Stillstand auf der A 3

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Geduld ist gefragt, wenn man auf der A3 unterwegs ist. Besonders rund um die Anschlussstelle Obertshausen ist der Verkehrsfluss häufig unterbrochen. Mit der Freigabe des Seitenstreifens soll sich dies demnächst ändern.

Obertshausen - „Hat die Scheibe etwa einen Sprung?“, fragt sich mancher Autofahrer, wenn er auf der A 3 rund um Obertshausen unterwegs ist - und dreht die Lautstärke entnervt wieder runter. Von Jörn Polzin

Nein, die Platte hat keinen Sprung. Es handelt sich lediglich um die x-te Verkehrsfunkmeldung, dass es sich auf der A 3 in dieser Ecke mal wieder staut, oder - falls man Glück im Unglück hat - zähfließender Verkehr vorherrscht.

Obertshausen. Immer wieder Obertshausen. Im Deutschlandfunk melden sie‘s, in hr 3 und in FFH. Warum immer Obertshausen?

„The same procedure as every day“, denken sich dann die Fahrer. Zumindest, wenn sie auf diesem Teilstück zwischen dem Offenbacher Kreuz und der Anschlussstelle Hanau unterwegs sind. Im Berufsverkehr - morgens Richtung Köln, abends retour Richtung Würzburg - liegt die Staulänge schnell im zweistelligen Kilometerbereich.

Udo Huck kennt die missliche Lage genau. „Das ist eine Frage des Platzes“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter der Autobahnpolizei Langenselbold. So passieren 120 Fahrzeuge pro Minute die im Behördendeutsch so genannte „AS Obertshausen“. „Das sind ab dieser Auffahrt 20 Prozent mehr als noch ein paar Kilometer weiter zurück an der Anschlussstelle Hanau.“

Täglich sind es 130000 Fahrzeuge

Noch bemerkenswerter sind die Zahlen, die ADAC-Sprecher Wolfgang Herda nennt. „Zwischen Obertshausen und der Anschlussstelle Hanau haben wir beidseitig täglich ein Verkehrsaufkommen von bis zu 130000 Fahrzeugen“, so der Verkehrsexperte. Dieser Andrang könne mit den vorhandenen Kapazitäten nur schwer bewältigt werden. Auch am Offenbacher Kreuz, wo der vierspurige Verkehr auf drei Spuren umgelegt wird, komme es häufig zu Verflechtungssituationen. Die Experten sprechen dann von einem „Flaschenhals.“

Die „Schlagader“ ins Rhein-Main-Gebiet

Die Bundesautobahn 3, kurz A 3, ist eine der wichtigsten deutschen Autobahnen. Sie verläuft von der niederländischen Grenze bei Elten in Weiterführung der A 12 (NL) parallel zum Rhein über den rechten Niederrhein, das westliche Ruhrgebiet (Oberhausen, Duisburg), Düsseldorf, den Kölner Raum, das Rhein-Main-Gebiet, Franken, die Oberpfalz an Regensburg vorbei und durch Niederbayern nach Passau und über die Innkreisautobahn A 8 (A) weiter nach Oberösterreich. Sie wurde 1936 zunächst abschnittsweise errichtet und ist heute die „Schlagader“ ins Rhein-Main-Gebiet. Ein Ausbau der A3 ist vielerorts geplant. Sie ist 778 Kilometer lang.

Die zeitlich befristete Seitenstreifenfreigabe, die vor zwei Jahren im Zuge der Initiative „Staufreies Hessen 2015“ vielerorts eingeführt wurde, hat sich auf Teilstrecken etabliert, konnte jedoch noch nicht überall aktiviert werden. So auch an der AS Obertshausen in Fahrtrichtung Würzburg, da dort die vorhandenen Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen noch nicht angebaut sind. Grund für die Verzögerung: Es fehlt noch an einer Baugenehmigung. Das Plangenehmigungsverfahren für den Ausbau der Obertshausener Auf- und Ausfahrt läuft derzeit, erklärt Stefan Hodes, Pressesprecher des Hessischen Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen. Der Beginn der Bauarbeiten ist für Frühjahr 2010 vorgesehen. Ebenfalls geplant ist ein Um- und Ausbau des Offenbacher Kreuzes sowie der achtstreifige Ausbau der A 3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und der Anschlussstelle Hanau.

Staufrei - Ein weiter Weg

Doch zurück zum Hier und Jetzt: Mit Einführung der so genannten Verkehrsbeeinflussungsanlagen im Jahr 2007, die Mengenwerte an die Verkehrszentrale weiterleiten, habe sich die Situation schon etwas entspannt, meint Udo Huck. So habe sich die Dauer und Länge der Staus mit Hilfe des Überwachungssystems etwas reduziert. Wird der Schwellenwert von 85 Fahrzeugen pro Minute erreicht, kann der Seitenstreifen freigegeben werden. Um einer Verflechtung vorzubeugen, regt Huck eine frühzeitigere Steuerung mit Hilfe von Schilderbrücken an. „Die Gremien beschäftigen sich derzeit mit dem Thema. Knackpunkt sind die hohen Kosten.“ Die Installation einer Schilderbrücke koste etwa 40000 Euro. „Staufreies Hessen 2015“ - bis dahin ist es gewiss noch ein weiter Weg.

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