werde immer noch jeden Morgen um 6 Uhr wach.“

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