Stets offen für den Dialog

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Vorsitzender Dr. Nikolaos Bademis und Bürgermeister Bernd Roth schneiden gemeinsam mit den Geistlichen Pfarrer Hans-Jürgen König und Vater Panagiotis Koniaris den Neujahrskuchen „Vasilopita“ an.

Obertshausen - Mit dem Anschnitt des traditionellen Neujahrskuchens „Vasilopita“, einer Autorenlesung und Musik aus der Heimat feierte der griechische Verein „Megas Alexandros“ am Freitag seinen Neujahrsempfang im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses. Von Peter Petrat

Nach dem Empfang im Foyer sprachen der Priester der griechisch-orthodoxen Gemeinde Offenbach, Vater Panagiotis Koniaris, und der katholische Pfarrer Hans-Jürgen König gemeinsam Gebete in Griechisch und Deutsch, um den Neujahrskuchen zu segnen.

Den Namen „Vasilopita“ trägt das Gebäck zu Ehren des Kirchenvaters Vasilios, der im vierten Jahrhundert nach Christus als Bischof auf dem Gebiet der heutigen Türkei wirkte. Den Erzählungen nach sammelte das geistliche Oberhaupt Gold und Schmuck aus einer ganzen Stadt ein, um den Befehlshaber eines feindlichen Heeres vom Einmarsch in die Stadt abzuhalten. Nach einer anderweitig getroffenen Vereinbarung waren die Schätze nun überflüssig geworden. „Da aber niemand mehr wusste, was von wem stammte, musste eine gerechte und gleiche Verteilmethode her“, versucht sich Dr. Savvas Savvidis aus dem Vorstand des Vereins zu erinnern. So entschied man sich, die Wertsachen in Kuchen einzubacken und in gleichen Stücken unter dem Volk zu verteilen. Hieraus ist der heutige Brauch zum Jahreswechsel entstanden, eine Münze in den Kuchen einzubacken und im Kreise von Familie und Freunden zu verteilen. Wer die symbolische Münze findet, der soll - ähnlich dem Bleigießen - im neuen Jahr Glück und Erfolg haben. Damit auch jedes Mitglied und alle Besucher einen Stück des Gebäcks bekamen, standen gleich mehrere auf dem Altar. Dank einer Spende der Sparkasse Langen-Seligenstadt konnten auch in diesem Jahr wieder zwei echte Goldmünzen eingebacken werden. Bereits seit Vereinsgründung vor 18 Jahren gibt es diesen Brauch und ebensolange währt die Unterstützung der Sparkasse. Auch Bürgermeister Bernd Roth half beim Anschneiden und bekam eines der ersten Stücke.

Verständigung und Miteinander von Deutschen und Griechen

Im Anschluss las die Autorin Melina Proikas aus dem Buch „Xenos in Deutschland“, das zusammen mit dem Goethe-Institut in Thessaloniki aus einem Wettbewerb für Kurzgeschichten entstanden ist und sich mit der Integration eines Deutschen befasst, der nach Griechenland auswandert. Zur Verständigung und dem Miteinander von Deutschen und Griechen weiß der Vorsitzende Dr. Nikolaos Bademis trotz der angespannten Lage in seinem Heimatland kaum schlechtes zu berichten: „Natürlich kann man nichts verallgemeinern, aber bisher haben wir sehr positive Erfahrungen mit den Deutschen gemacht. Gegenüber uns Griechen sind sie sehr nett und aufgeschlossen. Natürlich gibt es immer einige Ausnahmen, aber im Grunde haben die aktuellen Ereignisse das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen nicht geschädigt.“ Für den Dialog sei man jederzeit gerne offen, führt er fort. Oft werde man als Grieche angesprochen und nach der eigenen Einschätzung der Lage oder nach weiteren Infos gefragt, die über die Medien nicht bekannt werden. „Ich kann niemandem böse sein, wenn er nicht alle Fakten kennt. Und das ist ohne einen Kontakt zu einem Griechen oder nach Griechenland schwer“, erklärt der Vorsitzende. Innerhalb des Kollegiums an der Deutschen Schule, an der er arbeitet, finde sogar reger Meinungsaustausch und so manche spannende Diskussion statt.

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