Hilfe für Ostafrika

Sternsinger sammeln für benachteiligte Kinder

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Singen für den guten Zweck: Die Sternsinger ziehen wieder durch die Obertshausener Straßen.

Obertshausen - 38 Jahre sind kein Grund zu feiern. Sie bieten aber ausreichend Erinnerung für einen Rückblick. Von Michael Prochnow 

Die Sternsinger der katholischen Kirchengemeinde Hausen haben Erfahrungen mit der Tradition seit 1979 in Spielszenen gepackt, die sie auf ihrem Weg durch Kitas und Rathaus zeigen. Da ist der kleine, vornehme Laden in der Ortsmitte, der die bunt gewandeten Mädchen und Jungen höflich, aber bestimmt am Betreten seines Verkaufsraums hindert. Oder der Geschäftsinhaber, der, kaum dass der letzte Ton verklungen ist, die Sternsinger hinaus in den strömenden Regen schickt. Und die Familie im gepflegten Reihenhäuschen: Der gekrönte Chor möchte Eltern und Kindern mit den flotten Liedern und guten Wünschen überraschen, doch niemand öffnet die Tür. Ein Schatten und eine schaukelnde Gardine verraten jedoch, dass jemand zu Hause ist…

Viel häufiger erleben die Botschafter von der Geburt Jesu Christi Begegnungen wie diese: Das Team vom Döner-Laden, das seine Wurzeln offenbar im muslimischen Glauben hat, empfängt die Gäste mit dem christlichen Brauch wahrlich wie Könige, bewirtet sie fürstlich und bedankt sich überschwänglich. Selbstverständlich darf Balthasar auch den Segenswunsch mit Kreide über die Tür schreiben. Immer wieder bitten Familien die Kinder und Jugendlichen mit Weihrauch und Stern in ihre Wohnungen, haben schon heiße Getränke und Plätzchen vorbereitet oder noch mehr. Davon also erzählen die Hausener Sternsinger und bitten ihre Zuhörer, ebenso Türen und Herzen zu öffnen. Viele der Kleinen in den Kindergärten scheinen die farbenprächtige Schar zu verstehen, in einigen Häusern greifen die Erzieherinnen das Gesehene auf, erklären, dass fremde Menschen Hilfe brauchen.

40 Mädchen und Jungen, Gruppenleiter und Pfarrer Christoph Schneider erfüllen das Rathaus Schubertstraße mit ihren Gesängen – und mit würzigem Weihrauch. Bürgermeister Roger Winter heißt die Weisen zum Gipfeltreffen willkommen, hofft, dass die Segenswünsche über dem Eingang zum Sitzungssaal Wirkung zeigen. Vor allem die Jüngsten greifen gerne in den Korb mit den gefüllten Schokokeksen und Gummibärchen.Nächste Station – Seligenstädter Straße, Horst-Warnecke-Haus. In dem Aufenthaltsraum treffen sie zwei Dutzend Senioren beim Mittagsmahl. Da passen gar nicht alle Sänger rein, die älteren singen vom Flur aus mit. Leiter Felix Michel erklärt, wofür die Spenden sind: Die Gemeinschaft habe sich für ein Nothilfe-Projekt für hungernde Kinder in Ostafrika entschieden. Dort schlägt das Wetterphänomen El Nino regelmäßig zu, vernichtet Ernten.

So ein bisschen stehen die Sternsinger in der Zwickmühle. Ihr Job ist eigentlich die Verkündigung der frohen Botschaft: Jesus, der Messias, ist da. Zwar ziemlich ärmlich in einer Krippe, aber da! Auf der anderen Seite packt gerade die Teenager, die schon länger dabei sind, auch der Ehrgeiz, die Sammelbüchsen so voll ins Pfarrer-Schwahn-Haus zu tragen, dass kein Cent mehr reinpasst. Das Geld ist schließlich für den guten Zweck.

Hessische Sternsinger bei Angela Merkel

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. In den Pfarreien in der Stadt Obertshausen kamen 2016 rund 20.000 Euro zusammen, europaweit sammelten die Heiligen drei Könige in den vergangenen 57 Jahren rund 994 Millionen Euro. Damit wurden mehr als 70.000 Projekte und Hilfsprogramme in aller Welt unterstützt, das Geld floss in Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Nothilfe.

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